Ben Aaronovitchs Roman „Ein Wispern unter Baker Street“

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Ben Aaronovitch

Von Ralf Stiftel Der Hogwarts-Express fährt nicht ein in Ben Aaronovitchs drittem Roman über Peter Grant, den Londoner Polizisten für Fälle mit Magie. Aber am Ende von Plattform 3 in der U-Bahnstation Baker Street finden die Ermittler eine Leiche, erstochen mit der Scherbe einer Keramikschale, die aufgeladen ist mit Vestigia, dem Nachhall von Zauber.

Die Mördersuche führt Grant, seine Freundin Lesley, deren Gesicht durch Magie entstellt wurde, und seinen Meister Thomas Nightingale über geheime Märkte für mystische Produkte, in den Untergrund und in die Unterwelt. Sie treffen einen Kobold, einen Erdbändiger, Flussgötter und eine FBI-Agentin – der Tote ist der Sohn eines US-Senators.

„Ein Wispern unter Baker Street“ funktioniert mit Mustern, die bekannt sind. Aaronovitch schildert das heutige London mit Menschen, die sich gern mal über Magie lustig machen. Ein Polizist fragt Grant, ob er denn wirklich von den „Ghostbusters“ sei. Immer wieder werden die Motive der populären Fantasy benutzt, um Grants Welt zu erklären und zugleich zu erden. Hier hat der berühmte Physiker und Mathematiker Sir Isaac Newton auch die moderne Magie begründet. Und sie hat Nebenwirkungen, die J. K. Rowling nie eingefallen wären. Zum Beispiel zerstört der Einsatz von Zauberei High-Tech-Geräte wie Mobiltelefone. Und wer zuviel hext, läuft Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden. Solche Einfälle verleihen dem Buch nicht unbedingt transzendente Qualitäten, aber doch einigen Witz. Außerdem schildert der Autor detailverliebt die britische Metropole – ein bisschen Reiseführer darf auch sein.

Und wenn die Action gerade mal wieder pausiert und auch keine märchenhafte Szenerie zu beschreiben ist wie das Dorf der magischen Töpfer, dann darf der Leser sich auf die große Klappe des Helden verlassen. Peter Grant ist Sohn einer westafrikanischen Einwanderin, und kaum hat er ihr von seinem Job erzählt, da war sie zufrieden. Sie verstand „Hexenjäger“, und das hält sie für einen viel anständigeren Beruf als Polizist...

Ben Aaronovitch: Ein Wispern unter Baker Street. Deutsch von Christine Blum. Dtv, München. 447 S., 10,30 Euro

Quelle: wa.de

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