Viele musikalische Überraschungen an besonderen Orten

38. Haldern Pop Festival - alles anders, aber irgendwie auch nicht

The Holy spielten Donnerstagnacht auf dem Marktplatz ein begesiterndes Konzert.
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The Holy spielten Donnerstagnacht auf dem Marktplatz ein begeisterndes Konzert.

Nach einem Jahr Corona-Zwangspause hat am Donnerstag die 38. Auflage des dreitägigen Haldern Pop Festivals stattgefunden. Aber statt Hauptbühne auf dem Reitplatz und Spiegelzelt daneben, ist in diesem Jahr der Marktplatz und die St. Georgs-Kirche der zentrale Anlaufpunkt. Dazu wird die Teilnehmerzahl pro Tag auf 300 Besucher beschränkt statt der sonst 6500 Festivalgänger.

Haldern - Dazu kommen weitere Spielorte wie „Reinders Wiese“, einem kleineren Festplatz, auf dem ebenfalls eine große Bühne aufgebaut ist. Auch der Innenhof des ehemaligen Klosters Haus Aspel ist ein Auftrittsort (passend singt hier der Berliner Chor Cantus Domus, der zum Haldern-Inventar gehört), so heißt es auch in diesem Jahr: besondere Musik, aber die an besonderen Orten. Das Festivalgelände wird gemieden, damit bei den Besuchern keine allzu große Melancholie aufkommt. Das gelingt. Nur 250 Camper als Festivalgäste sind hier untergebracht.

Kurzfristige Absagen von Künstlern

Das Publikum kommt entweder in je zehn Fahrrad- oder Wandergruppen zu je zehn Personen zu den Spielorten, alles funktioniert reibungslos - abgesehen von ein paar Fahrradunfällen.

Cantus Domus im Innenhof von Haus Aspel.

Die Planung im Line up gestaltet sich im Vergleich zum aufwändigen Gesamtkonzept ungleich schwieriger. Allzu viele Bands spielen ohnehin nicht, der englische Markt war ohnehin komplett dicht. Da fallen fünf krankheitsbedingte Absagen von Künstlern am Tag davor oder am Auftrittstag schwer ins Gewicht.

 Das ist das erste Festival, dass wir spielen. Es ist überhaupt das erste Konzert, was wir geben.

Oh Alien aus Wien.

Dennoch hat der musikalische Leiter Stefan Reichmann wieder ein buntes Line up zusammengestellt, das für die ideale Stimmung sorgt. Die vor zwei Jahren gegründeten Band Oh Alien aus Wien spielt auf Reinders Wiese mit einer klaren Agenda, wenn sie gegen alte weiße Männer ansingen, die die Welt erklären wollen oder einfach nur Angst vor der ungewissen Zukunft haben.

Oh Alien aus Wien bei ihrem ersten Konzert überhaupt.

Die Sängerin, die mit ihrer Stimme an die Schweizerin Sophie Hunger erinnert, ist dankbar ob der ungeteilten Aufmerksamkeit: „Das ist das erste Festival, dass wir spielen. Es ist überhaupt das erste Konzert, was wir geben.“ Typisch Haldern, sie dennoch einzuladen.

Momente und Erinnerungen schaffen

Energiegeladen wird es am Abend auf dem Marktplatz mit der französichen Band Johnny Mafia, einem melodiös-krachigen und druckvollen Vier-Mann-Abrissunternehmen mit einem Ausdrucksbassisten, der die wildesten Grimassen schneidet und die düsteren Finnen The Holy mit treibenden Gitarrenrock und zwei Schlagzeugen. Hier gibt es in der Nacht auch im Publikum endgültig kein Halten mehr.

Johnny Mafia aus Frankreich.

Die sechsköpfigen, aus Paris stammenden Catatrophe begeistern zudem auf Reinders Wiese mit perfomance-artigen Cabaret-Pop, Bebop und Calypso, erzählen musikalische und visuelle Avantgarde-Kurzgeschichten. Sie begeistern auch mit einem tollen Cover von „Small Town Boy“ und nehmen dazu sogar Publikumskontakt mit Umarmungen auf.

Catastophe aus Paris.

Die Sängerin ist 90 Minuten in Dauer-Bewegung und bringt das Haldern-Motto auf den Punkt. „Wir wollen Momente und Erinnerungen schaffen.“ Das hat geklappt.

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