„21“ ist das neue Album der Heavy-Metal-Band Rage

+
Schlagzeuger André Hilgers, Frontmann Peter „Peavy“ Wagner und Gitarrist Victor Smolski (von links) sind Rage. ▪

Von Sven Prillwitz ▪ HERNE–Suizid, Serienmörder, Massenmord, Verzweiflung und Tod im Allgemeinen – was den Großteil der Texte ihrer neuen CD „21“ angeht, wird die Herner Band Rage Vorurteilen über Metal-Combos gerecht. Hinter der auf den ersten Blick morbiden Fassade steckt aber meist mehr als Destruktivität. Und in musikalischer Hinsicht hat die Combo um Bassist und Sänger Peter „Peavy“ Wagner nicht nur ein abwechslungsreiches, sondern vor allem schnelles und hartes Werk mit großartigen Melodien eingespielt.

„Alles ist sehr mächtig und aggressiv und hat noch mehr Energie und die nötige Aggression bekommen“, ließ Gitarrist Victor Smolski kurz nach dem finalen Mix des neuen Silberlings verlauten. Die Musiker sind sich sicher, mit ihrem 21. Longplayer nicht nur ein „wahres Highlight“, sondern auch die bislang härteste Scheibe in 28 Jahren Rage eingespielt zu haben. Smolski produzierte das Studioalbum, das die Band in den Twilight Hall Studios in Krefeld/Grefrath aufnahm, erneut gemeinsam mit Charlie Bauerfeind.

Von der 1984 gegründeten Band ist heute nur noch „Peavy“ Wagner, der für Gesang und Bass verantwortlich ist, als Mitglied der ersten Stunde dabei. Gitarrist und Multitalent Victor Smolski feierte 1999 auf dem Album „Ghost“ seinen Einstand. Schlagzeuger André Hilgers ist seit 2008 dabei, als „Carved In Stone“ erschien.

Über knapp drei Jahrzehnte erspielten sich Rage weltweit Fans. Besondere Aufmerksamkeit und Beachtung wurde der Band insbesondere durch ihre mehrfache Zusammenarbeit mit einem Orchester zuteil, später „Lingua Mortis Orchestra“ genannt. Nach dem 2010 veröffentlichten Album „Strings To A Web“ kündigte Rage allerdings an, sich wieder auf harte Songs konzentrieren zu wollen.

Das ist dem Trio gelungen: „21“ ist ein knapp 60 Minuten langer brachialer Mix aus Heavy Metal, progressiven Elementen und schnellen Trash-Passagen. Rage spielen mit den Erwartungen des Zuhörers, warten immer wieder mit überraschenden Tempowechseln und Brüchen in der Songstruktur auf. Dass die Lieder dennoch schnell ins Ohr gehen, liegt einerseits an den oft hymnenhaften Refrains. Zum anderen werden die Songs durch „Peavy“ Wagners oft eingängige Gesangsmelodien zusätzlich zum Ohrwurm.

Das Intro und die Ballade „Eternally“ sind die einzigen ruhigen Momente des Albums. Gleich acht der elf Songs handeln von Mord und Tod. Die Qualität der englischen Texte reicht dabei von berührend bis peinlich. In „Forever Dead“ thematisiert Wagner seine ambivalente Haltung zu seinem verstorbenen Vater, die insbesondere durch den starken Refrain („You‘re forever dead, you‘re forever dad“) für Gänsehaut sorgt. Auch „Death Romantic“, ein Lied über einem realen Fall eines über Facebook verabredeten Massensuizids, und „Black And White“, das einen kritischen Blick auf den Umgang des Menschen mit der Natur wirft, wissen zu überzeugen. Eine Mischung aus Splatter-Film und Parodie stellt der Song über einen Serienmörder dar, der von seinen blutrünstigen Trieben aus seiner Sicht berichtet. Verse wie „Ich will keinen Sex, sondern dir mit einer Kettensäge die Beine abtrennen“ oder „Ich bin ein Sklave, ein Diener des Grabes“ wirken allerdings pubertär bis peinlich – ebenso wie die Songs über eine enttäuschte oder ausgestoßene Person, die aus der Ich-Perspektive ihre Mordfantasien schildert.

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare