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13.000 Fans feiern Auftritt von Sting in Gladbach

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[Update 15.05 Uhr] Mönchengladbach - 13.000 Fans im Mönchengladbacher Hockey-Park sind überglücklich. Gerade eben ist Gordon Sumner, besser bekannt als Sting, zu einem zweiten Zugabenblock zurück auf die Bühne gekommen. Zuvor hat der 63-jährige Brite rund zwei Stunden lang bei seinem einzigen Deutschland-Konzert im Rahmen seiner Sommer-Tour Hit an Hit gereiht.

Rechts und links des Areals lauern anfangs noch ein paar graue Wolken, über der Bühne aber schimmert der Himmel blau. Mit seiner entspannten Art und dem allgegenwärtigen sonnigen Reggae-Vibe der Songs hat Sting den Regengott besänftigt, und die Pastikponchos bleiben in den Handtaschen. Die Nummer „Heavy Cloud No Rain“, die der Sänger im Laufe des Auftritts anstimmt und bei der die Zuhörer ordentlich mitskandieren sollen, dient da nur der Absicherung.

Sting trägt jetzt Rauschebart, ein Überbleibsel seiner Zusammenarbeit mit Paul Simon, mit dem er zuletzt auf Tour war. Ein anderes Souvenir der Kollaboration der beiden Künstler, das Sting mit an den Niederrhein gebracht hat, ist Simon & Garfunkels „America“. Da legt der Brite auch mal seinen abgewetzten Bass zur Seite und zupft die Gitarre, während vor der Bühne und auf den bunten Tribünen andächtig gelauscht wird.

Abgesehen davon ist das Konzert in Mönchengladbach die musikalische Collage von Sting-Hits und Police-Klassikern. Dass der Brite, der sich dank seiner Verdienste für Großbritannien „Commander of the Most Excellent Order of the British Empire“ nennen darf, nichts aus der Nische auftischt, sondern ein Best-of-Set serviert, das seinen Namen auch verdient, wird gleich bei den ersten Nummern deutlich.

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Konzert von Sting in Mönchengladbach

Los geht es mit "If I Ever Lose My Faith in You", gefolgt von "Every Little Thing She Does Is Magic", Englishman in New York" und "So Lonely". Die Mischung macht’s. Alles, was von den Songs ablenken könnte, wird ausgespart. Die Bühne ist schwarz, auf Firlefanz wird verzichtet. Fünf Musiker hat Sting mitgebracht, die bis auf Violinist Peter Tickell auffallend unauffällig bleiben.

Bei “Fields of Gold” geht ein herzergreifendes Raunen durchs Publikum. Der Schmachtfetzen sorgt für Schunkeleinlagen, feuchte Augen und eingeschobenen Szenenapplaus. „Desert Rose“, Stings kommerzielle Wiedergeburt am Ende der 90er Jahre, gehört ebenso zum Programm. Auf Platte unterstützt vom algerischen Sänger Cheb Mami übernimmt der Brite in Mönchengladbach alle Parts des von nordafrikanischer Folklore geprägten Stücks selbst.

Atmosphärisch wird’s auch bei den Songs von The Police, Stings New-Wave-Band vor der Solo-Karriere. Im verruchten, vom Tango infizierten Stück „Roxanne“ entführt der 63-Jährige die Zuhörer ins Rotlicht-Milieu, wechselt zwischendurch zu Bill Withers‘ „Ain’t No Sunshine“ und kurvt am Ende wieder zurück. Seinen Bass spielt Sting als sei es das leichteste der Welt, die Saiten eindrucksvoll zum Klingen zu bringen – mal jazzig, mal funky, mal bluesig.

Politisches Gefilde betritt der Sänger in „Driven to Tears“, in dem die Schere zwischen Arm und Reich im Mittelpunkt steht und das mit einem fetten Geigensolo brilliert. „De Do Do Do, De Da Da Da“ ist ein Kommentar über banale und einfach strukturierte Songs. In „When the World Is Running Down, You Make the Best of What’s Still Around“ besingt Sting die Postapokalypse, während es im UK-Nummer-eins-Hit “Message in a Bottle” um einen Vereinsamten geht, der per Flaschenpost seinem Dilemma entfliehen will und erkennt, dass er nicht der einzige mit diesem Schicksal ist.

Den größten Hit von The Police stimmt Sting kurz vor Schluss an: Bei “Every Breath You Take”, zweifach mit dem Grammy ausgezeichnet, hält es niemanden mehr auf den Sitzschalen. Die, die sowieso stehen, reißen ihre Arme in die Höhe und klatschen eifrig mit. Da ist es egal, dass die Nummer von einem Stalker mit einer beängstigen Obsession handelt und von einem Liebeslied keine Rede sein kann. An diesem Abend ist in Mönchengladbach dank Weltstar Sting alles egal. Es hätte sogar regnen können.

Quelle: wa.de

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