Märkische Kliniken stellen Strafanzeige

Polizei-Ärger für Youtuber nach Video aus verlassenem Marienhospital

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Ein Beispiel-Szene aus einem Youtube-Video. Das originale Video wurde inzwischen gelöscht.

Die Gänge sind hell erleuchet, der OP-Tisch wird abgesenkt und ein MRT in Betrieb genommen. Youtuber haben in einem verlassenen Krankenhaus gefilmt. Der Betreiber stellte Strafanzeige.

  • Youtuber haben einen Film in einem verlassenen Krankenhaus im Märkischen Kreis gedreht 
  • Zu ihrer Überraschung funktionierten fast alle Geräte noch 
  • Die Polizei hat Ermittlungen gegen die jungen Leute aufgenommen 

Iserlohn/Lüdenscheid - Unbekannte Youtuber haben einen besonderen "Lost Place" im Märkischen Kreis gefunden. Vor einigen Tagen wurde ein Video auf der Plattform Youtube hochgeladen, das ein verlassenes Krankenhaus zeigen soll. Ehemalige Patienten und Mitarbeiter erkannten die Klinik sofort. Das Video machte im Märkischen Kreis die Runde. 

Video auf Youtube über verlassenes Krankenhaus - handelt es sich um eine heimische Klinik?

Bis zur offiziellen Bestätigung vergingen allerdings einige Tage, sogar die Polizei wollte sich nicht festlegen, dass es sich wirklich um die Einrichtung in Iserlohn handelt. Vielfach wurden nur Bereiche gefilmt, die ausschließlich Krankenhaus-Personal betreten durfte - so OP-Säle, MRT- und Röntgen-Räume und das Leichen-Kühlhaus. 

Die Vermutungen bestätigten sich schließlich am Dienstag. Auf Anfrage unserer Zeitung teilten die Märkischen Kliniken in Lüdenscheid mit, dass  "nach Auswertung der Aufnahmen der Drehort im Marienhospital Letmathe bestätigt werden" konnte. Das Marienhospital war erst am 31. Oktober 2019 geschlossen worden

Moderator nimmt Publikum auf einen Rundgang durch das verlassene Krankenhaus mit

In dem Video begrüßt ein junger Mann das Publikum und lädt ein zu einem nächtlichen Rundgang durch das geschlossene und verlassene Krankenhaus. Der Weg führt durch die Krankenhausflure unter anderem in mehrere Operationssäle. Die Youtuber - es sind auf dem Video mindestens vier Personen zu sehen - scheuen sich auch nicht, das Licht anzuknipsen. 

Video zeigt OP-Säle und Leichenkeller im Marienhospital in Iserlohn-Letmathe

Die Eindringlinge sind überrascht, dass alle elektronischen medizinischen Geräte funktionieren. In einem OP-Saal legt sich ein junger Mann auf den OP-Tisch und lässt sich per Fernsteuerung rauf- und runterfahren. In einer Szene wird ein Computer angeschaltet - auch er lädt hoch. Ein MRT wird hin- und hermanövriert.  Dann geht es in den Leichenkeller.

In der Abschlusszene des rund zehnminütigen Videos verabschiedet sich der "Moderator"  aus einem OP-Saal, als im Hintergrund ein nackter Mann durchs Bild rennt. Mittlerweile haben die Macher das ganze Video gelöscht. Unsere Redaktion konnte den Film zuvor aber einsehen. 

Von Menschenhand geschaffen: Lost Places und andere gruselige Orte

Erster Hinweis erreichte die Märkischen Kliniken in Lüdenscheid am Donnerstag

Bereits am vergangenen Donnerstag hatten die Märkischen Kliniken  nach eigenen Angaben einen Hinweis erhalten, dassauf Youtube ein Video über das Marienhospital Letmathe kursiert, in dem Personen in der Nacht durch das Krankenhaus gehen und medizinische Anlagen bedienen. Daraufhin erstattete die Klinik-Leitung noch in der Vorwoche Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Hausfriedensbruchs bei der Polizeidirektion Lüdenscheid.

Das Marienhospital in Letmathe vor seiner Schließung. 

Nach Angaben der Märkischen Kliniken ist das Marienhospital nach seiner Schließung gegen unbefugtes Eindringen umfassend gesichert worden. So wurde eine komplett neue Schließanlage in die Außentüren eingebaut. Darüber hinaus wurden alle Fenster im Erdgeschoss durch Holzpaneelen verschlossen. Ein Wachdienst überprüft mehrmals pro Tag die Unversehrtheit der Zugänge. 

Wachdienst: Geschlossenes Krankenhaus wurde umfangreich gesichert

"Dies lässt den Rückschluss zu, dass sich die Eindringlinge mit krimineller Energie Zutritt zum Gebäude verschafft haben. Da momentan noch nicht klar ist, wie genau die Täter in das Gebäude gelangen konnten, wird der Einsatz weiterer Sicherungsmaßnahmen geprüft", heißt es in einer Stellungnahme der Märkischen Kliniken. 

Der Krankenhaus-Betreiber legt Wert auf die Feststellung, dass sich weder Rechner, die Zugriff auf Patientendaten erlauben, noch Patientenunterlagen im Gebäude befinden. Diese seien nach Schließung unmittelbar abtransportiert worden. Das Ergebnis der Sicherung der Patienteninformationen wurde zudem im Anschluss von einem Datenschutzbeauftragten kontrolliert, betonen die Märkischen Kliniken.

Mediziner sichten das Video und machen verschiedene Feststellungen

Der Rechner, der im Video von einer der Personen eingeschaltet wird, ist für die Steuerung eines Röntgengerätes vorgesehen. In der Stellungnahme heißt es dazu: "Nach Sichtung des Filmes mit medizinischem Fachpersonal gibt es zur Zeit für uns keinen Hinweis, dass die Röntgenröhre tatsächlich in Betrieb genommen wurde. Ob dies tatsächlich so war, wird durch eine Fachfirma derzeit noch technisch überprüft." 

Die noch im Marienhospital vorhandenen medizinischen Geräte sollen künftig in Lüdenscheid eingesetzt werden. Aus technischen Gründen können sie nach Aussage des Betreibers aber erst nach Lüdenscheid transportiert und aufgestellt werden, wenn die baulichen Maßnahmen am Zielort hierfür abgeschlossen sind. 

Polizei liegt das Video vor - es wird auf mögliche Straftaten hin überprüft

Die Polizei im Märkischen Kreis hat die Ermittlungen aufgenommen, sie prüft nach Angaben eines Sprechers das Video auf mögliche weitere Straftaten. Bis zum Dienstag wurden allerdings noch keine Tatverdächtigen ermittelt. Die Youtuber nennen in dem Clip keine Namen, waren aber auch nicht unkenntlich gemacht worden. Einzige Ausnahme: Der Nackte, der zum Abschluss durchs Bild lief. 

Die Märkischen Kliniken teilen mit: "Bei den beschriebenen Vorgängen handelt es sich um Straftaten. Die Märkischen Kliniken werden diese auch zukünftig straf- und ggf. zivilrechtlich verfolgen." Zur Sicherung von Regressansprüchen gegen alle an der Aktion Beteiligten, wurden die medizinischen Anlagen auf Beschädigungen hin geprüft. 

Nicht der erste Fall im Marienhospital in Letmathe in den vergangenen Wochen

Erstmals hatten Ende Januar und Anfang Februar Mitarbeiter der Märkischen Dialysezentren, die im sonst leeren Gebäude des Marienhospitals noch eine Dialysepraxis betreiben, Hinweise auf widerrechtliches Eindringen in das Gebäude gegeben. Dabei wurden Werkzeuge entwendet. Eine Anzeige wurde in allen Fällen gegen Unbekannt erstattet, Einbruchsspuren konnten aber damals wie heute nicht gesichert werden

Lost Places im MK besuchte unsere Redaktion in den vergangenen Tagen. Die Aufnahmen aus dem verlassenen Sauerland-Center zeigen ein Altenheim und die ehemalige Rundschau-Redaktion. Gespenstische Szenen gibt es aus einem Geisterdorf im MK, das jetzt komplett frei zum Verkauf steht. 

Foto-Reise durchs Geisterdorf Elverlingsen

Für großes Anteilnahme sorgte die Geschichte über den Tod von Niklas (20), der in den Märkischen Kliniken behandelt worden war. Seine Leiche wurde exhumiert. 

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