Urteil des Schöffengerichts am Amtsgericht Menden ist bereits rechtskräftig

Versuchte Brandstiftung auf Zeugen Jehovas: Bewährung für Mendenerin (34)

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Menden - Eine 34-jährige Frau aus Menden, die im Juli und September 2017 auf  naive bis dilettantische Weise versucht hatte, den Königreichssaal der Zeugen Jehovas anzuzünden, ist am Dienstag vom Schöffengericht am Amtsgericht Menden wegen versuchter Brandstiftung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden. Außerdem muss sie 200 Sozialstunden ableisten. Das Urteil ist rechtskräftig, nachdem sowohl die Angeklagte als auch Staatsanwalt Thomas Schmelzer Rechtsmittelverzicht erklärten.

Die Mendenerin - selbst zum Tatzeitpunkt Gemeindemitglied der Zeugen Jehovas in Menden - legte über ihren Anwalt ein kurzes Geständnis ab: Beide angeklagten Taten seien so von ihr begangen worden. 

Aufgrund dieser Teileinlassung der Frau war es dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter André Wefers möglich, jene Aussagen der Anegklagten einzubeziehen, die sie einem psychiatrischen Gutachter gegenüber gemacht hatte. Persönlich äußerte sich die Frau indes während der Verhandlung überhaupt nicht.

Bei der Strafzumessung hielt das dreiköpfige Schöffengericht der Frau zugute, dass sie schlussendlich in der Sache geständig sowie Ersttäterin gewesen war und bereits fünf Monate in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen gesessen hatte. Sie habe so die Folgen ihrer Tat zu spüren bekommen.

Der als Zeuge verhörte psychiatrische Gutachter attestierte der Angeklagten zwar Hass- und Gewaltfantasien gegen andere Gemeindemitglieder der Zeugen Jehovas. Es bestehe durchaus auch ein gewisses Restrisiko, dass sich ähnliche Taten wiederholen könnten.

Allerdings wurde in der Verhandlung deutlich, dass es der Frau, die in ihrem Leben seit der Kindheit keine Anerkennung erfahren hatte, bei ihren Taten offenbar mehr darum gegangen war, bloße Aufmerksamkeit zu erregen - eine Art Hilfeschrei.

Als sie im Juli 2017 nicht nur den Königreichssaal beschmierte, sondern auch Diesel verschüttete, bekam sie den Kraftstoff nicht in Brand gesetzt, weil sie schlichtweg nicht wusste, dass es dafür einer bestimmten Umgebungstemperatur bedarf. Und wäre es ihr gelungen, das Feuer zu entfachen, hätte es auf den Steinplatten vor dem verklinkerten Gebäude ebenso wenig Schaden angerichtet wie die zerbröselten Grillanzünder keine zwei Monate später.

Staatsanwalt Thomas Schmelzer hatte die versuchte Brandstiftung von Anfang September an diversen Stellen des Gebäudes mitten in einem Wohngebiet parallel zur L680 zwischen Menden-Mitte und dem Ortsteil Platte Heide bereits am Tag danach als religiös motivierte Tat eingeordnet.

Das Schöffengericht folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft und verurteilte die 34-jährige Mendenerin zu 20 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Lesen Sie unsere Vorberichterstattung zum Thema

5.9.2017: Interner Streit - Frau der Zeugen Jehovas (34) räumt Brandanschlag ein

4.9.2017: Brandanschlag auf Zeugen Jehovas in Menden - Pulver kein Gefahrstoff

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