Landgericht Hagen

Getötetes Kleinkind: So lautet das Urteil gegen den Pflegevater aus Plettenberg

+
Der Angeklagte aus Plettenberg nahm die Urteilsverkündung emotionslos entgegen.

[Update 11.03 Uhr] Plettenberg/Hagen - Das Urteil im Prozess um das getötete Plettenberger Pflegekind ist gesprochen. Der 30-jährige Angeklagte nahm es mit leerem Blick auf.

Nach sechs Verhandlungstagen, der Vernehmung zahlreicher Zeugen, Rechtsmediziner, Neurologen und psychiatrischer Gutachter steht fest, wie das Schwurgericht am Landgericht Hagen um den Vorsitzenden Richter Teich den Tod des 17 Monate alten Pflegekindes aus Plettenberg juristisch bewertet.

Das Hagener Schwurgericht folgte bei seiner Urteilsverkündung am Mittwoch um 9.06 Uhr im Saal 201 weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger und verurteilte den 30-jährigen Plettenberger zu einer Haftstrafe von 12 Jahren.

Er nahm das Urteil mit versteinerter Miene und leerem Blick auf. Im Publikum - etwa 30 Personen - gab es keine Reaktion.

Das sagt der Vertreter der Nebenklage zum Urteil

Richter Teich sprach in seiner Urteilsbegründung von "Anzeichen der Überforderung" im Umgang mit dem Pflegekind. Vor der Tat sei das Kind zur Beruhigung in sein Zimmer gesetzt worden. Da es sich nicht beruhigte, ging der Angeklagte ins Zimmer. Zuvor war der Staubsauger im Nebenraum kaputt gegangen. "Vor dem Hintergrund des Stresses, der Wut und Frustration hat er die Nerven verloren und das alles ausradiert am Kind", so der Richter in seiner Urteilsbegründung. "Der Angeklagte nahm den Tod des Kindes billigend in Kauf", führte Teich weiter aus.

So äußert sich der Strafverteidiger des Angeklagten

Auch zu den Teilgeständnissen des Plettenbergers äußerte sich der Richter. "Wir haben Zweifel an den Erinnerungslücken des Angeklagten. Man hat ein bisschen das Gefühl, dass er sehr genau weiß, an was er sich erinnern kann und was nicht." Er habe Erklärungen geliefert, die möglichst wenig belastend sei. "Er wusste, was passiert ist, aber er lässt es zu, dass das Kind nicht sofort Hilfe bekommt und sich auf Odyssee begibt", so Teich.

Der Angeklagte, der bereits seit acht Monaten in Untersuchungshaft sitzt und dort auch ein Teilgeständnis abgelegt hatte, hatte nach den Plädoyers erklärt, dass ihm "alles wahnsinnig leid tue". 

Der Fall

Dem angeklagten Pflegevater aus Plettenberg war vorgeworfen worden, seinen schreienden Pflegesohn am 2. Januar 2019 in dessen Kinderzimmer über 30 Mal massiv geschüttelt und fünf Mal auf den Kopf geschlagen zu haben - unter anderem mit dem Endstück eines Staubsaugerrohrs. Dadurch war es zu Einblutungen in der Netzhaut des Kindes sowie zu schweren Verletzungen im Gehirn des Kleinkindes gekommen - beide Verletzungen führen alleine bereits zum Tod.

Nach einer Odyssee durch drei Krankenhäuser in Plettenberg, Lüdenscheid und Essen war das Pflegekind in der daraufolgenden Nacht im Uniklinikum Essen an den Folgen seiner schweren Kopfverletzungen gestorben. Dank einer aufmerksamen Oberärztin im Klinikum Lüdenscheid waren die Pflegeeltern wenige Stunden später als Tatverdächtige vernommen worden.

Lesen Sie zum Prozess auch:

Die letzten Worte des Angeklagten und die Plädoyers

Das haben Kinderarzt und Rechtsmedizinerin ausgesagt

Angeklagter erklärt sich weinend

Angeklagter will Schweigen brechen

Wurde getötetes Pflegekind schon früher geschlagen?

Pflegevater schweigt, leiblicher Vater zeigt "Todesstrafe"-Pullover

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare