Deal ist perfekt

Unternehmer und Bio-Bauer kauft Teile der Sportklinik Hellersen

Teile der Sportklinik Hellersen in Lüdenscheid wurden verkauft.
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Teile der Sportklinik Hellersen in Lüdenscheid wurden verkauft.

Nach fast zwei Jahren Verhandlungen hat Dirk Burghaus einen Deal. Die Sportklinik Hellersen hat einen Investor gefunden, der einen Teil der Gebäude kauft. So fließt frisches Geld in die Kassen der renommierten Spezialklinik in Lüdenscheid. Im Gegenzug werden die verkauften Gebäude von der Sportklinik angemietet.

Lüdenscheid – Fritz-Klaus Lange, Unternehmer und im Nebenberuf Bio-Bauer, hat über eine neugegründete Firma Teile der Sportklinik Hellersen gekauft. Das bestätigte Sportklinik-Chef Dirk Burghaus. Der Kaufpreis liegt dem Vernehmen nach bei etwas mehr als 10 Millionen Euro. Im Gegenzug verpflichtet sich die Sportklinik, die Gebäude für mindestens 20 Jahre vom Investor zurückzumieten. Die Geschäftsführung informierte die rund 400 Mitarbeiter am Dienstag per E-Mail über den Deal.

Zum Immobilienpaket gehören die Häuser 2 und 3 inklusive des Medizinischen Versorgungszentrums sowie die Immobilien, in denen aktuell die Verwaltung untergebracht ist (früher Arag-Geschäftsstelle). Haus 1 bleibt dagegen weiterhin im Besitz der Sporthilfe. Käufer ist eine neu gegründete Firma, die am 23. März im Handelsregister beim Amtsgericht Bochum eingetragen worden war. Der Name: Lange & Burghaus Immobilien GmbH.

Tatsächlich ist Sportklinik-Vorstand Dirk Burghau neben Investor Fritz-Klaus Lange Geschäftsführer des Immobilien-Unternehmens, das die Sportklinik-Gebäude kaufte. „Herr Lange wollte mich dabei haben“, erklärt Burghaus. Nach eigenen Angaben hält Burghaus eine Minderheitsbeteiligung von zehn Prozent. Auf Nachfrage sagte der 46-Jährige, dass er auch eigenes Geld in den Kauf der Liegenschaften gesteckt hat. Allein das Stammkapital der neuen Firma beträgt 100 000 Euro. Ein Teil des Kaufpreises sei fremdfinanziert.

Laut Burghaus handelt es sich bei dem Deal um ein reines Finanzierungsmodell, um die defizitäre Sportklinik wieder in finanziell ruhigeres Fahrwasser zu lenken. „Der Verkauf ist eine Investition in unsere Zukunft. Mit dem Erlös werden wir nun zeitnah unsere fünf neuen, hochmodernen OP-Säle fertigstellen und unser Haus sukzessive renovieren“, erklärt Burghaus den Verkauf.

Der Kontakt zu Fritz-Klaus Lange hatte sich nach Darstellung von Burghaus erst in den vergangenen Monaten ergeben. Die bisher gehandelten Investoren – zwei Fondsgesellschaften – gingen leer aus. Trotz Absichtserklärung hatten sich die Verhandlungen mit den ursprünglichen Interessenten über fast zwei Jahre hingezogen – letztlich kam nun der Bochumer Immobilien-Unternehmer zum Zuge.

Der 61-jährige Fritz-Klaus Lange ist ein erfahrener Manager. Erst zum Jahreswechsel schied er als Vorstandsvorsitzender der Gegenbauer Holding SE & Co aus und wechselte in den Aufsichtsrat. Gegenbauer ist mit einem Umsatz von fast 790 Millionen Euro und 18 000 Mitarbeitern eines der größten Gebäude- und Facility-Management-Unternehmen in Deutschland. Der langjährige Chef und heutige Aufsichtsratschef Werner Gegenbauer ist als Präsident von Hertha BSC Berlin bundesweit bekannt. Sein Unternehmen schluckte 2016 die RGM Holding aus Dortmund, deren Vorstandsvorsitzender Lange über viele Jahre war. In einem Youtube-Video lässt sich Fritz-Klaus Lange als Bio-Bauer im Nebenberuf vorstellen und zwischen Pferden und Kühen filmen.

Nun investiert Lange in eine der bekanntesten Sportkliniken Deutschlands: „Ich möchte dazu beitragen, dass sich die Klinik zukunftssicher aufstellen, moderner und innovativer machen kann und ihr somit eine langfristige Perspektive geben“, wird der Unternehmer zitiert. Dabei fließt nicht nur Geld. Lange werde die Klinik künftig auch persönlich sowie mit seinem Netzwerk unterstützen, heißt es. „Hellersen ist eine Spitzenklinik im Bereich der Orthopädie und spielt dank der Expertise der Ärztinnen und Ärzte ganz klar in der ersten Liga“, sagt der Bochumer.

Ursprünglich wollte die Sporthilfe NRW die Sportklinik loswerden. Dazu sollte das seit Jahren defizitäre Spezialkrankenhaus Anfang 2019 in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt werden. Klinik-Vorstand Burghaus wäre dabei Mehrheitsgesellschafter geworden. Die Pläne scheiterten, weil die Mitarbeiter in diesem Fall ihren Anspruch auf betriebliche Altersversorgung der Kommunalen Versorgungskassen Westfalen-Lippe (KVW) verloren hätten. Die neue gGmbH hätte zudem eine Abstandszahlung in Millionenhöhe leisten müssen.

Das Sporthilfe-Präsidium hielt dennoch an Vorstand Burghaus fest und gab bereits im Sommer 2019 grünes Licht für den Verkauf von Teilen der Sportklinik. Mit Zustandekommen des Deals wurde auch öffentlich, dass der Vertrag mit dem hauptamtlichen Klinik-Vorstand Dirk Burghaus um weitere fünf Jahre verlängert wird. „Dirk Burghaus hat in den letzten fünf Jahren ein erfolgreiches Turnaround-Management durchgeführt und unser Haus durch mutige Entscheidungen zurück zu alter Stärke geführt“, lobte Präsidiumsmitglied Stefan Klett. Man stehe voll hinter Burghaus und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Burghaus selbst ist froh, dass er die schwierige Mission eines Verkaufs hinter sich hat. Jetzt sind die Kassen für Investitionen wieder gut gefüllt – auch nach dem Neubau der OP-Säle bleibe noch finanzieller Spielraum, um die Klinik optimal aufzustellen, so der Vorstand. Burghaus versicherte, dass sich durch den Verkauf für die Mitarbeiter nichts ändere.

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