IHK ist nicht dafür  zuständig

Unternehmer erneuert Vorwürfe gegen Ex-Finanzchef der Firma Kettler

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Werl/Arnsberg/Menden - Der Mendener Unternehmer Ulrich Bettermann hat seine schweren Vorwürfe gegen den ehemaligen Finanzchef des Freizeitartikel-Produzenten Kettler und heutigen Kuratoriumsvorsitzenden der Kettler-Stiftung, Manfred Sauer, erneuert und die IHK Arnsberg aufgefordert, Sauer von diesem Aufsichtsposten abzuziehen.

Was Bettermann übersieht: Die Kammer ist hierfür gar nicht zuständig. Und wirklich neue Fakten legt der Firmenchef in Sachen Sauer auch nicht vor. Es ist eine Auseinandersetzung in mittlerweile drei Akten. Dreimal nämlich hat der Mendener Unternehmer, lange Jahre Beiratsvorsitzender bei Kettler, der Presse eine Menge Dokumente und Unterlagen präsentiert, stets garniert mit gravierenden Vorwürfen gegen Sauer. Der, so Ulrich Bettermann, habe „die Familie Kettler über die Jahre bis zum Tod von Dr. Karin Kettler bestohlen, indem er Bargeld, Gold und Diamanten in erheblichem Wert entwendet hat“.

Harter Tobak – vor allem aber: Gezielte Anzeiger-Nachfragen nach Zeugen, die dies, möglichst eidesstattlich, bestätigen können, bleiben unbeantwortet. Mehr noch: In seinem Brief an die Industrie- und Handelskammer – und dort konkret an deren Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange und den Präsidenten Andreas Rother – räumt Bettermann ein, dass „leider inzwischen alle Mitglieder der Familie von Heinz Kettler verstorben“ seien und mithin „die Straftaten von Amts wegen nicht mehr verfolgt werden oder bereits verjährt sind“. Was die Sache so schwierig macht.

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Arnsberg hatte zu Beginn der Auseinandersetzung ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, dieses aber inzwischen eingestellt. Eine Beschwerde gegen diese Entscheidung bei der General-Staatsanwaltschaft wurde abgewiesen. IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange lehnt im Anzeiger-Gespräch jede Stellungnahme zu dem Vorgang und zum Schreiben von Bettermann mit dem Hinweis ab, dass die Kammer für die von dem Unternehmer geforderte Abberufung Sauers im Kuratorium und auch als Testamentsvollstrecker nicht zuständig sei.

„Wir besitzen auch keinerlei Einflussmöglichkeiten. Einzig zuständig ist hier die Stiftungsaufsicht – also die Arnsberger Bezirksregierung“, so Lange. Bei der Bezirksregierung fällt die Antwort auf die Anzeiger-Anfrage zum dritten Mal seit Herbst 2017 identisch aus: „Wir beobachten den Vorgang sehr genau und prüfen die uns zugeleiteten Vorwürfe“, sagt RP-Pressesprecher Benjamin Hahn. Lässt sich nur so deuten, dass dem RP bisher keine Fakten vorliegen, die ein Einschreiten als Stiftungsaufsicht erforderlich machen könnten.

Bettermann ist von Betrug überzeugt

Auf der letzten Pressekonferenz vor einigen Wochen hatte Ulrich Bettermann behauptet, Regierungspräsident Hans-Josef Vogel habe sich intern für eine Abberufung Sauers ausgesprochen. Eine entsprechende Anzeiger-Berichterstattung ließ Vogel umgehend als falsch dementieren. Dieses Dementi gilt bis heute. Was bleibt: Ulrich Bettermann ist felsenfest davon überzeugt, dass Manfred Sauer seinen ehemaligen Arbeitgeber auf vielfältige Art und Weise betrogen habe. Sauer hat dies zweimal schon durch seinen Rechtsanwalt, Dr. Tobias Eggers aus Dortmund, als falsch zurückweisen lassen.

Auf die erneut vorgetragenen Vorwürfe angesprochen, kündigte der Jurist für Freitag ein Gespräch mit dem zwischenzeitlich erkrankten Manfred Sauer an. Bei dieser Gelegenheit werde er seinem Mandanten verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie mit solchen Vorwürfen umgegangen werden könne. „Eine Strafanzeige ist natürlich denkbar“, so Eggers, der den Anzeiger kurzfristig über das weitere Vorgehen Sauers informieren will.

Kettler-Verkauf zieht sich in die Länge

In der Tatsache, dass Bettermann die Attacke gegen Sauer in einer für den Freizeitartikler hochsensiblen Phase reitet, in der akute Verkaufsverhandlungen offenbar deutlich länger laufen als ursprünglich geplant, erkennt Bettermann keinen Zusammenhang. „Ich jedenfalls will mir die Firma nicht unter den Nagel reißen“, betonte er gegenüber der Presse.

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