Helfer vermissen Respekt

Bei Angriffen auf Rettungskräfte reagiert der Kreis jetzt konsequent mit Anzeigen

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Die Einsätze sind für die Rettungskräfte schon stressig genug. Hier ein Foto von einer Übung. Leider nehmen die Übergriffe im Märkischen Kreis zu.

Märkischer Kreis - Die Übergriffe auf haupt- und ehrenamtliche Rettungskräfte nehmen zu. Der Kreis reagiert jetzt konsequent mit Anzeigen wegen Körperverletzung. „Es gibt uns gegenüber einfach keinen Respekt mehr“, sagt der Leiter der Rettungswache Balve des Märkischen Kreises, Rupert Heidsick.

Rettungsassistent Matthias Drenkelfuß erinnert sich noch gut an einen Einsatz, als er mit seinem Kollegen nach Neuenrade-Affeln gerufen wurde. „Dort hatte eine junge Frau auf einer Party offensichtlich zu viel Alkohol und Drogen konsumiert. Sie war vor der Tür kollabiert. Als wir helfen wollten, hat sie um sich geschlagen und getreten. Die Dame war völlig hysterisch“, erzählt der Garbecker. Im Krankenhaus bedurfte es sieben Personen von Polizei, Rettungsdienst und Pflegepersonal, um die Dame ruhig zu stellen. Wegen der Tritte und der daraus resultierenden blauen Flecke stellte der Märkische Kreis Strafanzeige wegen Körperverletzung.

„Wir lassen uns das nicht mehr gefallen. Bei solchen Vorfällen wird künftig Anzeige erstattet. Wir haben auch eine Fürsorgepflicht unseren Rettungskräften gegenüber“, so Guido Thal, Leiter des Regiebetriebes Rettungsdienst beim Märkischen Kreis. 

Anzeige erstattet wurde auch in einem anderen Fall. Da wurden die Rettungsassistenten zu einem Einsatz nach Neuenrade-Küntrop gerufen. Dort war ein Streit zwischen Eheleuten eskaliert. „Vorsicht, da geht es noch rund“, hatte Martin Brendt seinen Kollegen noch auf der Terrasse gewarnt. Eine Frau hatte kurz vorher erfahren, dass ihr Mann fremdgeht. Da war es nicht bei der verbalen Auseinandersetzung geblieben. 

„Als mein Kollege die Frau versorgen und beruhigen wollte, biss sie ihn heftig in den Unterarm. Das ging durch die dicke Jacke. Dann mischte sich auch noch der Vater der Frau ein. Er nahm den Kollegen in den Schwitzkasten und würgte ihn“, erinnert sich Martin Brendt. „Der Kollege war anschließend vier Wochen krankgeschrieben“, fügt Heidsick hinzu. Die Einsätze, bei denen es stressig wird, häuften sich. Erst unlängst war ein 17-jähriger DRK-Helfer auf der Mendener Pfingstkirmes von einem Aussteller massiv angegangen worden, weil er eine verbale Auseinandersetzung schlichten wollte.

"Autobahn ist Stress pur"

„Und auf den Autobahnen herrscht richtig Krieg“, erinnert sich Andreas Potthöfer. Der 47-Jährige war lange in der Rettungswache des Kreises in Meinerzhagen eingesetzt, bevor er nach Balve wechselte. „Entweder fahren sie langsam an einem Einsatzort vorbei, um zu gaffen und Handyfotos zu machen, oder sie rasen, dass man ernsthaft gefährdet wird“, so Potthöfer. „Autobahn ist Stress pur“.

Respekt nur noch ein Fremdwort?

Respekt vor den Einsatz- oder Hilfskräften? Das ist offenbar für immer mehr Menschen ein Fremdwort. „Schäden an den Fahrzeugen sind keine Seltenheit“, weiß Wachenleiter Heidsick. Vor dem Kaufpark in Balve hagelte es rohe Eier auf einen Rettungstransportwagen. Dass sie bei Einsätzen an Silvester mit Feuerwerkskörpern beworfen oder mit Raketen beschossen werden, gehört längst zum Einsatzrisiko. „Dabei sind wir vom Rettungsdienst aus Sicht von vielen noch die Guten, die vermeintlich Bösen sind die Kollegen von der Polizei“, so Heidsick. - pmk

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