Nach heftiger Kritik

Überfüllte Schulbusse im MK: Lösung in Sicht

Überfüllte Schulbusse der MVG im MK sorgen für Ärger
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Überfüllte Schulbusse der MVG im MK sorgen für Ärger.

Es gab Kritik von allen Seiten, weil die Schulbusse im MK zum Teil völlig überfüllt sind - und ein Corona-Schutz in den Bussen nicht möglich ist. Nun gibt es eine Lösung.

Märkischer Kreis – Es hagelte Kritik von allen Seiten. Eltern, Schüler, Schulleiter, Fahrgäste und private Busunternehmer im gesamten Märkischen Kreis äußerten Unmut, weil viele Schulbusse restlos überfüllt sind. Überall wird auf Abstand und Hygiene geachtet, um Corona-Infektionen zu vermeiden. In den Bussen der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) drängen sich täglich Schüler dicht an dicht. Ein Fahrgast aus dem MK hatte die Zustände als so dramatisch beschrieben, dass er sich kaum mehr traue, die Busse der mVG zu nutzen.

Ein Problem: Die MVG wartet auf zwölf neue Busse, die bereits im August geliefert werden sollten. „Sie sind immer noch nicht da. Ich hoffe, sie kommen im Dezember“, sagt MVG-Aufsichtsratsvorsitzender Karsten Meininghaus. Doch eine Frage, die sich viele stellten, bleibt: Warum unterstützen private Busunternehmer nicht den ÖPNV? In Städten wie Köln ist dies längst der Fall.

Kreis fragt Bedarf für weitere Busse bei allen Kommunen im MK ab

Genau das wird nun auch im Märkischen Kreis passieren. In einer „Harakiri-Aktion“, wie Landrat Marco Voge (CDU) es mit einem Augenzwinkern beim Pressetermin von MVG und Kreis am Freitag (27. November) beim Busunternehmer Volker Bösert in Altena nannte, hat der Kreis alle Beteiligten zusammengebracht.

Das Ziel: „Den Verkehr entzerren und Infektionen vermeiden“, sagte Voge. In einem Brief an alle Kommunen fragte der Kreis den Bedarf an zusätzlichen Bussen für die Schülerbeförderung ab. Denn zuständig sind dafür die Schulträger, also die Kommunen sowie der Kreis für seine Förder- und Berufsschulen.

Erste Schüler fahren ab 7. Dezember in Reisebussen

Die ersten Antworten gibt es bereits: In Lüdenscheid werden vier weitere Busse benötigt, in Halver drei, in Hemer zwei. Auch Balve und Kierspe haben Bedarf angemeldet, aber noch keine konkreten Zahlen genannt. Die Antwort aller weiteren Kommunen steht noch aus.

Überfüllte Schulbusse im MK: Das Konzept zur Schülerberförderung im Märkischen Kreis präsentierten (v.l.) Karsten Meininghaus (MVG-Aufsichtsratsvorsitzender), die Landtagsabgeordneten Thorsten Schick (CDU) und Angela Freimuth (FDP), Landrat Marco Voge (CDU), Wolfgang Rothstein (stellvertretender MVG-Aufsichtsratsvorsitzender), Markus Bruch (Märkischer Kreis) und Stefan Janning (MVG-Prokurist) auf dem Gelände des Busunternehmers Volker Bösert (im Bus) in Altena.

Die ersten Schüler können ab dem 7. Dezember in Halver und Hemer per Reisebus zur Schule fahren. Zehn Busunternehmer im MK hat die MVG gefragt, ob sie Fahrzeuge stellen können. Das Ergebnis bislang: 13 Reisebusse plus weitere Kleinbusse mit Platz für je 19 Fahrgäste stehen zur Verfügung. Diese sollen nach Möglichkeit „ortsnah fahren, um keine Leerfahrten über lange Strecken zu haben“, sagte MVG-Prokurist Stefan Janning.

Problem im MK: „Busse rechtlich auf die Straße bringen“

Zwei seiner vier Reisebusse wird Volker Bösert zunächst wieder anmelden, um Schüler zu befördern. Er hatte alle Fahrzeuge abgemeldet und seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. „Ich bin froh, dass wir nun wieder fahren und dazu beitragen können, den Schülerverkehr zu entzerren.“ Er hatte sich im Vorfeld – wie sein Lüdenscheider Kollege Dennis Manß – darüber gewundert, dass die MVG nicht längst bei privaten Busunternehmern angeklopft hat.

„Wir mussten sehen, wie wir die Reisebusse rechtlich auf die Straße bringen“, sagte Janning auf die Frage, warum dieser Schritt so lange gedauert hat. Reisebusse erfüllten nicht per se alle rechtlichen Vorgaben zur Beförderung von Schülern. Im so genannten „freigestellten Schülerverkehr“ ist die Beförderung mit Reisebussen nun aber möglich.

NRW zahlt Mehrkosten, doch Zeit drängt

Fakt ist: Die Kommunen sind in der Pflicht. Doch „den Schulträgern fehlte das Wissen und der rechtliche Hintergrund“, vermutete der MVG-Prokurist. Darum hat der Kreis einen Mustervertrag ausgearbeitet, den die Kommunen verwenden können, um Verträge mit den Busunternehmern zu schließen. Das ist ebenso Aufgabe der Städte und Gemeinden wie die Beantragung der finanziellen Mittel beim Land.

Die Mehrkosten, die durch diese Lösung entstehen, zahlt NRW komplett. Dafür hatte die Landesregierung bereits im August 13,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. „Aus dieser Tranche sind noch nicht alle Mittel abgerufen“, sagte die heimische FDP-Landtagsabgeordnete Angela Freimuth, die ebenso am Termin teilnahm wie ihr CDU-Kollege Thorsten Schick.

Die Zeit drängt: Es könnte zwar eine Verlängerung geben, aber nach aktuellem Stand müssen Kommunen die Förderung bis Montag, 30. November, beantragt haben. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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