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Trotz Corona im Homeoffice: Chef erhält Mitarbeiter-Mails und fällt aus allen Wolken

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Von: Jan Schmitz

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Ein engagierter Mitarbeiter arbeitete trotz Corona-Erkrankung im Homeoffice weiter. Als er zurück in der Firma war, sah der Chef die Belege und fiel aus allen Wolken.

Wie die Polizei mitteilte, ereignete sich der Vorfall bereits vor einigen Tagen. Trotz Corona-Erkrankung arbeitete ein 28-jähriger Mitarbeiter eines Iserlohner Unternehmens im Home-Office. Dabei bearbeitete er auch Mails, die in seinem Dienst-Postfach landeten. Der 28-Jährige glaubte aufgrund der Gesamtumstände und der Unterschrift, darunter sei auch eine Mail von seinem Chef.

In der Mail wurde der Mitarbeiter gebeten, vier Gutschein-Karten zu kaufen und dem Absender die Codes zurückzusenden. Das kam dem coronaerkrankten Mitarbeiter keinesfalls verdächtig vor. Weil er wegen der Quarantäne das Haus nicht verlassen durfte, bat er sogar einen Nachbarn um Hilfe. Dieser besorgte die Gutscheine und der Mitarbeiter übermittelte die Codes per Antwort-Mail. Darauf erhielt er eine neue Mail mit der Bitte um weitere Codes und dasselbe dann noch einmal. Jedes Mal ließ der Mitarbeiter die Gutscheinkarten durch den Nachbarn besorgen und verschickte die Zahlencodes. Er dachte, er hätte seinem Chef einen Gefallen getan.

Als der Mitarbeiter wieder gesund war und ins Firmen-Büro zurückkehrte, legte er die Ausdrucke der Mails ins Fach des Chefs. Der fiel aus allen Wolken: Er hatte die Aufträge zum Kauf der Karten nicht gegeben. Ein IT-Fachmann der Firma schaute sich anschließend die angeblichen Chef-Mails genauer an. Tatsächlich wurden sie nicht vom Firmen-Server, sondern von einer Wegwerf-Mailadresse aus verschickt. Sie erweckten jedoch den Eindruck, dass der Chef sie verschickt hat.

Illustration - Homeoffice
Ein Mann sitzt im Homeoffice am Tisch an einem Laptop und arbeitet (Symbolbild). © Sina Schuldt/dpa

Wenn der Chef nicht mehr persönlich im Türrahmen stehen kann, weil er oder seine Mitarbeiter an anderer Stelle arbeiten, öffnen sich leider auch neue Türen für Betrüger, weiß Polizeisprecher Christof Hüls. Die Betrugsmasche selbst ist alt und bekannt unter dem Namen „CEO-Fraud“, zu Deutsch „Vorstands- oder Chef-Betrug“. Jetzt ist sie offenbar durch eine Home-Office-Variante erweitert werden.

Die Betrüger informieren sich scheinbar gut über ihre Opfer und wissen, wer welche Vollmachten und Möglichkeiten hat. Die Mails sind deutlich besser verfasst als in früheren Jahren., warnt die Polizei. Viele der Informationen lassen sich von der Firmen-Homepage oder aus sozialen Netzwerken frei ermitteln.

Deshalb rät die Polizei zur Datensparsamkeit. Sonst wissen Betrüger zum Beispiel, dass sich der Chef gerade auf Dienstreise in Honululu befindet. Mit dieser Information schreiben sie eine Mail an den Prokuristen. Darin bitten sie um eine Eilüberweisung ins Ausland, weil der Chef angeblich ein gutes Geschäft machen kann.

Dann entstehen schnell deutlich höhere Schäden. Im Iserlohner Fall ging die Sache vergleichsweise glimpflich aus, am Ende stand aber immer noch eine vierstellige Schadenssumme zu Buche. Die Polizei rät Unternehmen zur Vermeidung von solchen Einfallstoren:

Weitere Infos hat die Polizei hier zusammengestellt.  

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