Ein Tritt in den Hintern fehlt

MÄRKISCHER KREIS – Endlich Schulferien. Endlich ein paar Wochen Ruhe und Entspannung, ein wenig den Tag genießen, die Seele baumeln lassen und mal wieder auf Partys gehen. Denkste!

Vollzeit arbeiten und für die Klausuren nach den Ferien lernen, so sah der Plan über Weihnachten für mich aus.

Das Gefühl war anders als damals, zu meiner ersten Schulzeit. Es fühlte sich nicht wie eine Befreiung an. Ich habe mich nicht nach den Ferien gesehnt oder jeden Tag bis dahin gezählt. Es war ganz nett und kam mir gelegen, mal ein paar Tage nicht in die Schule gehen zu müssen. Vor allem war auf Arbeit viel los; es mussten ein paar wichtige Sachen bis zum Jahresende geklärt werden, Termine eingehalten und Abschlüsse geregelt werden.

So blieb mir kaum Zeit, die Ferien richtig zu genießen, da ich mir ja für die Abende vorgenommen hatte, zu lernen und mir zum Beispiel endlich mal Latein anzuschauen. Doch wie es mit vielen guten Vorsätzen so geht, war auch dieser gut gedacht und kaum ausgeführt.

In der ersten Woche überkam mich eine Welle der Faulheit. Jeden Tag kam ich von der Arbeit und legte mich erst einmal auf die Couch, um dort zu lesen, über Dinge, die nichts mit der Schule zu tun hatten. Am Ende der ersten Woche dachte ich: „Thomas, du solltest ruhig mal anfangen. Nach den Ferien kommen Klausuren auf dich zu“. Aber irgendwie hörte ich mir selber nie zu.

In der zweiten Woche wurde ich dann krank. Da dachte ich mir: „Thomas, das ist deine Chance. Du wirst den ganzen Tag Zeit haben!“. Und auch hier nutzte ich die Chance nicht. So waren die Ferien vorbei, und ich hatte effektiv vier Stunden etwas für die Schule getan. Nicht wirklich löblich. Ich hätte jemanden gebraucht, der mir mehr in den Hintern tritt.

Doch kann ich behaupten: Ich kam sehr entspannt in das neue Jahr und war zum Schulbeginn mehr als erholt und bereit.

Vor allem dachte ich, dass uns nach den Ferien eine oder zwei Personen aus der Klasse verlassen hätten, da viele über Neujahr ihr Ziele überdenken. Doch dem war zum Glück nicht so. Unsere Klasse ist noch vollzählig und bleibt hoffentlich auch noch lange so.

Ich habe mich mit ein paar Schülern aus dem dritten Jahrgang unterhalten, die jetzt auf die Abiturprüfungen zusteuern. Bei ihnen sind noch 14 da von ursprünglich 32. Laut ihren Aussagen „ganz normal“.

Während der Ferien habe ich die Leute aus meiner Klasse vermisst – vor allem meine Mathefreundin Soula.

Ich vermisste sogar den Abendunterricht. Ich fühlte mich gegen 20 Uhr immer ein wenig unterfordert.

Mal sehen, wie die nächsten Ferien werden.

Die Serie:

Der Lüdenscheider Thomas Köhler ist 24 Jahre alt und gelernter Krankenpfleger. Er arbeitet im Klinikum Lüdenscheid. Während der nächsten drei Jahre will er das Abendgymnasium Lüdenscheid, eine Außenstelle des Hagener Rahel-Varnhagen-Kollegs, besuchen – außer in den Schulferien an fünf Abenden pro Woche. Den Lesern unserer Zeitung wird Thomas Köhler in regelmäßigen Abständen – etwa einmal monatlich – erzählen, wie es ihm und seiner Klasse dabei ergeht.

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