Hilferuf aus Hellersen

Klinikum-Chef warnt: „Notwendigkeit zur Triage droht in unseren Krankenhäusern“

Klinikum Lüdenscheid
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Das Klinikum in Hellersen: Hier liegen 13 Patienten auf der Intensivstation.

Die Märkischen Kliniken schlagen angesichts der aktuellen Corona-Lage auf den Stationen Alarm. Der Geschäftsführer sieht die Gefahr, dass in den Krankenhäusern die „Notwendigkeit zur Triage“ droht.

Lüdenscheid – 30 Prozent der High-Care-Intensivbetten auf der Intensivstation sind inzwischen mit schwersterkrankten Covid-19-Patienten belegt. Im Klinikum Lüdenscheid wurden nach eigenen Angaben die Intensivkapazitäten um fünf auf 44 Betten erhöht. „Für weitere Intensivkapazitäten fehlt uns das Personal. Damit ist das Maximum ausgeschöpft“ heißt es aus dem Krisenstab der Märkischen Kliniken am Freitag.

13 Intensivbetten waren in Lüdenscheid mit Covid-19-Patienten belegt. Zum Höhepunkt der zweiten Welle im Januar hatte das Klinikum Lüdenscheid 50 Intensivbetten in Betrieb. „Das Personal auf den Intensivstationen ist seit mehr als einem Jahr hoch belastet. Kollegen aus Pflege und Medizin haben sich infiziert und leiden zum Teil an Long-Time-Covid-Symptomen“, berichtet Dr. Thorsten Kehe, Arzt und Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Kliniken. Insgesamt 61 Covid-19-Patienten werden derzeit im Klinikum Lüdenscheid betreut, 49 von ihnen tragen die britische Virus-Mutation in sich.

„Derzeit glauben zu viele Menschen, wir müssten nur ausharren, bis alle geimpft sind und dann wird alles wieder gut. Dies ist jedoch eine Fehleinschätzung. Gelingt es uns nicht, die Zahl an Neuinfektionen sehr schnell wieder abzusenken, riskieren wir – aufgrund der Risiken von aggressiveren Virusmutationen – eine galoppierende Pandemie, ohne Schutzmöglichkeiten. Wir setzen damit alles aufs Spiel, was wir bisher erreicht haben“, appelliert der Krisenstab an die Menschen im Märkischen Kreis.

Dr. Kehe malt in seiner Lageeinschätzung ein düsteres Szenario: „Wir müssen jetzt handeln. Bald könnten auch in Deutschland Ärzte vor der Frage stehen: Wen lasse ich überleben, wen lasse ich sterben? Die Notwendigkeit zur Triage droht nicht nur hypothetisch als Möglichkeit, sondern auch ganz praktisch in unseren Krankenhäusern.“

Dr. Thorsten Kehe

Kehe begrüßt auch den Plan, bundesweite nächtliche Ausgangssperren einzuführen: „Es ist gut, dass der Bund einheitliche Regeln für Restriktionen und deren Aufhebung festlegen möchte. Die Regeln sollten einfach und einheitlich sein, damit wir sie uns merken, sie verstehen, nachvollziehen, akzeptieren und ihnen aus Einsicht folgen können. Zu den sinnvollen Regeln können auch Ausgangssperren – als eine von vielen Komponenten - gehören. Denn wo stecken sich die Menschen an? Die Gefahr, sich beim Spazierengehen mit dem Hund oder beim Joggen mit einem Freund anzustecken, ist wahrscheinlich gering, tendiert aber nicht gegen Null. Doch wenn der Ausflug am Abend in eine kleine Gruppe von Freunden und in einen relativ kleinen, schlecht belüfteten Raum führt, um dort Abwechslung zu suchen, steigt das Risiko einer Infektion steil an.“

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