Tod durch Unterkühlung

Tierärzte warnen: Neues Rattengift gefährdet auch Katzen und Hunde

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Freigänger wie Kater Scotty, aber auch Raubvögel, Hunde und andere Raubtiere sind gefährdet, wenn das Gift im Freiland aufgebracht wird oder die Tiere vergiftete Nager fressen.

Ein neuartiges Gift, das gegen Ratten und Mäuse wirkt, gefährdet auch Katzen und Hunde. Darauf weisen die heimischen Tierärzte hin.

  • Ein neuartiges Rattengift kann auch für Hunde und Katzen zur Gefahr werden.
  • Besonders gefährdet sind Freigänger, die das Gift oder vergiftete Mäuse und Ratten fressen.
  • Das Gift wirkt auf das Zentrale Nervensystem.

Märkischer Kreis – So warnt die Werdohler Tierärztin Dr. Susanne Trilling vor den Gefahren. Sie berichtet von drei Fällen vergifteter Katzen in Plettenberg und verweist zudem auf einen Fall in Balve, bei dem ein Hund vermutlich auch wegen dieses Giftes zu Schaden kam. 

Auch die Tierärztin Dr. Julia Ungru aus der Neuenrader Tierarztpraxis Dr. Stephan Schweizer hatte schon eine Katze mit entsprechenden Symptomen auf dem Tisch. Das Gift wirkt auf das Zentralnervensystem, die Tiere könnten ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und können erfrieren, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt würden. 

Freigänger besonders gefährdet

Besonders gefährdet scheinen Katzen zu sein, vor allem jene, die als Freigänger unterwegs sind. Die Tiere fressen das Gift oder eben vergiftete Mäuse und Ratten. Trilling: „Wenn das Gift wirkt, fallen die Tiere in eine Art Koma, können sich nicht mehr bewegen, die Körpertemperatur sinkt ab und die Tiere erfrieren letztlich, wenn sie irgendwo versteckt liegen und nicht rechtzeitig gefunden werden.“ Zudem habe sich dieses neuartige Gift noch nicht überall herumgesprochen. Fehlbehandlungen könnten die Folge sein. Bei entsprechend rechtzeitiger und richtiger Behandlung würden sich die Tiere aber relativ schnell wieder erholen. So gelang es den Plettenberger Tierärzten Zöllner den Balver Hund zu retten, weil sie eben mit der Symptomatik vertraut waren. 

Das Rattengift enthält den Wirkstoff Chloralhydrat (Alpha-Chloralose), an dem Nagetiere durch Unterkühlung sterben. Das Gift wirkt wie ein Schlafmittel und führt – verbunden mit Absenkung der Körpertemperatur – zu einer Verlangsamung aller Körperfunktionen, zum Koma und anschließend zum Tod des Nagers, heißt es bei einer Produktbeschreibung. 

Auch Haustiere betroffen

Doch es wirkt eben nach Ansicht von Tierärzten eben auch auf Haustiere: Intensiv befasst hat sich die Münchener Tierärztin Dr. Iris Wagner-Storz mit dem Thema. Sie vermutete ebenfalls, dass viele Katzen zu Tode kommen, weil sie irgendwo im Gebüsch liegen und erfrieren oder dass die Vergiftung der Tiere nicht erkannt werde. Denn leider würden die Symptome auch auf schwerwiegende Erkrankungen hindeuten. 

Die Ärztin schreibt in ihrem Artikel, dass sie gar nicht wissen möchte, wie viele Katzen oder Hunde unnötigerweise eingeschläfert wurden. Das neuartige Rattengift mit dem Wirkstoff Alpha-Chloralose werde vor allem in der kalten Jahreszeit ausgebracht, weil die Nager nach der Giftaufnahme dann bei Temperaturen von unter 15 Grad Celsius erfrieren würden. 

Besser nur in Köderboxen ausgeben

Doch eben offenbar nicht nur Nager. Einige Hersteller verweisen zwar darauf, dass die Köder besser nur in Köderboxen ausgegeben werden sollten, doch Katzen fressen eben auch vergiftete Mäuse und reagieren ebenfalls empfindlich auf das Gift. Wagner-Storz schreibt, dassschon zehn Gramm des Köders ausreichten, um eine durchschnittliche, vier Kilogramm schwere Katze zu töten

Das neuartige Rattengift kann im Internet bestellt werden, ist aber auch in Baumärkten erhältlich. Nicht immer wird auf die Gefahren für Stubentiger und andere Haustiere hingewiesen – im Gegenteil. So heißt es unter anderem auf der Internetseite eines Landhandels: „Alpha-Chloralose empfiehlt sich für den Einsatz in geschlossenen Räumen sowie auch im Außenbereich. Die Gefahr für Raubtiere und Vögel einer Sekundärvergiftung ist nahezu ausgeschlossen.“ Weiter: Raubtiere seien „durch Sekundärvergiftungen nicht gefährdet“. Denn die Chloralose, die in den Produkten enthalten sei, sammle sich in nur geringen Mengen in der Leber an und werde vom Organismus sehr schnell (50 Prozent innerhalb von 24 Stunden) wieder ausgeschieden. „Folglich schränkt dieses Molekül die sekundären Vergiftungsprobleme bei Nichtzielorganismen erheblich ein.“ 

Nicht im Freiland verwenden

Andere Hersteller weisen ausdrücklich daraufhin, dass diese Köder nicht im Freiland verwendet werden dürfen. Bereits getötete Nager müssten aufgesammelt und entfernt werden. 

Das chemische Veterinäruntersuchungsamt Freiburg hat nach chemisch-toxologischer Untersuchung von aufgefundenen toten Tieren oder Ködern dazu eine Liste veröffentlicht. Auf dieser ist zu lesen, dass unter anderem Uhus, Tauben und Mäusebussarde laut Untersuchung an diesem Gift (Chloralose) starben. Zum Teil waren es absichtliche Vergiftungen über präparierte Köder. 

Auch andere Arten von Rattengiftködern sind problematisch für Wildtiere und nicht nur für Hauskatzen und Hunde.

Immer wieder ermittelt die Polizei in Fällen mutmaßlicher Vergiftungen von Hunden. Ein Hundebesitzer aus Kierspe erstattete nach dem Tod seines Hundes Anzeige gegen Unbekannt. Ein Fall aus Lüdenscheid sorgte für Aufregung in Facebook-Gruppen

Rattengift Chloralhydrat: Das sind die Symptome

Fressen Katzen etwas von dem neuartigen Rattengift mit dem Wirkstoff Chloralhydrat (Alpha-Chloralose), treten folgende Symptome auf:

  • Teilnahmslosigkeit, aber auch 
  • Erregung und Muskelzittern, 
  • schwankender, torkelnder Gang. 
  • Krampfanfälle, die bereits durch kleine Reize ausgelöst werden, sind ebenfalls typisch. 
  • Auch eine Körpertemperatur deutlich unter 38 Grad Celsius, 
  • erhöhte Schleimproduktion, 
  • verengte Pupillen. 
  • Bei Hunden kann es zu einer übermäßigen Speichelproduktion, 
  • in seltenen Fällen auch zu einer Körpertemperatur von mehr als 39 Grad Celsius kommen. 
  • Ansonsten haben sie ähnliche Probleme wie Katzen.

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