Mögliche Auswirkungen auch für Kunden

Tarifverhandlungen gescheitert: Unbefristeter Streik bei Enervie wahrscheinlich

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Frank Hültenschmidt von der Tarifkommission bei der Urabstimmung auf dem Gehweg der Lennestraße in Lüdenscheid.

Märkischer Kreis - Die Verhandlungen sind gescheitert, die  Zeichen stehen auf Streik. Am Donnerstag begann beim Energieversorger Enervie die Urabstimmung über einen unbefristeten Ausstand. Noch bis Freitagmittag können die Gewerkschaftsmitglieder unter den rund 850 Beschäftigten entscheiden, ob sie für ihre Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt die Arbeit niederlegen.

Die Arbeitgeberseite hat nach Auskunft der Gewerkschaft Verdi zuletzt eine Einmalzahlung über 1000 Euro angeboten. Damit droht den Unternehmensteilen Mark-E und Enervie Vernetzt, in denen elf Kommunen aus der Region als Aktionäre fungieren, nach einer wirtschaftlichen Krise und der mühsamen Erholung das nächste Problem. 

Der zuständige Verdi-Tarifsekretär Jörg Coburg sagte in Düsseldorf, die Beschäftigten hätten „die Nase voll“. Die Unternehmensergebnisse und die Prognosen für das erste Quartal seien „deutlich besser als erwartet“ ausgefallen, die Arbeitgeber hätten „Schulden in dreistelliger Millionenhöhe“ an die Banken zurückgezahlt und sogar rückwirkend Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. 

Außerdem, so Coburg weiter, habe die Belegschaft bei der Restrukturierung 2015 mit dem Abbau von 450 der damals 1300 Arbeitsplätze freiwillig mehr als 50 Millionen Euro ins Unternehmen eingebracht „und ansonsten die Füße stillgehalten“. 

Stimmung in Belegschaft ist pro Streik

Wichtig ist der Tarifkommission nach Worten des Betriebsratsvorsitzenden bei Enervie, Thomas Majewski, nun ein Abschluss mit einer tabellenwirksamen Erhöhung der Gehälter, also ein Aufschlag, der sich auch auf die betriebliche Altersversorgung und die Altersrente auswirkt. Das sei seit der letzten tabellenwirksamen Erhöhung 2013 und nach zwei Nullrunden 2016 und 2017 „überfällig“, so Majewski. 

Wie Verdi-Sekretär Coburg erklärt, hätte eine sogenannte aktive Mittagspause, mit der die Belegschaft ihre Position verdeutlichen wollte und vor die Werkstore gegangen ist, „keinerlei Eindruck“ auf die Arbeitgeber gemacht. „Die haben uns signalisiert: Ihr könnt streiken, bis ihr schwarz werdet.“ 

Eine Mitarbeiterbefragung habe ergeben, dass die Stimmung unter den Beschäftigten nun „reif für eine Urabstimmung“ sei. 

Für den Fall eines unbefristeten Streiks verhandeln die Parteien aktuell über eine Notdienstvereinbarung. Betriebsrats-Chef Majewski: „Dann muss man sehen, wie weit die greift.“ 

Mögliche Auswirkungen auf Kunden

Die Versorgung mit Gas, Wasser und Strom gehöre zur Daseinsvorsorge und werde weiter laufen. „Aber es kann passieren, dass die Behebung einer Störung auch mal eine Stunde länger dauert.“ 

Enervie-Pressesprecher Uwe Reuter betonte auf Anfrage unserer Redaktion, dass der Arbeitgeber „weiter verhandlungsbereit“ sei. „Wir bereiten uns aber auch intensiv auf Arbeitskampfmaßnahmen vor, um insbesondere eine gegebenenfalls geplante Wirkung auf Kunden auszuschließen beziehungsweise möglichst gering zu halten.“ 

Die Urabstimmung darf auf Anweisung der Unternehmensleitung nicht auf Enervie-Betriebsgelände stattfinden.

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