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Entspannen mit der Meditations-App

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Studenten Manuel Ronnefeldt (li.) und Jonas Leve (re.) gemeinsam mit dem Zen-Meister Paul J. Kothes. © Susanne Fischer-Bolz

Witten/Herdecke/Märkischer Kreis - Sieben Minuten raus aus dem Alltag, rein in die Tiefe: Studenten der Universität Witten/Herdecke haben eine Meditations-App für das Smartphone entwickelt, die den Nutzer mit der Praxis von Meditation und Achtsamkeit vertraut machen soll. Im Rahmen eines Meditations-Flashmobs wurde die App von unserer Redakteurin Susanne Fischer-Bolz ausprobiert.

Fast wäre das Experiment am einfachen Lotussitz gescheitert. Man sitzt auf einem festen Kissen – und zwar so, dass die Unterschenkel und beide Knie auf dem Boden liegen. So erhält man ein stabiles und geerdetes Gefühl für die Meditation. Oder man bricht sich die Knochen. Und macht es sich einfach gemütlich. Dann nämlich ist es auch als Einsteiger ein echtes Erlebnis.

Sieben Minuten raus aus dem Alltag

Sieben Minuten raus aus dem Alltag mit all seinen Geräuschen, Gedanken, Gefühlen, und rein in die eigene Tiefe. Mit dem Atem als Wegweiser. Was sich merkwürdig und ein bisschen esoterisch anhört, ist nichts anderes als eine Meditation zum Mitnehmen. Und zwar per App.

Meditations-App 7Mind

Jonas Leve und Manuel Ronnefeldt, Wirtschafts-Studenten der Universität Witten/Herdecke, haben die App namens "7Mind" entwickelt, die den – nicht nur gestressten – Nutzer in einem kompletten Kursprogramm mit der Praxis von Meditation und Achtsamkeit vertraut macht. Im Grundlagenkurs erlernt man in 7 x 7 Minuten („die hat jeder am Tag übrig“) das 1 x 1 der Meditation.

Smartphone als Helfer gegen Stress

Die Idee der beiden: Das Smartphone, bisher vor allem assoziiert mit Ablenkung, Informationsflut und ständiger Erreichbarkeit, wird nun zum Helfer gegen Stress. Statt lauter Musik erklingt über die Kopfhörer die sanfte Stimme von Paul J. Kohtes. Er war es auch, der jetzt bei einem Meditations-Flashmob an der Uni Witten/Herdecke „den Guru spielte“, wie er es selbst schmunzelnd erklärte. Und so trafen die angeleitete Meditation und die App-Version aufeinander – beides zum nacheinander Ausprobieren. Die Leute, die sich aus dem Getümmel in die plötzliche und persönliche Ruhe begaben, waren hauptsächlich Studenten. Und ein Hund. Aber dieser erschien desinteressiert.

Strand-Atmosphäre in der kühlen Uni-Halle

Paul J. Kohtes, der sich in den Klöstern Japans zum Zen-Meister ausbilden ließ und heute weltweit Meditationsseminare leitet, schaffte es in Sekunden, nur über die Stimme in der kühlen Uni-Halle eine Strand-Atmosphäre zu zaubern, in der die Teilnehmer gedanklich bequem im Sand saßen, die Sonne genossen und in ihrer Wahrnehmung die Wellen heranströmen und davonziehen sahen. Der Wechsel des bewussten Ein- und Ausatmens als beruhigende und reinigende Kraft.

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Nicht laut und chaotisch, wie sonst bei einem Flashmob, sondern ruhig und besonnen ging es beim Meditations-Flashmob in der Uni Witten/Herdecke  zu. © Susanne Fischer-Bolz

Als die Glocke erklang, ging es zurück ins Hier und Jetzt, in der direkt im Anschluss mit Kopfhörern die neue App ausprobiert wurde. „Ein ungewöhnliches Experiment. Für mich persönlich war es ein schönes Erlebnis“, sagte Jan P. Nonnenkamp, Kanzler der Universität, der die Einrichtung eines „Raumes der Stille“ an der Uni ankündigte – ein Rückzugsort für Meditation, Besinnung und Ruhe. „Dafür werden wir jetzt Ideen entwickeln.“

Meditation für unterwegs

Für den Alltag tauglich: das soll die 7Mind-App sein. Ob im Zug, im Bus, im Pausenraum, morgens vor dem Frühstück oder beim Warten auf das Date: Eigentlich, so sagen Jonas Leve und Manuel Ronnefeldt, könne man die Meditation immer und überall machen, schließlich habe man Smartphone und Kopfhörer ohnehin meistens dabei.  „Die sieben Minuten sind bewusst gewählt. 

Erhältlich ist die 7Mind-App im

App Store

und im

Google Play Store

.

So viel Zeit hat jeder. Und es kommt auch nicht auf die Länge an, sondern auf die Regelmäßigkeit“, weiß Jonas Leve. „Man fühlt sich ausgeglichener und lässt sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Das habe ich bei mir persönlich gemerkt“, schwärmt der Student von der Wirksamkeit.

App nicht nur für junge Leute

Leve ist sich aber sicher, dass die App nicht nur bei jungen Leuten ankommt, sondern besonders auch bei Berufstätigen, die im stressigen Alltag einen Anker der Ruhe werfen können. Denn: Immer mehr

Arbeitnehmer fühlen sich in ihrem Job durch Termin- oder Leistungsdruck gestresst. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung und der Krankenkasse Barmer GEK setzen viele Arbeitnehmer wegen des zu großen Stresses am Arbeitsplatz ihre Gesundheit aufs Spiel. Jeder Dritte fühlt sich überfordert.

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