Elektrogeräte-Hersteller sitzt unweit des Märkischen Kreises in Sundern

Severin schließt zwei Abteilungen: Produktion geht komplett nach China

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Sundern - Schlechte Nachrichten für 21 Mitarbeiter des Elektrogeräte-Herstellers Severin in Sundern: Das Unternehmen schließt zwei Abteilungen am Standort Sundern.

Das teilte Severin in dieser Woche mit und verkauft die Produktionsschließung am Ende mit einer „Kundenzentrierung“ der verbliebenen Nicht-Produktionsabteilungen in Sundern: „Diese Konzentration schärft das Profil und trägt zur Zukunftssicherung der Firmenzentrale bei. Darüber hinaus ist es ein klares Bekenntnis zum Standort Sundern, das ganz im Sinne der langfristigen Planungen der Gesellschafter zu verstehen ist.“

Für die Mitarbeiter dürfte das wie Hohn klingen, denn sie wurden am vergangenen Mittwoch (11. September) über die Schließung der Abteilungen Montage/Produktion und Stanzerei zum 30. April 2020 informiert. 

Doch auch dafür gab es tröstende Worte aus der Presseabteilung: „Im herausfordernden Wettbewerbsumfeld und im Hinblick auf die Sicherstellung des künftigen Unternehmenswachstums war diese Maßnahme unumgänglich geworden“, heißt es.

Allerdings – und das wird in der Presseerklärung, die von der Münchener „Move Communications“ erstellt wurde – nicht erwähnt, gibt es nicht nur klares Bekenntnis zum Standort Sundern, sondern auch ein Bekenntnis zu einem ganz anderen Standort. Doch der liegt nicht im Sauerland, sondern in 9131 Kilometer Entfernung im Südosten von China (40 Kilometer nördlich von Hongkong).

Neuer Standort in China

"Das Produktions-KnowHow liegt in Sundern, aber demnächst wird ausschließlich in China produziert“, bestätigte Barbara Dornwald auf konkrete Nachfrage. Aktuell werden von 23 verbliebenen Mitarbeitern in Sundern noch Kaffeemaschinen, eBBQ-Grills, Fonduegeräte, Joghurtbereiter und Einkochautomaten hergestellt. Demnächst laufen diese Geräte wie alle anderen Severin-Produkte in Shenzehn vom Band.

Wie viele Mitarbeiter dort arbeiten und wie groß das Severin-Werk dort ist, konnte Dornwald auf Anhieb nicht sagen. Auf die Frage, ob die Bezeichnung „Made in Germany“ noch passend sei, verwies Barbara Dornwald auf die in Sundern verbleibende Entwicklungsabteilung.

Auf der Severin-Homepage liest man folgendes dazu: „Seit über 125 Jahren stehen wir für Zuverlässigkeit und Innovation. Das bedeutet German Quality durch und durch: ob im Design, in der Produktgestaltung oder in der Materialauswahl und -verarbeitung.“ 

Dass die Verarbeitung bzw. Produktion aber in Kürze komplett „Made in China“ erfolgt, wird auch hier nicht erwähnt. Dafür erfährt man in der Pressemitteilung zur Werksschließung etwas über die Beweggrunde, nach China zu gehen, wo die Produktionskosten bekanntlich deutlich niedriger liegen.

Severin überprüfe nach eigenen Angaben „im Rahmen der Neuausrichtung des Unternehmens laufend alle Wertschöpfungsketten und Kostenstrukturen, um auch in Zukunft bestmöglich aufgestellt zu sein.“ 

Im Zuge dieser „Transformation“ seien bereits Umstrukturierungen am Standort Sundern vorgenommen worden, um das „Profil zu schärfen und das Markengeschäft zu stärken.“ 

Zum Abbau der 21 Vollzeitstellen erklärte Geschäftsführer Christian Strebl: „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht und sind uns der Verantwortung gegenüber unseren langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr bewusst.“

Standort Sundern soll "kundenzentrierter" werden

Weiter heißt es: „Angesichts der stetig wachsenden Herausforderungen eines kosten- und preissensiblen Marktes sehen wir aber keine andere Möglichkeit.“ 

Steigende Kundenbedürfnisse und -erwartungen sowie die Entwicklung der internationalen Beschaffungs- und Absatzmärkte hätten dem Unternehmen keine Wahl gelassen. Neue Produkte, die im Rahmen der Neuausrichtung ins Sortiment aufgenommen worden seien, hätten laut Severin nicht in die Produktionsprozesse der Fertigung in Sundern eingegliedert werden können.

In Zukunft soll die Ausrichtung des Standorts in Sundern „kundenzentrierter“ werden, heißt es in der Pressemitteilung: Abteilungen wie Logistik, Produktmanagement, After-Sales-Service, IT und Marketing seien in den letzten Monaten bereits sukzessive ausgebaut worden und sollen auch in Zukunft weiterentwickelt werden. 

In diesen Bereichen seien zahlreiche neue Stellen geschaffen worden. „Diese Konzentration schärft das Profil und trägt zur Zukunftssicherung der Firmenzentrale bei“, wird die Geschäftsführung abschließend zitiert.

Das stimmt Sunderns Bürgermeister Ralph Brodel zuversichtlich, der vor der Bekanntgabe der Pressemitteilung von Ulrich Cramer über die Schließung telefonisch in Kenntnis gesetzt worden war. „Severin hat versichert, dass der Standort als Kern, Steuerung und Zentrale wichtig ist und weiterhin besteht.“ 

Darüber hinaus hofft Brodel „von Herzen, dass die Mitarbeiter schnell einen Anschlussjob bekommen. Denn für die 21 Mitarbeiter und ihre Familien ist das einfach nur bitter.“

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