Grüne im Kreistag verweisen auf Einrichtung in Unna

Seniorenheim für Junkies: Landrat sieht Bedarf 

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In Unna-Hemmerde gibt es ein Seniorenheim für Drogenabhängige  - die Einrichtung ist bislang einzigartig. 

Märkischer Kreis - Für die fachliche Betreuung von alternden Drogenabhängigen sieht Landrat Thomas Gemke auch im Märkischen Kreis einen Bedarf. Die Grünen hatten vor wenigen Wochen ein Seniorenheim für ehemalige Junkies in Unna besucht – die bislang einzige Einrichtung deutschlandweit. Ihr Fazit: In dieser Region wäre ein solches Modell ebenfalls interessant.

Das Projekt „Lüsa“ (Langzeit-Übergangs- und Stützungsangebot) aus Unna hat aus einem ehemaligen Erholungsdomizil für Nonnen ein Seniorenheim für Drogenabhängige gemacht. Die maximal 14 Bewohner sind durchschnittlich zwischen 42 und 67 Jahre alt – für ein klassisches Altenheim eigentlich noch viel zu jung. „Aber die Menschen altern vor.

Im Schnitt sind das nach langen Drogenkarrieren 15 Jahre“, hatte Heimleiterin Sabine Lorey den Fraktionsmitgliedern erklärt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe finanziert das Haus als Modellprojekt. Dazu gehört auch, dass die Bewohner Ersatzdrogen bekommen. Obwohl die Klientel abhängig ist und teils unter schwersten Begleiterkrankungen leidet, gibt es für sie keinen Pflegegrad. Leber- und Lungenkrankheiten, Demenz, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – „es ist ein ganzes Bündel“. 

Den Menschen dort wird – im möglichen Rahmen – eine sinnvolle Tagesstruktur geboten. Den Besuch nahm die Kreistagsfraktion der Grünen zum Anlass, nach Pflegemöglichkeiten von schwerstabhängigen und mehrfach geschädigten drogenabhängigen Menschen zu fragen: Gibt es für diesen Personenkreis eine Bedarfsermittlung für den Märkischen Kreis? Werden in den vorhandenen Senioreneinrichtungen Plätze vorgehalten? Gibt es Abweisungen und welche Möglichkeiten sieht die Verwaltung, eine vergleichbare Einrichtung auch im Kreis aufzubauen? 

Landrat Thomas Gemke stellt in seiner Antwort klar: „Für vergleichbare Angebote wird auch im Märkischen Kreis ein Bedarf gesehen.“ Klienten würden unter anderem über die Anonyme Drogenberatung (Drobs) in Einrichtungen vermittelt. Eine umfassende Bedarfsermittlung müsse durch den Landschaftsverband erfolgen. In den klassischen Pflegeheimen würden keine Plätze speziell für diesen Personenkreis vorgehalten.

 Es gebe aber Einrichtungen im Kreis, die regelmäßig drogenabhängige Menschen aufnähmen, so Gemke weiter. Die Häuser müssten sich aber mit dem Thema Substitution auseinandersetzen. Die Vermittlung von solchen Plätzen organisierten die Drobs, aber auch die Pflegeberatung. Die Unterbringungen in anderen Landkreisen lasse sich nicht vermeiden. Gemke: „Es ist nicht immer einfach, geeignete freie Plätze zu finden.“ Für den Aufbau und Betrieb einer vergleichbaren Einrichtung wie in Unna müsste ein entsprechender Träger beziehungsweise Investor gefunden werden. „Die Finanzierung würde über den LWL erfolgen.“

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