Selbstversorger im MK sitzen auf dem Trockenen: Kein Wasser aus dem Hahn 

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Wenn der Wasserhahn trocken bleibt.

Lüdenscheid - Die Trockenheit der vergangenen Monate hat Brunnenbesitzer im Märkischen Kreis zur Verzweiflung getrieben. Wie das Gesundheitsamt des Kreises bestätigte, sind in diesem Jahr einzelne Brunnen sogar ganz trockengefallen. Zum ersten Mal seit Jahren.

Für die Eigenversorger, die nicht ans Trinkwassernetz angeschlossen sind, eine schlimme Erfahrung: „Das muss man sich mal vorstellen. Alle Wasserhähne standen offen und es kam nichts heraus“, berichtet ein Betroffener gegenüber unserer Zeitung. 993 Brunnen – im Behördendeutsch Einzelwasserversorgungsanlagen – gibt es im Kreisgebiet, die meisten davon im Südkreis in Halver und Kierspe. 

Die Brunnen gehören häufig zu Ein- und Zweifamilienhäusern im Außenbereich, wo eine Anbindung an die Trinkwasserversorgung zu aufwendig und teuer wäre. Hunderte Einwohner erhalten so ihr Frisch- und Brauch-Wasser direkt aus dem Boden. 

Gegenüber unserer Zeitung bestätigte Hendrik Klein, Sprecher des Märkischen Kreises, dass seit dem Spätsommer „in Einzelfällen“ auch Brunnen trockengefallen sind. Nur Schachtbrunnen sind betroffen Betroffen sind nur sogenannte Schachtbrunnen, die bis in den Grundwasserbereich im Boden getrieben werden. 

Weil das Grundwasser durch die lange Trockenheitsphase abgesenkt war, liefen einige Brunnen nicht mehr voll. Anders ist es bei Quellfassungen. Quellen versiegen in der Regel nie.

Von den 65 Einzelwasserversorgungsanlagen in Lüdenscheid sind etwas die Hälfte Schachtbrunnen. In Meinerzhagen sind von über 90 Anlagen nur 25 Schachtbrunnen. 

Wenn der Brunnen leer bleibt, greift ein Notfallplan, um die Versorgung der Betroffenen sicherzustellen. Dafür gibt es spezielle Fahrzeuge mit lebensmitteltauglichen Tanks, die das Wasser anliefern. Im Märkischen Kreis steht ein solches Fahrzeug. Wo es fehlt, ist auch eine Wasserlieferung mit sogenannten IBC-Paletten, wie sie häufig in Wüstenstaaten anzutreffen sind, möglich. 

Voraussetzung ist, dass auch diese IBC-Paletten lebensmittelgeeignet sind. IBC steht für Intermediate Bulk Container, also ein Großpackmittel. Brunnenbesitzer müssen jedes Jahr eine Wasserprobe einsenden, die das Gesundheitsamt gemäß Trinkwasserverordnung auf verschiedene Stoffe und Bakterien überprüft. Alle drei Jahre verschaffen sich Behördenmitarbeiter selbst einen Eindruck der Anlage. 

Sind einzelne Grenzwerte überschritten, was durchaus vorkommt, haben die Probanden die Möglichkeit zur Nachbesserung. Bisher wurde in diesem Jahr nach Angaben des Kreises noch kein Brunnen stillgelegt. 

Betroffenen wird Aufschub gewährt Bei Betroffenen, deren Brunnen trockengefallen ist, gewährt der Kreis bei der Beprobung in diesem Jahr etwas Aufschub, wie Kreissprecher Klein betont: „Sie sollen sich dann melden, wenn wieder Wasser im Brunnen ist.“

Durch die Regenfälle der vergangenen Tage sind die Brunnen wieder ausreichend gefüllt.

Die Zahl der vom Gesundheitsamt des Märkischen Kreises kontrollierten Einzelwasserversorgungsanlagen. 

Altena 21 

Balve 22

Halver 225 

Hemer 33 

Herscheid 94 

Iserlohn 69 

Kierspe 220 

Lüdenscheid 65 

Meinerzhagen 95 

Menden 11 

Nachrodt-Wiblingwerde 9 

Neuenrade 18 

Plettenberg 67 

Schalksmühle 16 

Werdohl 28

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