Keine Bestandsgarantie, Verlust erwartet

Schließungspläne der Märkischen Kliniken: Sorge auch um Werdohler Stadtklinik

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Die Stadtklinik in Werdohl erwartet für dieses Jahr ein Verlust von einer halben Million Euro. 

Märkischer Kreis - Nach dem angedrohten Aus für das Marienhospital in Letmathe wächst auch an der Werdohler Stadtklinik die Sorge vor einer Schließung. Auch sie gehört zu den Märkischen Kliniken. Der Landrat gibt keine Bestandsgarantie.

„Es liegt nicht an einer fehlenden Motivation der Mitarbeiter, sondern die miserablen Rahmenbedingungen lassen keinen anderen Ausweg zu.“ Landrat Thomas Gemke äußerte sich mit Aufsichtsrat, Klinikleitung und Betriebsratzur geplanten Schließung des Marienhospitals in Iserlohn-Letmathe zum Jahresende. Dabei gingen die Gremienvertreter auch auf die Zukunft der Stadtklinik Werdohl ein.

Mitarbeiter nach Lüdenscheid und Werdohl

Die wichtigste Botschaft für den Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Weber: „Alle Mitarbeiter können bei den Märkischen Kliniken bleiben.“ Zum Verbund zählen das Klinikum in Lüdenscheid-Hellersen, die Stadtklinik in Werdohl und das Letmather Marienhospital. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Krankenhauses trifft der Kreistag am 27. Juni. 

Die Märkischen Kliniken wollen das Marienhospital in Letmathe schließen. 

Die „dramatische Lage“ dokumentierte Dr. Thorsten Kehe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Märkischen Kliniken. In den kommenden Jahren würden die Defizite auf rund 2,5 Millionen Euro ansteigen. „Der Konzern kann solche Dauerverluste nicht mittragen.“ 

Kehe: „Der Gesetzgeber verursacht die Schließung“

Den Grund für die wirtschaftliche Schieflage sieht Dr. Kehe beim Land, das seit Jahrzehnten seinen Investitionsverpflichtungen nicht nachkomme. „Der Gesetzgeber verursacht die Schließung.“ Immer schärfere Rahmenbedingungen dienten dazu, kleinere Häuser wie das Marienhospital mit zuletzt 1700 Patienten in Schwierigkeiten zu bringen. 

Kleine Kliniken geraten verstärkt unter Druck

In der Notfallversorgung, so Dr. Kehe, gebe es ebenfalls gravierende Unterschiede. Wer die Normen des Gesetzgebers erfülle, erhalte einen Bonus. Da kleine Kliniken diese Anforderungen nicht erfüllten, würden ihnen 200 000 Euro vom Budget abgezogen und von Notärzten nicht mehr angefahren.

„30 Prozent der Patienten kommen über diesen Weg.“ Eine Gefahr sehen die Verantwortlichen deshalb auch für die Stadtklinik in Werdohl, wenngleich Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Seidel auf den Vorteil der im Jahr 2016 eingerichteten Geriatrie hinweist. 

Hoffnung auf Werdohler Geriatrie

„Wir haben dort ein sehr stark nachgefragtes Fachgebiet und mit den 27 Plätzen ein Alleinstellungsmerkmal im südlichen Märkischen Kreis.“ In der Vergangenheit wurden die Senioren nach Attendorn und Radevormwald verlegt. „Heute machen wir sie in Werdohl wieder fit für den Alltag.“

Verlust von einer halben Million Euro erwartet

Deshalb sei es das strategische Ziel, die Geriatrie weiter auszubauen. Dann könne, so Seidels Hoffnung, im nächsten und übernächsten Jahr ein ausgeglichenes Betriebsergebnis für die Stadtklinik erzielt werden. Für dieses Jahr wird noch ein Verlust von einer halben Million Euro prognostiziert. 

"Auch Werdohl steht unter Beobachtung"

Deshalb machte Gemke deutlich: „Auch Werdohl steht unter Beobachtung. Es kann sein, dass wir zwar alles geben, am Ende aber doch nichts erreichen.“ 

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