Scharfe Kritik / Mitarbeiter beklagen Engpässe

Krankenhaus Letmathe: heute "Tag der Entscheidung" - kurzfristig vertagt

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Märkischer Kreis – Ende des Jahres soll das Marienhospital in Iserlohn-Letmathe geschlossen werden. Heute wird die geplante Schließung Thema im Kreisausschuss sein, am Dienstag beschäftigte sich die Iserlohner Lokalpolitik mit dem Thema. Das ist der aktuelle Stand der Diskussion:

Der Kreisausschuss wird heute in seiner Sitzung (Kreishaus Lüdenscheid, 16 Uhr) noch keine Vorentscheidung über die Pläne zur Schließung des Marienhospitals treffen. 

Die Fraktionen von SPD, CDU, FDP, Grünen und UWG haben noch Beratungsbedarf. Gegen eine Schließung haben sich bislang nur die Linken ausgesprochen. Die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und UWG haben einen gemeinsamen Antrag angekündigt, die Beratung und Beschlussfassung in den Kreistag zu überweisen. Die Entscheidung über die Schließung soll in der Kreistagssitzung am 27. Juni fallen. 

Fragenkatalog der Grünen

Bis dahin wollen die Grünen einen Fragenkatalog von der Verwaltung beantwortet haben. So möchte die Fraktion wissen:

  • Das Marienhospital Letmathe verfügt über ein hoch spezialisiertes Team, um Schlaganfallpatienten akut versorgen zu können. Die Aufnahme und Versorgung von Schlaganfallpatienten ist derzeit nicht mehr möglich, weil einzelne Fachdisziplinen nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Warum wurde das fehlende Fachpersonal nicht bereitgestellt, obwohl es nur noch in Hemer und Menden aufnahmefähige Krankenhäuser gibt?
  • Ein weiterer Vorschlag war die Spezialisierung im Bereich der Palliativmedizin. Warum wurde das entsprechende Personal nicht zugebilligt?
  • Seit geraumer Zeit werden im Marienhospital Letmathe fehlende Ärzte nicht mehr ausgeglichen. Durch diese Vorgehensweise musste eine Station geschlossen werden und das Krankenhaus konnte nicht mehr in der gewohnten Weise als Notfallkrankenhaus angefahren werden. Ist die Personalausdünnung als Vorgriff auf eine angedachte Schließung des Krankenhauses vor genommen worden? Warum wurde das Konzept zur perspektivischen Weiterentwicklung der Chirurgie nicht umgesetzt? 
  • Nach der Schließung des Krankenhauses in Hagen-Elsey stieg die Zahl der Patientenaufnahmen in Letmathe stark an. Dies musste mit dem vorhandenen Personal bewältigt werden. Welche Perspektive zur Reduzierung der Arbeitsüberlastung wurde den Ärzten und dem Pflegepersonal signalisiert, um qualifiziertes Personal zu halten und neues zu akquirieren? Warum wurde für das Anwerben von Personal die Zahlung von Prämien nicht in Betracht gezogen?

Iserlohns Politiker üben scharfe Kritik

Derweil trafen sich am Dienstag die Iserlohner Lokalpolitik zu einer Sondersitzung des Arbeitskreises Gesundheitsversorgung. Inakzeptabel und enttäuschend fanden es die Vertreter aller Ratsfraktionen, dass trotz Einladung niemand vom Märkischen Kreis zur Sondersitzung in Iserlohn gekommen war. 

Engpässe in der Infrastruktur und Vorratshaltung

Entsetzt waren sie dann, als nach der offiziellen Sitzung anwesende Mitarbeiter des von der Schließung bedrohten Marienhospitals in Letmathe über die aktuelle Situation dort berichteten. Schon jetzt gebe es Engpässe in der Infrastruktur und Vorratshaltung. Material wie Einmal-Handschuhe oder Zellstoff sei nicht mehr überall ausreichend vorhanden. 

Tonnen mit medizinischen Abfällen seien nicht abgeholt worden. Geräte würden bereits auf die anderen Häuser verteilt. Der Eindruck der Krankenhaus-Belegschaft: „Man will uns ausbluten lassen und vollendete Tatsachen schaffen.“ 

Der Verdacht ist da, dass das Haus nicht erst zum Ende des Jahres geschlossen werden soll. Handlungsbedarf sahen angesichts der drastischen Schilderungen Politik und Verwaltung. Noch heute sollte eine Anfrage an den Kreis gehen und auch die Bezirksregierung informiert werden. Eventuell müsse die Ordnungsbehörde eingeschaltet werden. 

Scharf kritisiert wurde das intransparente Verfahren und die Versäumnisse der vergangenen Jahre, die dazu geführt hätten, dass jetzt erstmals nach mehreren Jahren ein Defizit vorliegt. Die Iserlohner Fraktionen wollen gemeinsam den Kreistag auffordern, die Schließung des Marienhospitals abzulehnen.

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