665 Anträge auf abschlagsfreie Rente im Kreis / SIHK: Problem für Betriebe

Rente mit 63 wird im Kreis häufig genutzt

Märkischer Kreis - Immer mehr Männer und Frauen im Kreis beantragen die „abschlagsfreie Rente mit 63“. Die „Rente für besonders langjährig Versicherte“, so der offizielle Sprachgebrauch, nahmen im vergangenen Jahr 665 Personen in Anspruch. Das ist im Regierungsbezirk Arnsberg ein Spitzenwert.

Mehr als jede dritte Altersrente (35,8 Prozent), die bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Westfalen im vergangenen Jahr beantragt wurde, bezieht sich zwischen Menden und Meinerzhagen mittlerweile auf die „63er Regelung“.

„Die abschlagsfreie Rente mit 63 ist und bleibt für viele attraktiv – insbesondere für gut verdienende Facharbeiter. Wer kann, der nimmt die Rente mit 63 auch gerne in Anspruch“, fasst die Geschäftsführerin der DRV Westfalen, Angelika Wegener, die Ergebnisse zusammen.

„Und selbst der schrittweise Anstieg des Renteneintrittsalters bei dieser Rentenform lässt die Nachfrage nicht zurückgehen“, ergänzt sie. Seit 2016 wird auch bei der abschlagsfreien Rente mit 63 der Zugang stufenweise erhöht. So liegt aktuell für 2018 der frühestmögliche Beginn für die abschlagsfreie Rente für Versicherte des Jahrgangs 1955 bei 63 Jahren und sechs Monaten. In den folgenden Jahren steigt die Altersgrenze weiter an, und zwar jeweils um zwei Monate pro Geburtsjahrgang. Wer 1964 oder später geboren wurde, kann diese Rente dann erst ab dem 65. Geburtstag erhalten.

Die Möglichkeit zur abschlagsfreien Rente mit 63 wurde Mitte des Jahres 2014 eingeführt – mit spürbarer Resonanz. In den ersten sechs Monaten beantragten im Märkischen Kreis bereits 516 Personen diese Versorgungsform. In den beiden Folgejahren waren es bereits 628 beziehungsweise 630 Männer und Frauen. Dabei ist der Anteil der Antragstellerinnen mit 167 ebenfalls „spitze“. Über den Gesamtzeitraum nutzten zusammengerechnet 41 912 Versicherte der DRV Westfalen diese Rentenart.

Besonders in Südwestfalen findet diese gesetzliche Regelung einen hohen Zuspruch. Von den eingereichten Rentenanträgen bezogen sich im Märkischen Kreis 35,8 Prozent auf diese Möglichkeit, im Kreis Soest sind es 36, im Hochsauerlandkreis 38,9, im Kreis Olpe 39,3 und in Siegen-Wittgenstein sogar 40,6 Prozent. Zum Vergleich: In Dortmund sind es nur 25,5 Prozent. Ein möglicher Grund für den dort geringen Anteil sind die bereits erfolgten Vorruhestandsregelungen für Beschäftigte in der Kohle- und Schwerindustrie in den zurückliegenden Jahren.

Andreas Lux, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der SIHK, weist auf die zwei Seiten dieser Gesetzes-Medaille hin: „Natürlich ist es jedem Arbeitnehmer zu gönnen, wenn er diese Regelung für sich nutzen kann. Aber den Betrieben gerade in der Metall- und Elektroindustrie geht auf diesem Weg frühzeitig wichtiges Know-how verloren. Das spüren die Unternehmen, und der Fachkräftemangel wird durch diese Entwicklung in unserer Region weiter verschärft.“

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