Rechtsextremismus-Skandal: Polizei im MK in Alarmstimmung

Polizei NRW Reichsbürger und Nazis in Dortmund
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Bei der Polizei im Ruhrgebiet tauchte rechtsextremes Gedankengut in Chats auf.jpg

Die Polizisten im MK sind geschockt: Rechtsextrem gesinnte Beamte im Ruhrgebiet könnten das Vertrauen der Polizei insgesamt bei den Bürgern verspielen, fürchten sie. Die Polizei im MK startet eine Aufklärungskampagne - und schaut in den eigenen Reihen genau hin.

Märkischer Kreis - „Wenn wir schwarze Schafe in unseren Reihen haben sollten, werden wir sie finden“, sagt Andreas Barnewitz, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei im Märkischen Kreis. Die Aufdeckung rechtsextremer Chatgruppen bei der Polizei und die Suspendierung von 29 Polizisten hat auch die Beamten im Märkischen Kreis in Alarmstimmung versetzt. „

Jetzt wird überall geguckt, ob es diese einzelne Dienstgruppe betrifft, oder ob wir ein Problem haben“, so Andreas Barnewitz und ergänzt: „Die Kollegen sind geschockt.“ Alle Polizisten im Kreis sind zu einer Aufklärungskampagne eingeladen. Ansprechpartner ist der Extremismusbeauftragte. „Ich hoffe, es ist ein einmaliges Phänomen“, sagt Andreas Barnewitz.

Rechtsextremismus bei der Polizei: Kleiner Teil, großer Imageschaden

Dass es so ist, glaubt Polizeihauptkommissar Dietmar Boronowski ganz sicher. „Was passiert ist, macht mich fassungslos. 50 000 Polizisten machen eine super Arbeit. Und dieser andere winzige Teil hat bei der Polizei nichts zu suchen“, sagt der Pressesprecher der Polizei im MK, der ebenfalls eine lückenlose Aufklärung fordert und sich um den Imageschaden sorgt, „den es auch hier für uns geben wird und der schwer zu reparieren ist.“ Besonders die Kollegen an der Basis würden die Leidtragenden sein.

An der Basis: Da sind beispielsweise Markus Nowak, Leiter der Wache in Altena, und der Bezirksbeamte Jörg Bielefeld. „Ich gehe davon aus, dass es Konfrontationen auf der Straße geben wird, mit Bürgern, die uns etwas in dieser Richtung vorwerfen werfen“, sagt Markus Nowak. Allerdings ist er nicht übermäßig besorgt, was Altena betrifft. In seinen Reihen schließt er rechtsextreme Tendenzen aus. Innerhalb seines Teams gebe es auch immer die Möglichkeit, sich auszutauschen und auch belastende Situationen durchzusprechen.

Rechtsextremismus bei der Polizei: Korpsgeist „gibt‘s so nicht“

Den oft angesprochenen Ehrenkodex in der Polizei, dass man sich nicht gegenseitig „ans Messer liefert“, ist nach Auffassung von Markus Nowak ein alter Hut. „Den gibt es nicht.“

Das sagt auch der Bezirksbeamte Jörg Bielefeld. „Es gibt überhaupt keine Entschuldigung für solche Taten.“ Jetzt würden alle Kollegen mit hineingerissen. „Ich bin sehr fern von diesem Gedankengut und bereit dafür, auch mit den Bürgern darüber zu diskutiert“, so Jörg Bielefeld.

Rechtsextremismus bei der Polizei: Sorge vor Anfeindungen auf der Straße

Dass das Thema aufgebauscht wird, sieht übrigens keiner der Beamten so. Im Gegenteil. Doch es gibt nicht nur Entsetzen allerorts. Natürlich werden auch mögliche Gründe für die rechtsradikalen, fremdenfeindlichen Gesinnungen einiger weniger diskutiert. „Wenn du als junger Mensch im Brennpunkt arbeitest und regelmäßig mit einer besonderen Klientel zu tun hast, dann eventuell unreflektiert damit umgehst, dann könnte das vielleicht passieren“, sagt ein Polizeibeamter, der nicht namentlich genannt werden will.

Rechtsextremismus bei der Polizei: Rechtsextremismus war zu lange kein Thema

Als „Idioten“ und „Schwachköpfe“ bezeichnet er die jetzt suspendierten Kollegen, die allen anderen einen Bärendienst erwiesen hätten. Auch Andreas Barnewitz will nicht ausschließen, dass es Situationen gibt, in denen Kollegen immer wieder beschimpft, als Nazis bezeichnet werden, „und dass das im Hinterkopf irgendwann haften bleibt“.

Die Polizisten, so sagt der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft, seien in der Vergangenheit „erst einmal alleine gelassen worden. Es war kein Thema. Aber wir haben alle einen Amtseid geschworen. Jetzt werden wir uns intensiv bemühen, das Ganze auszurotten, falls es was auszurotten gibt.

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