Prozess vor dem Landgericht

Rechtsanwalt aus dem MK kämpft um seine Zulassung vor Gericht

Rechtsanwalt Gericht
+
Ein Rechtsanwalt aus dem MK kämpft vor Gericht um seine Zulassung.

Um seine Zulassung kämpft im Landgericht Hagen ein Rechtsanwalt aus dem Märkischen Kreis.

Hagen - Das Amtsgericht Lüdenscheid hatte den Anwalt aus dem Märkischen Kreis am 22. September 2020 wegen „gewerbsmäßiger Untreue in 14 besonders schweren Fällen“ zu einer Haftstrafe von 15 Monaten auf Bewährung und zu einem dreijährigen Berufsverbot verurteilt. Er gab zu, dass er mehrfach eigene finanzielle Probleme durch den Zugriff auf ihm anvertraute Gelder von Kunden „gelöst“ hatte.

Zunächst bediente er sich mehrfach auf einem sogenannten „Anderkonto“, das der sicheren Zahlungsabwicklung bei Immobilienverkäufen dient. Offenbar verzögerte sich dieser Kauf, wodurch der Anwalt über einen längeren Zeitraum hinweg Zugriff auf eine Gesamtsumme von 120.000 Euro hatte. Im Frühjahr 2018 bewegte er bei neun Buchungen Beträge bis zu 50.000 Euro, um Geld an mehrere Privatpersonen zu überweisen und Forderungen des Finanzamtes zu begleichen.

Schaden immer wieder zurückgezahlt

Doch ein Schaden entstand den rechtmäßigen Eigentümern des ihm anvertrauten Geldes letztlich nicht: „Der Kaufpreis wurde in der Folge vollständig ausgezahlt“, hielt das Urteil des Amtsgerichts fest.

Im Juni 2018 verschaffte dem Angeklagten ein mit 400.000 Euro gefülltes Anderkonto erneut finanzielle Spielräume, die er weit zurückhaltender nutzte als beim ersten Mal. Auch bei diesem treuhänderisch verwalteten Vermögen entstand den Eigentümern letztlich kein erheblicher wirtschaftlicher Schaden, weil der Angeklagte auch diesmal das Konto rechtzeitig wieder auffüllte.

Positiv wirkten sich vor Gericht auch sein Geständnis und der Umstand aus, dass er in keiner Weise vorbestraft war. Dennoch war der Straftatbestand der schweren gewerbsmäßigen Untreue in 14 Fällen erfüllt. Bei dem Geständnis blieb es auch im Landgericht.

Angeklagter geht in Berufung

In Berufung gegangen war er vor allem wegen der Entscheidung, ihm wegen einer „groben Pflichtverletzung“ die Berufszulassung für drei Jahre zu entziehen. Doch auch die Staatsanwaltschaft focht das Urteil an: Im Amtsgericht hatte ihr Sitzungsvertreter ein lebenslanges Berufsverbot für den Rechtsanwalt beantragt.

Für eine derart harte Sanktion sah die Berufungskammer des Landgerichts „nach dem derzeitigen Stand“ keinen Anlass. Die Frage, ob das dreijährige Berufsverbot möglicherweise aufgehoben werden kann, soll allerdings nur auf der Grundlage der aktuellen wirtschaftlichen Situation des Angeklagten beantwortet werden.

Da er die ihm vorgeworfenen Taten vollständig einräumte, beschränkte er seine Berufung auf das Strafmaß und die ergänzende Sanktion. Sein Steuerberater soll nun eine betriebswirtschaftliche Auswertung der aktuellen finanziellen Situation der Kanzlei des Angeklagten liefern. Das Ziel ist klar: Die Richter müssen sicherstellen, dass der Angeklagte nie wieder ein wirtschaftliches Interesse daran hat, ihm anvertraute Konten zu beleihen. Der Prozess soll am 18. März im Landgericht fortgesetzt werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Bei dem Angeklagten handelt es sich anders als im Artikel geschrieben nicht um einen Notar aus Schalksmühle. Die inzwischen gelöschte Formulierung hatte bei der Rechtsanwalts- und Notarkanzlei Thebrath aus Schalksmühle zu mehreren Nachfragen von Mandanten geführt, wie Dr. Hermann Thebrath berichtete. Er führt zusammen mit seinem Sohn Dr. Pascal Thebrath die Kanzlei. Sie sind die einzigen beiden Notare, die in Schalksmühle praktizieren. Die Kanzlei Thebrath steht in keinerlei Verbindung zur beschriebenen Gerichtsverhandlung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare