Was Schornsteinfeger entdecken

Rätselhafte Funde im MK: Wieso fallen immer wieder Vögel in den Kamin?

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Eine tote Elster in einem Kaminrohr hat Jörn vom Hofe in Lüdenscheid entdeckt. 

Lüdenscheid - Die Funde von toten und teilweise lebendigen Vögel in Kaminen im Märkischen Kreis und in Lüdenscheid geben Vogel-Experten und Schornsteinfegern Rätsel auf. Es gibt aber einen Verdacht. 

Schornsteinfeger gelten seit dem Mittelalter als Glücksbringer, nicht nur an Silvester. Damals war die Gefahr von Stadtbränden deutlich größer als heutzutage. Der Schornsteinfeger versprach, die Hauseigentümer vor Feuer zu bewahren. Heute ist die Überprüfung der Feuerstätten immer noch die Hauptaufgabe der Schornsteinfeger. Und dazu gehört auch ein Blick in den Kamin. 

Ein Wespennest. 

Dabei machen die Schornsteinfeger im Märkischen Kreis immer wieder kuriose und häufig auch traurige Entdeckungen. So sind Wespen- und Hornissennester, die von den fleißigen Insekten teils sehr kunstvoll im Kamin verankert werden, bei den Kontrollen im Sommer häufig anzutreffen. Diese werden fachmännisch entfernt. 

Die größte tierische Gefahr für die Häuser sind allerdings Dohlennester, die die Abluftanlagen verstopfen können. Dohlen sind Höhlen- und Nischenbrüter und die einzigen Vögel, von denen bekannt ist, dass sie ihre Nester in Schornsteine bauen. Immer wieder fällt auch ein Küken aus dem Nest und wird später tot auf der Schornsteinsohle gefunden. 

Bezirksschornsteinfeger Jörn vom Hofe berichtet, dass er allein in diesem Jahr drei tote Elstern im Kamin gefunden habe. Das ist deshalb erstaunlich, weil die Vögel als intelligent gelten und nicht dafür bekannt sind, in senkrechte Schächte zu fliegen. 

Dass sie zudem ausgerechnet über der vergleichsweise schmalen Schornsteinöffnung abstürzen und hinunterfallen, erscheint ebenfalls abwegig. Das Phänomen betrifft auch andere Vogelarten im Märkischen Kreis. 

Die häufigsten Vogel-Funde in Kaminen sind Tauben, sagt Peter Urban. Fast immer sind die Tiere bereits verendet. Auch Stare werden immer mal wieder gefunden. Urban hat in seiner langen Karriere auch schon Greifvögel wie einen Habicht und einen Bussard aus einem Kamin gezogen. 

Zudem erinnert er sich, dass er vor einigen Jahren einen Uhu im Schornstein entdeckt hat. „Der lebte sogar noch“, sagt Urban. 

Holger Sticht ist Landesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und ausgewiesener Vogel-Experte und Gutachter. Dass Vögel einfach so in einen Kaminschacht fallen oder fliegen, hält er für ausgeschlossen. Wissenschaftliche Studien zu Vogel-Funden in Kaminen kennt er nicht. Er hat aber eine Vermutung. 

Bei allen gefundenen Vögeln handelt es sich um Arten, die sich gern leicht erhöht niederlassen und darum auch häufig auf Schornsteinen zu beobachten sind. 

Gut möglich, dass sie sich eine Rauchgasvergiftung zuziehen und deshalb in die Tiefe fallen, versucht sich Holger Sticht an einer Erklärung. In der Tat ist der Kaminbrand voller Schadstoffe und Gifte und enthält unter anderem das tödliche Kohlenmonoxid. 

Auch für Schornsteinfegermeister Peter Urban ist Vergiftung die einzig schlüssige Erklärung für das Vogelsterben im Kamin. „Als Laie würde ich sagen, die Sinne sind vernebelt.“

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