Kontrolle der Polizei

Friedhofsblick verrät Autofahrer - so schnappt die Polizei Handy-Sünder

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Unfallursache Handy: Immer mehr Autofahrer greifen am Steuer zum Handy. Häufig, um WhatsApp-Nachrichten zu lesen.

Kreisgebiet - Mit dem Handy am Steuer – das kann gefährlich werden. Und trotzdem kommt es immer öfter vor. Polizei-Pressesprecher Marcel Dilling spricht über die Kontrolle von Handys am Steuer. 

66 Ablenkungsverstöße stellte die Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis in der vergangenen Woche bei einem landesweiten Aktionstag der Polizei zu Handysündern am Steuer im Märkischen Kreis fest.

Polizei-Pressesprecher Marcel Dilling sprach mit Redakteurin Marie Veelen über den Aktionstag und das Thema Handy am Steuer. 

Herr Dilling, Telefonieren oder WhatsApp – wobei werden die Verkehrsteilnehmer in der Regel häufiger erwischt? 

Das Problemfeld sind eindeutig WhatsApp-Nachrichten und Sprachnachrichten – alles, was nebenbei geht. Telefonieren kommt eher selten vor. 

Auch während der üblichen Streife der Polizisten vor Ort wird kontrolliert, ob die Verkehrsteilnehmer ein Handy während der Fahrt benutzen. Was ist der Unterschied zum Aktionstag?

In der praktischen Umsetzung war der Aktionstag nicht viel anders. Bei einem Aktionstag wie diesem in der vergangenen Woche, schließen wir uns zusammen, um uns einem Themenfeld besonders zu widmen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Koordination übernommen, sämtliche Kreisbehörden nahmen teil und das heißt, es werden mehr Kräfte explizit dafür abgerufen. 

Und wie funktioniert die Kontrolle? 

Einen Tag zuvor wurde besprochen, wo die Beamten sich positionieren sollten und in welchen Städten kontrolliert wird. 

Und wie bemerkt die Polizei, dass ein Handy benutzt wird, wenn das Handy nicht gerade am Ohr ist? 

Wir müssen einen Beweis führen und es aktiv sehen. Ein Indiz ist der sogenannte Friedhofsblick des Fahrzeugführers, also das Nach-unten-Schauen, denn das Handy wird meistens auf Hüfthöhe gehalten. Wir wählen für die Kontrollen Stellen aus, wo wir eine gute Sicht haben, um das zu beobachten. 

Das heißt, die Polizisten haben einen geschulten Blick dafür...?

Ja, das lernen wir in der praktischen Ausbildung zum Polizisten. Es wird den jungen Kollegen beigebracht, worauf sie achten sollten und müssen. Auch heute, nachdem ich schon mehrere Jahre Pressesprecher bin und nicht mehr Streife fahre, geht der Blick beim Autofahren trotzdem automatisch auf den Gurt und den Tüv-Stempel. Wir scannen bestimmte Sachen automatisch als Polizist. 

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Wieso hat sich die Polizei denn ausgerechnet dem Handy am Steuer mit einem Aktionstag gewidmet? 

Während ich bei der Fahrt auch nur eine Sekunde auf mein Handy sehe, lege ich bei 50 km/h 14 Meter im Blindflug zurück und dabei benötigt man, um eine WhatsApp-Nachricht zu lesen, drei bis vier Sekunden – das Auto legt in der Zeit 40 bis 50 Meter zurück. Das ist gefährlich. Denn wenn es zum Unfall kommt, dann richtig. Häufig passiert ein Frontalzusammenstoß mit schweren Verletzungen. Unsere Intention ist, deutlich zu machen, wie stark das Handy ablenkt. 

Kommt es zu mehr Unfällen durch das Handy am Steuer als durch Alkohol und Drogen? 

Das lässt sich schwer vergleichen. Bewiesen sind weitaus mehr Unfälle durch Alkohol und Drogen, aber das heißt nicht, dass das der Realität entspricht, sondern liegt auch an den Beweisen. Den Alkohol zum Beispiel riecht man einfach, aber das Handy als Beweis für den Unfall sicherstellen zu können, ist schwieriger. Es ist ein Beweis nötig, wie zum Beispiel ein Zeuge oder dass das Handy im Fußraum liegt. 

Mit was für einer Strafe hat ein Autofahrer denn zu rechnen, wenn er bei einer Kontrolle von der Polizei mit dem Handy am Steuer erwischt wird? 

100 Euro und ein Punkt in Flensburg. Dazu kommen dann noch die Verwaltungsgebühren. Bei einem Unfall wird es mehr. Radfahrer, die mit dem Handy erwischt werden, zahlen 55 Euro. Beim Radfahren ist die Gefahr, sich selbst zu gefährden bedeutend höher, beim Autofahren ist dagegen die Gefahr höher, jemand anderen zu schädigen. 

Gibt es das Problem mit Handys am Steuer erst, seit es auch Smartphones gibt, oder war das vor 15 Jahren auch schon so? 

Schon als ich 2005 zur Polizei kam, waren Handys am Steuer Thema, aber im Laufe der Jahre ist es immer mehr geworden, vor allem seitdem WhatsApp-Nachrichten hinzugekommen sind. Und es ist auffällig, dass es immer häufiger Unfälle gibt, bei denen die wahre Ursache nicht herausgefunden werden kann, man im Stillen aber davon ausgehen kann, dass das Handy benutzt wurde. Das ist auch der Grund dafür, dass wir die Handykontrollen zum Schwerpunkt erklärt haben.

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