Piraten wollen Flagge setzen

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Hans Immanuel Herbers, Stefan Handzik und Hans-Joachim Ossenberg (v. l.) wollen die Piraten künftig im Kreistag etablieren.

MÄRKISCHER KREIS - Die Piraten-Partei macht klar zur Eroberung des Kreistages. In allen 32 Wahlbezirken wird bei der Kommunalwahl am 25. Mai ein Kandidat antreten. Die ersten sechs Listenplätze sind besetzt, die weiteren Nominierungen werden Anfang Februar folgen.

„Wir kriegen die Mannschaft zusammen“, sagt Chefpirat Stefan Handzik klipp und klar. „Unsere Zuversicht gründet sich schließlich nicht auf Hoffnung.“

Um den selbstständigen 43-jährigen Lüdenscheider ist die Kernmannschaft mit dem Iserlohner Hans-Joachim Ossenberg (57), persönlicher Mitarbeiter des Landtagsabgeordneten Marc Olejak, und mit Hans Immanuel Herbers (55), ebenfalls aus Iserlohn und evangelischer Pfarrer, versammelt. Linn Rohr (Meinerzhagen), Julian Bogdanski (Iserlohn) und Rudolf Hantschel (Meinerzhagen) komplettieren das Sextett.

Programmatisch sehen sie sich als Bürgerrechtspartei: weg von Überwachung und Kontrolle, hin zu Beteiligung und mehr Gemeinwohl.

Wie das bei einem entsprechenden Wahlerfolg aussehen könnte, macht das Spitzentrio an einigen Beispielen deutlich. Bei der Diskussion um den künftigen Standort für das Feuer- und Rettungszentrum kommt den Piraten die Meinung der Freiwilligen in der Feuerwehr viel zu kurz. Das neue Gebäude soll auf dem kreiseigenen Grundstück im Iserlohner Griesenbrauck entstehen. „Die Feuerwehr lebt im Märkischen Kreis ganz wesentlich vom Ehrenamt. Das wird in Sonntagsreden ständig hoch gelobt und für unverzichtbar erklärt, im realen Leben aber abgehängt. Dann wird genau diese Personengruppe gar nicht gefragt“, kritisiert Herbers. Zentrale und große Einheiten seien eben nicht besser, was ein Blick in die Wirtschaft beweise. „Wir haben hier keine Großkonzerne, sondern einen flexiblen und höchst erfolgreichen Mittelstand.“

Damit ist schon die Brücke zum nächsten Schwerpunktthema der Piraten geschlagen: die Breitbandversorgung. Mit den Global-Playern ginge der Kreistag zwar gerne hausieren, aber bei dieser lebensnotwendigen Strukturfrage versage die Politik. Handzik: „Hier wurden noch Kupferkabel vergraben, da gehörte den Glasfasern längst die Zukunft.“ Die schlechte Anbindung mache sich bereits in der Stadt bemerkbar. „Dabei zählt die schnelle Internetanbindung zu den wichtigsten Standortfaktoren. Da mangelt es doch gravierend an Weitsicht.“

Den Nahverkehr möchten die Piraten mittelfristig ticketlos gestalten. Die Vernetzung innerhalb des Kreises lasse erheblich zu wünschen übrig, so Ossenberg. So sei die Schnellbuslinie zwischen Lüdenscheid und Iserlohn an den Wochenenden aus Kostengründen gestrichen worden. „Wir dürfen die MVG nicht totsparen.“ Der Nahverkehr könne nicht isoliert betrachtet werden. „Wenn wir Menschen gewinnen wollen, um hier zu leben und zu arbeiten, dann steht auch das Busangebot in Konkurrenz zu den großen Städten.“ In dem Zusammenhang kritisieren die Piraten das gravierende Gefälle bei den Landeszuweisungen. Pro Kopf erhält der Märkische Kreis 266 Euro vom Land, die Stadt Dortmund 860 Euro. „Diese Einwohnerveredelung ist überhaupt nicht nachvollziehbar und muss aufhören.“ Gerade in der Fläche sei das Geld wichtig, um einen funktionierenden Nahverkehr anbieten zu können. „Einerseits wird das Sterben von Dörfern beklagt, andererseits ist so eine Politik an der Tagesordnung. Wir müssen stärker darauf drängen, dass dieser Unsinn aufhört.“

In der Runde der kleineren Fraktionen wären die Piraten gewissermaßen von allem etwas, so Herbers. „Wir sind ökologisch, aber keine Vorschriftenpartei, wir sind sozial-liberal, haben aber keine Dollar- oder Eurozeichen in den Augen, und wir streben Veränderungen für die Menschen an, verzichten aber auf die Sprüche der Linken. Unsere Akzente sind eine gute Mischung.“ Sich selbst sehen die Piraten in der Mitte des Parteiensystems. Handzik: „Wir wollen eine gute Kooperation.“ – be

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