Persönliche Einblicke beim Interview auf dem Mountainbike

Paul Ziemiak vergisst nicht den Moment, als die Kanzlerin ihm das DU anbot

Paul Ziemiak, CDU-Kandidat für die Bundestagswahl, liebt Mountainbiketouren im Sauerland und führte das gesamte Gespräch bei einer Radtour.
+
Paul Ziemiak, CDU-Kandidat für die Bundestagswahl, liebt Mountainbiketouren im Sauerland und führte das gesamte Gespräch bei einer Radtour.

Paul Ziemiak ist zweifellos der bekannteste Bundestagskandidat im Wahlkreis 150. Denn der Iserlohner ist CDU-Generalsekretär und saß kürzlich noch perfekt gestylt im Anzug mit Kevin Kühnert und Cem Özdemir im ARD-Hauptstadtstudio bei Anne Will, um das Triell, also den Auftritt der drei Kanzlerkandidaten, zu bewerten.

Lennetal - Ortswechsel: Statt in Berlin hat sich der 35-Jährige zu einem persönlichen Gespräch in Blintrop verabredet. Am Steuer eines VW Busses hält Ziemiak vor dem ehemaligen Gasthof Sasse-Kuschert, trägt ein sportliches Outfit und hievt sein Mountainbike aus dem Kofferraum,

Denn der Iserlohner, der in Berlin und im heimischen Wahlkreis von Termin zu Termin hetzt, kann bei einer Radtour gut runtergekommen: „Wenn ich nach einer anstrengenden Woche nach Hause komme, sagt meine Frau oft: ,Setz dich mal aufs Rad.’“ Oft nehme er dann auch seine beiden Kinder – seinen vierjährigen Sohn und seine zweijährige Tochter – im Fahrradanhänger mit und fahre mit ihnen durch die Sauerländer Natur. „Dabei mache ich das Handy aus und habe den Kopf danach wieder frei“, sagt Ziemiak, dem seine Familie alles bedeutet und die er deshalb aus allem heraushalten will.

Das tat er gewissermaßen auch, als er am 8. Dezember 2018 spät nach Mitternacht zum CDU-Generalsekretär ernannt wurde. „Meine Frau war da schwanger, deshalb hab ich erst am nächsten Morgen angerufen“, erzählt Ziemiak. Sie habe sich sehr gefreut und gesagt: „Du willst es doch.“

„Das war emotional der schönste Tag, aber beruflich brannte die Hütte lichterloh“

Als im Mai 2019 die Entbindung seiner Tochter bevorstand, befand sich der junge Generalsekretär und Bundestagsabgeordnete mit der Blitzkarriere an der Seite seiner Frau, während der CDU gerade die Rezo-Video-Affäre um die Ohren flog. „Das war emotional der schönste Tag, aber beruflich brannte die Hütte lichterloh“, erinnert sich Ziemiak, der das Handy zwischendurch einfach ausschaltete.

Die Frage, wer im Hause Ziemiak die Hosen anhat, lässt der 35-Jährige offen, gesteht aber ein, dass er Zuhause sehr schnell „geerdet“ werde. „Meine Frau ist Apothekerin. Wenn sie arbeitet und ich komme aus Berlin zurück und hab vielleicht gerade mit der Kanzlerin telefoniert, dann muss ich zuhause eben das Altglas wegbringen“, sagt Ziemiak.

Angela Merkel bot ihm das Du an

Stichwort Angela Merkel: Von ihr habe er viel gelernt und er schätze sie als Mensch sehr, auch wegen ihrer humorvollen Art. Als Merkel ihm nach einem langen Gespräch bei einem Glas Rotwein das „Du“ angeboten habe, sei das ein besonderer Moment gewesen. Einen anderen Klingelton hat die mächtigste Frau der Welt aber nicht. „Sie ist unter Angela Merkel abgespeichert“, verrät der Iserlohner, der wöchentlich mit ihr telefoniert, und häufig SMS bekomme. Sie werde ihm fehlen, sagt Ziemiak, der einen älteren Bruder hat und dessen Mutter vor 13 Jahren verstarb.

Auf die Frage, ob er sein Familienglück und seinen politischen Werdegang gerne mit seiner Mutter geteilt hätte, wird der junge Familienvater auf dem Mountainbike einen Moment lang still und sagt dann leise: „Hundertprozentig.“ Und auch als er eine Rede an einem Gedenktag für die polnischen Opfer des Nationalsozialismus hielt, hätte er seine Mutter und Großeltern gerne dabei gehabt.

Er habe in den letzten Jahren unheimlich viel gelernt. „Ich war immer der Jüngste überall“, sagt der einstige JU-Bundesvorsitzende, der weiß, dass sein derzeitiger Job in Berlin nicht in Stein gemeißelt ist. „Vielleicht bin ich in vier Wochen arbeitslos“, sagt der Iserlohner.

„Es wird sehr knapp“

„Ich bin der einzige, der wirklich schon lange in diesem Wahlkreis lebt und nicht für die Wahl hergezogen ist“, sagt Ziemiak, der schon bewiesen habe, dass er für die heimische Region etwas bewegen könne. Er kämpfe als CDU-Kandidat um jede Stimme: „Ich will den Wahlkreis gewinnen.“ Und an den Erfolg glaubt er auch bei der Kanzlerfrage. „Aber es wird sehr knapp, da bin ich mir sicher.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare