Frieren in der Warteschlange

Panne im Impfzentrum des MK: Termine mehrfach vergeben - Impfberechtige über die Odyssee

Lange Schlangen vor dem Impfzentrum an der Schützenhalle am Loh in Lüdenscheid: Bei der Vergabe der Termine für Sonntag, 14. Februar, ist es offenbar zu einer größeren Panne gekommen. Wir haben mit Betroffenen gesprochen.

[Update, 21.59 Uhr] Märkischer Kreis – Die Security des Impfzentrums an der Schützenhalle am Loh in Lüdenscheid hat am Sonntag, 14. Februar, mehrere Senioren wieder nach Hause geschickt, obwohl sie oder ihre Angehörigen über das Internet Termine gebucht hatten. Betroffen waren die Impfungen direkt zum Start um 14 Uhr. Bei der Vergabe der Termine war etwas schiefgelaufen. Es sei ein Vielfaches der eigentlich zur Verfügung stehenden Termine vergeben worden, wurde den Wartenden erklärt.

Das zeigte sich auch an der Länge der Warteschlange. Deutlich über 200 Senioren und deren Angehörige hätten bei frostigen Temperaturen Schlange gestanden, die Stimmung sei teilweise aggressiv gewesen, schilderten Betroffene.   

Panne im Impfzentrum im MK: Statt zwölf wurden 100 Termine vergeben

Begonnen hatte alles schon um kurz nach 13 Uhr, als sich die ersten Über-80-Jährigen und ihre Begleitungen überpünktlich vor der Schützenhalle einfanden und auf den Einlass für ihren Termin um 14 Uhr warteten. Jede Minute wurde die Schlange ein Stück länger.

Vor der Öffnung um 14 Uhr hielten die Sicherheitsleute die Gitterzäune vor dem Eingang trotz der immer länger werdenden Schlange geschlossen. Der Unmut in der Schlange wuchs zusehends. „Das hier ist ein Armutszeugnis für unser Gesundheitssystem“, ärgerte sich zum Beispiel Kay Iderhoff, der seine Mutter aus Lüdenscheid begleitete. „Das ist der größte Schwachsinn des Jahrhunderts“, pflichtete Holger Jaschultowski bei, ebenfalls Lüdenscheider, der mit seinem 88-jährigen Vater in der Warteschlange fror.

Panne im Impfzentrum im MK: Temperaturen um den Nullpunkt - lange Warteschlangen

Lange Schlangen in der Kälte: Vor dem Impfzentrum in der Schützenhalle am Loh in Lüdenscheid warteten die Impfwilligen auf ihre Corona-Impfungen - teils vergeblich.

Nur zwei Beispiele von vielen, die sich bei unserem Reporter über die „schlechte Organisation“ echauffierten – und zwar auch deshalb, weil bei Temperaturen um den Nullpunkt immer öfter ältere Menschen an Kraft verloren und einen Rollstuhl oder Rollator brauchten, von denen aber nur vier Stück leihweise am Eingang zur Verfügung standen.

Um Punkt 14 Uhr öffneten die Sicherheitsleute die Türen und offenbar wurde erst jetzt bei der Anmeldung das Problem deutlich. Der Großteil der Leute hatte nämlich tatsächlich einen 14-Uhr-Termin. Aber wie konnte das sein?

Panne im Impfzentrum im MK: Softwarefehler bei der Vergabe der Impftermine

„Grund dafür war, dass es zu einem Softwarefehler bei der Vergabe der Impftermine seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) gekommen war – und zwar sowohl über das Call-Center, als auch über die Hotline 116117.de“, teilte der Märkische Kreis in einer Mitteilung am Abend mit. „Dadurch waren anstatt der vorhandenen zwölf Impftermine für 14 Uhr circa 100 Termine vergeben worden.“

Das Impfteam des Impfzentrums Lüdenscheid sei zum Start der Impfungen um 14 Uhr mit dieser Situation konfrontiert worden. „Jetzt musste eine schnelle Lösung erarbeitet werden. Das gesamte Leitungsteam vom Märkischen Kreis und der KVWL um Karsten Runte und Dr. Gregor Schmitz traf sich sofort zu einer Krisensitzung, um zu sehen, wie sie diese Situation so gut wie möglich für alle Beteiligten lösen konnten“, hieß es weiter in der Mitteilung des Kreises.

Panne im Impfzentrum im MK: Ehepaar von Brachel und Marlies Pracht erleben Odyssee

Um 14.30 Uhr erhielten die Wartenden vor dem Impfzentrum schließlich eine erste Information, dass etwas schief gelaufen ist. Ein Megafon stand nicht zur Verfügung, deshalb rief ein Verantwortlicher über den ganzen Platz und erklärte die Problematik. Es tue ihm aufrichtig leid, aber er habe keine andere Chance, als einen Teil der Leute mit 14-Uhr-Termin wieder ohne Impfung nach Hause zu schicken.

Heiner und Petra von Brachel aus Köln mit Marlies Pracht aus Hemer (Mitte), die um ein Haar abgewiesen worden wäre, dann aber doch noch geimpft werden konnte.

Hautnah erlebten Petra und Heiner von Brachel aus Köln diese Ansage mit. Sie begleiteten Petras Mutter Marlies Pracht aus Hemer zur Impfung, standen zum Zeitpunkt der Durchsage ganz vorne in der Reihe und waren nun angehalten, sich auf den Heimweg zu begeben. Etwa 50 weitere Menschen seien nach der Durchsage ebenfalls gegangen. Der Märkische Kreis sprach in einer Mitteilung am Abend dagegen von nur 20 Betroffenen, weil „nicht verwendete Impfdosen der letzten Tage aus dem Vorrat genommen worden sind, um 70 Impfwillige zusätzlich zu impfen“.

Panne im Impfzentrum im MK: Impfen doch noch möglich - für einige

Das Ehepaar von Brachel und Mutter Marlies Pracht jedenfalls waren schon auf halbem Weg zum Auto, als Petra von Brachel doch noch einmal zum Eingang ging, um sich den Namen des Verantwortlichen geben zu lassen, um später einen Ansprechpartner für eine Beschwerde zu haben. Hierbei erfuhr sie von dem doch noch vorhandenen, zusätzlichen Impfstoff.

Und so hatte Marlies Pracht letztlich doch noch Glück und konnte aufgrund des neuen Anlaufs ihrer Tochter doch noch geimpft werden. „Das war purer Zufall“, weiß Petra von Brachel. Gut anderthalb Stunden später kehrte das Ehepaar mit der frisch geimpften Mutter aus dem Innern der Schützenhalle zurück. Die Erleichterung stand ihnen ins Gesicht geschrieben: „Wir rufen jetzt Halleluja und zünden – wie man das in Köln an Karneval so macht – eine Konfettikanone“, sagte Heiner von Brachel.

Panne im Impfzentrum im MK: Termine mehrfach vergeben - Senioren gehen ungeimpft nach Hause

Lange Schlangen bildeten sich wegen eines Fehlers bei der Terminvergabe vor dem Impfzentrum des Märkischen Kreises in Lüdenscheid.

Die Dortmunderin Katja Bender fand es nach eigener Aussage bedenklich, dass vor dem Impfzentrum Mindestabstände nicht eingehalten werden konnten. „Wer Corona noch nicht hatte, der hat es jetzt“, schimpfte sie. Sie war mit ihrer in Menden lebenden Mutter Erika zum Impfzentrum gefahren und gehörte zu denjenigen, die ohne gültigen Termin ins Impfzentrum gelassen wurden. Andere gingen wieder nach Hause.

Der Rückstau, der durch die nicht eingeplanten Impflinge entstanden war, konnte laut Mitteilung des Kreises erst gegen 17 Uhr „weitgehend abgearbeitet“ werden. Die Betroffenen, die nun ohne Impfung nach Hause gehen mussten, können sich laut Kreis-Mitteilung mit Angabe der Buchungsnummer unter hotline-lsiz@maerkischer-kreis.de melden. „Sie erhalten dann kurzfristig einen zusätzlichen Impftermin in der kommenden Woche“, hieß es am Sonntagabend.

Rubriklistenbild: © Sebastian Schulz

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