Chancen der Nutzung von Brachflächen

MÄRKISCHER KREIS – Die Chancen, die sich für eine Stadt durch eine gezielte Analyse und Entwicklungsplanung für die Wiedernutzbarmachung von so genannten Brachflächen ergeben, standen auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Regionalausschusses Märkischer Kreis Süd der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) zu Hagen.

Thomas Lennertz, Geschäftsführer der BEG (BahnflächenEntwicklungsgesellschaft NRW), informierte in Lüdenscheid die Mitglieder des Ausschusses unter Vorsitz von Dr. Frank Hoffmeister zunächst über die Arbeitsweise des Projekts Flächenpool.NRW. Dieses Landesprojekt hat es sich zum Ziel gesetzt, zwischen Stadtentwicklungsinteressen von Kommunen auf der einen Seite und Eigentümern von ungenutzten, brachliegenden Flächen auf der anderen Seite zu vermitteln. Speziell für aktuell nicht mehr genutzte Industrie- oder Gewerbeflächen sollen dabei gemeinsam Ideen und Lösungen entwickelt werden.

„Wir brauchen dringend ein Instrument, Brachflächen in den Städten aufzubereiten und sie einer neuen Nutzung zuzuführen. Wegen der eingeschränkten künftigen industriellen Nutzungsmöglichkeit kann dies aber kein Ersatz für die Ausweisung neuer Industrie- und Gewerbeflächen sein“, wies SIHK-Vizepräsident Dr. Frank Hoffmeister auf die Bedeutung des Themas für Südwestfalen hin. Oberziel des Flächenpools.NRW ist es, anstelle einer kontinuierlich neuen Flächeninanspruchnahme zum Beispiel im Umland – was in einigen Kommunen kaum noch möglich ist – im Zuge einer gezielten Stadtentwicklung brachliegende und verfügbare Flächen in den Städten wieder einer neuen Nutzung zuzuführen. Allerdings sind diese eher selten im Besitz der Kommunen, so dass das erste Ziel häufig ist, Stadtverwaltungen und Eigentümer an einen Tisch zu bringen und einen Konsens zu finden. Einen Konsens, der sowohl den meist finanziellen Interessen der Eigentümer als auch den stadtplanerischen Möglichkeiten und Ideen entspricht. Am Anfang soll immer eine Kooperationsvereinbarung stehen, die unter anderem die Rechte und Pflichten des Eigentümers sowie die Leistungen des Flächenpools und die Refinanzierung regelt. Beispielsweise können Abrisskosten für nicht mehr brauchbare Gebäude entstehen. Die jeweilige Kommune verpflichtet sich im Gegenzug in einer Konsensvereinbarung, der Wiedernutzung von Brachflächen einen Vorrang gegenüber der Entwicklung und Erschließung von neuen Baugebieten einzuräumen.

In dieser Art tätig geworden ist der Flächenpool auch in Lüdenscheid. Insgesamt sieben innerstädtische Areale wurden für eine Pilotphase ausgewählt. Lennertz erläuterte den Ablauf eines solchen Prozesses an zwei Beispielen aus Lüdenscheid, die als Industriestandorte unter den Namen „Gill Thermoplaste“ und „Kleinhuis“ bekannt sind. An beiden Stellen kommt eine industrielle Nutzung aus verschiedenen Gründen nicht mehr infrage, allenfalls eine eingeschränkte, nicht störende gewerbliche Nutzung. Die Betreuung des Flächenpools.NRW reichte hier von ersten Entwicklungsvorschlägen für eine geänderte Nutzung durch eine neue Bebauung bis hin zu Kostenberechnungen und der Entwicklung von Umsetzungsstrategien.

Problem aktuell, nach Abschluss der Pilotphase des Projekts: Im neuen Landeshaushalt sind zurzeit keine Mittel für den Regelbetrieb bereit gestellt. Mit rund vier Millionen Euro über vier Jahre verteilt könnten alle un- oder mindergenutzten Flächen in zehn Kommunen betreut und so die Entwicklung dieser Kommunen angestoßen werden, so Lennertz. Eine Vorfinanzierung durch das Land signalisiere nicht zuletzt das Interesse der NRW-Regierung, Kommunen und Eigentümer bei einer sinnvollen Flächennutzung zu unterstützen.

„Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Kassen bietet der Flächenpool große Chancen für den Umgang mit Brachflächen auch in unserer Region“, fasste SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick die intensive Diskussion im Regionalausschuss zusammen.

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