Die Landtagskandidaten im Märkischen Kreis - Wahlkreis 122

Marco Voge will „für die Region ackern“

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Einer der Lieblingsplätze des CDU-Landtagskandidaten Marco Voge ist die Aussichtsplattform in Mellen. Die Dorfbewohner haben sie mit vereinten Kräften errichtet.

Balve - Wir stellen in ausführlichen Portraits die sieben Kandidaten für den Landtagswahlkreis 122 (Märkischer Kreis II) vor: an dieser Stelle Marco Voge von der CDU.

Eigentlich sei er konservativ, sagt Marco Voge von sich. Gerade jetzt, im Wahlkampf, ist der CDU-Landtagskandidat mit diesem Begriff aber vorsichtig. „Er ist negativ besetzt“, stellt der 37-Jährige fest. „Für mich bedeutet das aber in erster Linie, an Bewährtem festzuhalten, bis wir etwas Neues ausprobiert haben, das sich als besser erweist.“ 

Rückschrittlich oder rückständig – mit diesen Adjektiven, die im Duden als Synonyme von konservativ auftauchen – sind Voges politische Ansichten nicht treffend beschrieben. Geht es beispielsweise um die Stärkung der ländlichen Region, setzt er ganz klar auf den Breitbandausbau: „Für Firmen ist er unverzichtbar. Daran hängen hier viele Arbeitsplätze.“ Auch um Fachkräfte und junge Familien für diese Region zu begeistern, sei das schnelle Internet unverzichtbar. 

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Für Voge selbst – verheiratet, Vater einer zwei- und einer vierjährigen Tochter – spielte dieses Kriterium allerdings keine Rolle bei der Wahl des Wohnortes der jungen Familie. „Hier in Mellen ist meine Heimat“, sagt er, und verrät, dass es ihn auch während seines Studiums im Ruhrgebiet beinahe jedes Wochenende ins Balver Golddorf gezogen habe, wo er großgeworden ist. Dem Großstadtleben und der damit einhergehenden Anonymität habe er selbst als junger Mensch nichts abgewinnen können. „Hier kennt man sich, hilft sich und passt aufeinander auf. Wir ziehen an einem Strang, und alle machen mit, um das Dorf zu verschönern. Das soziale Miteinander ist großartig“, stellt der 37-Jährige fest. Er schwärmt von der wundervollen Landschaft des Sauerlandes und der Ruhe, die er auch nach einem anstrengenden Tag direkt vor der Haustür finden könne. 

„Heimatverbundenheit hat mich zur CDU geführt“ 

Seine Heimatverbundenheit hat Marco Voge nicht nur dazu veranlasst, als Geschäftsführer der Mellener Schützenbruderschaft tätig zu werden. „Sie hat mich zur CDU geführt“, sagt der Landtagskandidat. In dieser Volkspartei fühle er sich einfach wohl, berichtet Voge. Sein Interesse für Politik sei schon in der Kindheit geweckt worden: „Die politische Verfolgung meiner Großmutter durch das Ministerium für Staatssicherheit in der ehemaligen DDR und meine Besuche dort haben mich geprägt.“

1995 trat der Mellener in die Junge Union ein, 1998 wurde er CDU-Mitglied. Er übt gleich mehrere Mandate aus: Voge ist Ratsherr in Balve, sitzt im Kreistag und wurde zum Ortsvorsteher von Mellen gewählt. Sollte es mit der Landtagskandidatur klappen, will er keine dieser Aufgaben aufgeben. „Das ist zu schaffen“, ist er überzeugt. 

Büroleiter von Thorsten Schick

Was im Landtag auf ihn zukommen könnte, sollte er besser einschätzen können, als andere Kandidaten, die zum ersten Mal antreten: Der Informatiker, der nach seiner Bundeswehrzeit an der Uni Duisburg-Essen ein Studium als Diplom-Sozialwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Politikwissenschaften abgeschlossen hat, ist seit 2012 Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Büroleiter des Landtagsabgeordneten Thorsten Schick aus Iserlohn. 

Was ihn dazu bewogen hat, nun selbst den Hut in den Ring zu werfen, erklärt Voge mit seinem Wahlkampf-Slogan „Ackern für die Region“: Er wolle sich noch mehr als bisher für die Menschen aus dieser Region einsetzen. „Und was man gerne macht, das empfindet man auch nicht als Belastung“, erklärt der Familienvater seine Entscheidung. Die Idee für den Slogan, den Voge auf den Wahlkampfplakaten mit hochgekrempeltem Hemdsärmeln und einem Traktor im Hintergrund bildlich umsetzt, stamme von einem Bekannten. „Das war mal eine Zeitungsüberschrift nach einem Interview. Mein Bekannter meinte: ,Das ist ein typischer Voge-Satz. Der passt!’‘“ 

Abgeleitet hat er daraus seine Kampagne „Ackern für Ihren Verein“: Der Landtagskandidat bietet jedem interessierten Verein tatkräftige Unterstützung an, will mit anpacken. Das sei keine reine Wahlkampf-Aktion, weist der Kandidat diese Vermutung zurück. „Ich möchte herausfinden, wo der Schuh drückt. Natürlich bin ich selbst Vereinsmensch und kenne einige Schwierigkeiten. Aber ich denke, dass die Probleme im Ehrenamt doch sehr vielfältig sind.“ 

„Den Menschen häufiger auf den Mund schauen“ 

Apropos Probleme: Die hatte der Mellener in der Vergangenheit mit den Parteikollegen im Stadtverband Balve. Einige CDU-Mitglieder waren mit seiner Kandidatur nicht einverstanden, seine Nominierung fiel nicht einstimmig aus. Zu den Hintergründen will sich Voge nach wie vor nicht äußern. „Ich will keine öffentliche Schlammschlacht. Das interessiert die Menschen nicht. Sie wollen, dass wir Probleme für sie lösen“, erklärt er. 

Im Gegensatz zu Voge hatten einige seiner Balver Parteikollegen in der Vergangenheit öffentliches Hauen und Stechen nie gescheut. Inzwischen gab es personelle Veränderungen, in der Fraktion und im Stadtverband. Vielleicht ist sich der Mellener auch deshalb sicher, dass er auf die Balver Christdemokraten zählen kann. „Der Fraktionsvorsitzende Andreas Giesen hat mir seine Unterstützung zugesagt und der CDU-Stadtverbands-Vorsitzenden Hubert Sauer hat versprochen, meinen Wahlkampfstand zu besuchen“, erzählt er. 

Bei dieser Gelegenheit will Voge dann mit den Wählern unter anderem über die Benachteiligung des ländlichen Raumes sprechen („Im Märkischen Kreis liegen die Schlüsselzuweisungen bei 295 Euro pro Kopf, in Dortmund bei 972 Euro. Das darf nicht sein.“). Ihm liege der Zustand der Straßen sehr am Herzen, ebenso wie die ungerechte Verteilung der Kommunalfinanzen („Starke Städte wie Neuenrade und Plettenberg müssen Geld abgeben. Das macht Strukturen kaputt.“).

Besonders wichtig seien ihm aber die Probleme der Menschen vor Ort. Nur wenn diese tatsächlich ernst genommen würden, könne es gelingen, extremen Parteien dauerhaft den Nährboden zu entziehen, beziehungsweise die Menschen wieder zu den Wahlurnen zu locken. „Man sollte den Menschen nicht nach dem Mund reden, ihnen aber häufiger auf den Mund schauen. Sonst bekommen wir irgendwann riesengroße Probleme“, betont Voge. Für den 14. Mai wünsche er sich deshalb vor allem, dass möglichst viele Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

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