Die Landtagskandidaten im Märkischen Kreis - Wahlkreis 123

Frank Neppe im Portrait: der Überraschungsmann

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Frank Neppe lässt sich ungern fotografieren. Er stellt lieber ein professionell geschossenes Bild zur Verfügung.

Iserlohn - Wir stellen in ausführlichen Portraits acht der neun Kandidaten für den Landtagswahlkreis 123 (Märkischer Kreis III) vor: an dieser Stelle Frank Neppe von der AfD. Der neunte Kandidat, Jonas Pöhler von der Piratenpartei, war leider trotz mehrmaliger Ansprache nicht zu einem Treffen bereit.

Wer etwas über Frank Neppe erfahren will, den Landtagskandidaten der AfD, hat’s einerseits leicht. Ein Klick auf den Internet-Kanal Youtube reicht fast schon. Ein zweiter macht’s dann aber kompliziert.

Wir sehen und hören zunächst: den Redner Neppe aus Iserlohn auf der Landeswahlversammlung der NRW-AfD in Soest. Am 12. Oktober 2016. Er will den Listenplatz 3. Der Kandidat ist 50 Jahre alt, wirkt kühl, trocken, fast böse, absolut humorlos. Bleckt die Zähne, faltet die Stirn und hebt den Zeigefinger, wenn er über Grüne oder Piraten im Landtag spricht, kriegt Applaus.

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Noch ein Klick, anderer Clip: Frank Neppe singt „Supreme“, covert Robbie Williams. Säuselt, tremoliert, trifft beinahe jeden Ton. Klingt, als wenn es vielleicht sogar für Dieter Bohlens Talentshow DSDS reichen könnte. Rednerpult und Tonstudio, harter Kämpfer gegen den Mainstream, sanfter Sänger, ein und derselbe Mann, zwei Gesichter. Da soll sich noch einer zurechtfinden!

Nächste Überraschung: Einen Gesprächstermin mit dem AfD-Kandidaten zu vereinbaren, ist kein Problem. Obwohl er reichlich „busy“ ist, wie man so sagt. Abgeordneter im Kreistag des Märkischen Kreises ist er, stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Iserlohner Rat, Landesschatzmeister seiner Partei und damit Mitglied des NRW-Vorstandes, Beisitzer im Kreisvorstand und Bundesdelegierter. Das kostet alles viel Zeit.

Die hat er. Denn Frank Neppe, verheiratet und Vater dreier Kinder, ist seit 2010 Pensionär. Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann geht er zur Armee, zunächst als Unteroffizier, und studiert in den berüchtigten Bundeswehr-Trimestern, bis er Diplom-Verwaltungswirt ist. 22 Jahre dient er an verschiedenen Standorten als Beamter, lässt sich von Mönchengladbach aus heimatnah nach Unna versetzen und baut schließlich ein Haus in Iserlohn.

In Soest bei der Landeswahlversammlung fragt ihn jemand, warum er so früh in den Ruhestand gegangen ist. Neppe nennt „strukturelle Gründe“. Als er 44 ist, wird der Standort in Unna geschlossen. Er soll nach Koblenz. Weg von den Eltern, raus aus seinem Haus. Zu den Delegierten in Soest sagt er: „Dass ich das nicht machen wollte, war klar.“ Er ist zu 50 Prozent schwerbehindert, der Betriebsrat hilft nach, Frank Neppe nutzt die Chance und geht in Rente. Mit Abzügen zwar, aber „ich komme damit über die Runden“. Er gewinnt die Kampfabstimmung in Soest deutlich.

Jetzt steht er für eine Politik, deren Stil und Inhalt Widerspruch in fast allen Lagern provoziert. Als „Salon-Nazi“ oder „Pegida-Freund“ tituliert zu werden, das ärgert Frank Neppe. Da fühlt er sich ausgegrenzt. „Weil es von Unkenntnis zeugt.“ Und dann beugt er sich vor und hebt wieder einen Zeigefinger. „Wer einmal auf einem AfD-Parteitag war, der erlebt, was Demokratie ist.“ Nicht wie der Schulz von der SPD mit seinen 100 Prozent. „Bei uns wird hart gestritten.“ Und wer sich mit seiner Partei näher befasse, der sage hinterher: „Ihr seid ja gar nicht so schlimm.“

Entsprechend distanziert reagiert Frank Neppe, wenn er auf AfD-Granden wie Björn Höcke und dessen verbale Eskapaden angesprochen wird. „Über den rede ich am besten gar nicht.“ Im Gegenteil, und das ist schon wieder überraschend: Neppe sieht sich als Politiker, der viel mit den Linken gemein hat, wie er sagt. „Ich lehne alle Auslandseinsätze der Bundeswehr rigoros ab.“ War ja schließlich selbst mal Soldat. Auch „was das Soziale angeht“, könne man ihn getrost „links einordnen“.

Doch in der Flüchtlingsfrage zum Beispiel bleibt er stramm auf AfD-Linie. „Auf lange Sicht wird das den sozialen Frieden in Deutschland kaputt machen.“ So, wie der Euro „uns viel weggenommen hat“ und die EU-Bürokratie „sogar über den Krümmungsgrad der Banane“ bestimme.

Und sonst so? Musikvorlieben etwa: zwischen Richard Strauß und den Toten Hosen so ziemlich alles. Lieblingsspeise: deftig, Grünkohl. Sport? Laufen und Zirkeltraining, „viel im Wald“. Sagt’s, vollführt einen maskulinen Händedruck zum Abschied und eilt in die Sitzung des Iserlohner Stadtrates. „Heute wird über den Haushalt entschieden. Wir werden nicht zustimmen.“

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