Die Landtagskandidaten im Märkischen Kreis - Wahlkreis 123

Michael Thomas-Lienkämper: „Ich mag die klare Kante“

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Michael Thomas-Lienkämper spannt gern an und unternimmt mit dem Wallach „Dariusz“ eine Kutschtour durch die Wälder rund um den Reiterhof Noelle.

Lüdenscheid  -  Wir stellen in ausführlichen Portraits acht der neun Kandidaten für den Landtagswahlkreis 123 (Märkischer Kreis III) vor: an dieser Stelle Michael Thomas-Lienkämper von der Partei Die Linke. Der neunte Kandidat, Jonas Pöhler von der Piratenpartei, war leider trotz mehrmaliger Ansprache nicht zu einem Treffen bereit.

Der Vergleich bietet sich förmlich an: Michael Thomas-Lienkämper lässt sich nicht gern vor einen Karren spannen, spannt aber selbst gern an. 

Der 54-Jährige lädt zum Gespräch an einen besonderen Ort ein. Es ist 8 Uhr, die Sonne geht allmählich über den Wäldern am Höhenweg auf, es ist noch still auf dem Reiterhof Noelle. Sein Wallach Dariusz wartet geduldig, bis der Kutschbock angespannt ist, und dann geht’s los auf eine einstündige Tour.

Kutschfahrten und Joggen

„Als ich meine Tochter Miriam, inzwischen ist sie 27 und studiert Umweltwissenschaften, als junges Mädchen zum Voltigieren brachte, habe ich Blut geleckt. Einmal am Tag muss ich vor die Tür. Das macht den Kopf frei.“ Die Kutschfahrt ist aber nur ein Hobby unter freiem Himmel. Das zweite ist Joggen, sechs Mal die Woche, bei Wind und Wetter. 100 Kilometer pro Woche kommen zusammen. „Ich liebe den Ausdauersport, nicht den Sprint.“

Braucht man auch Ausdauer in der Politik, um seine Vorstellungen umzusetzen? „Ja, mag sein. Anfangs hatten wir als Linke Schwierigkeiten, ernst genommen zu werden. Aber das hat sich gelegt.“ Vor elf Jahren ist er in die Partei Die Linke eingetreten. „Ich habe mich vorher bei den Grünen umgesehen, dann an einer Fraktionssitzung der Linken teilgenommen. Es hat mir Spaß gemacht.“

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In Diskussionen nicht selten impulsiv

Die Langstrecke mag nötig sein, um politische Ziele durchzusetzen, aber in Diskussionen reagiert Michael Thomas-Lienkämper nicht selten impulsiv. Ein Mikrofon benötigt er nicht, wenn er im Rat oder in Ausschüssen das Wort ergreift. „Ich reagiere aus dem Bauch heraus, klare Kante und will Rückgrat zeigen.“ Dazu passt auch sein Engagement im „Bündnis gegen Rechts“.

Interesse im Politikunterricht geweckt

Sein Interesse an Politik wird im Politikunterricht am Bergstadt-Gymnasium geweckt. „Ich hatte gute Lehrer, die Geschichte spannend vermittelt haben“, erinnert er sich an Matthias Wagner und Gustav-Adolf Kiebeler. „Es gab damals die sogenannten Popper und Linke. Ich fühlte mich zu den Linken hingezogen.“

Als er volljährig ist, meldet er sich freiwillig als Wahlhelfer. Ein Jahr verbringt er in Nicaragua, geht zur Bundeswehr, verweigert aber noch während des Wehrdienstes. „Ein Klavier hat eben nicht nur weiße Tasten“, sagt er und lässt Dariusz galoppieren.

Anschließend nimmt er viele Jobs in Lüdenscheider Firmen an. Seine Erfahrung daraus: „Ich denke, ich kenne mich ganz gut in der Berufswelt aus und bringe jedem, unabhängig von seiner Stellung und seiner Arbeit, den gleichen Grundrespekt entgegen. Daher ist es mir auch in der Politik wichtig, dafür zu sorgen, die Lebensverhältnisse aller zu verbessern. Dazu gehört auch die kostenlose Bildung für alle, ein zentraler Punkt unserer politischen Forderungen.“

Diplom-Sozialarbeiter und als Beamter bei der Stadt Iserlohn

Sein Job passt ins Bild. Michael Thomas Lienkämper ist Diplom-Sozialarbeiter und als Beamter bei der Stadt Iserlohn beschäftigt, kümmert sich um den Übergang von der Schule in den Beruf, Kinder- und Jugendschutz sowie Schulsozialarbeit. „Mein Beruf ist sehr vielseitig.“

An politischen Konstruktionen oder Regierungsoptionen wie Rot-Rot-Grün mag er sich angesichts der Spekulationen vor den Landtags- und Bundestagswahlen nicht beteiligen. „Ich halte da nichts von.“

„Fühle mich als echter Sauerländer“

 Der gebürtige Lüneburger kam Mitte der 60-er Jahre nach Lüdenscheid, sein Vater hatte eine Stelle bei der Stadtverwaltung angenommen. Im Laufe der Jahre nahm sein Sohn die Mentalität der Leute um ihn herum an. „Ich bin zwar nicht patriotisch, fühl mich aber als echter Sauerländer.“ Geradeaus, stur und robust – mit den Eigenschaften kann er sehr gut leben. Es gibt aber auch eine musische Seite – Michael Thomas-Lienkämper mag Musik, kann unter anderem Geige, Flöte und Saxophon spielen.

Aber am wohlsten fühlt er sich in der Natur. „Eine beengte Halle wäre nichts für mich. Ich brauche die Freiheit in der Natur“, sagt er und lässt die Zügel locker. Dariusz galoppiert auf dem letzten Stück dem Reiterhof entgegen. Die Sonne hat sich inzwischen durchgesetzt. Der Tag hat gut begonnen.

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