Die Landtagskandidaten im Märkischen Kreis - Wahlkreis 123

Spangenberg: Cannabis-Legalisierung als höchstes Ziel

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Der 39-jährige David Spangenberg verkauft in seinem Laden „KrinsKram“ an der Parkstraße – der Name ist angelehnt an das ehemalige Geschäft Krins seiner Großeltern – Dekorationsartikel sowie Zubehör fürs Rauchen und den Cannabis-Anbau.

Lüdenscheid  -  Wir stellen in ausführlichen Portraits acht der neun Kandidaten für den Landtagswahlkreis 123 (Märkischer Kreis III) vor: an dieser Stelle den parteilosen David Spangenberg. Der neunte Kandidat, Jonas Pöhler von der Piratenpartei, war leider trotz mehrmaliger Ansprache nicht zu einem Treffen bereit.

Vier Augen blicken über die Verkaufstheke von „KrinsKram“ an der Parkstraße. Die von Landtagskandidat David Spangenberg und die seiner gelb-braunen Eulenmütze. Nicht nur zwei Bommeln auf dem Kopf und seitliche Flechtzöpfe der Kopfbedeckung umrahmen den 39-Jährigen, sondern auch Feuerzeuge, Wasserpfeifen, Zubehör fürs Rauchen und für den Anbau von Cannabis, Dekorationsartikel, Puppen, Kettenanhänger an Lederbändern und Räucherstäbchen – Krimskrams eben.

Spangenberg berichtet gerade, dass er am 14. Mai antritt, um sich für die Legalisierung von Cannabis einzusetzen. Da fahren zwei Jungen auf Fahrrädern vor, betreten den Laden geräuschlos, sondieren die Lage mit schnellen Blicken und heften diese dann an den Verkäufer. „Hast du Grinder?“, fragt der schlaksigere der beiden Kunden in Jogginghosen und weiten Sweatshirts.

Spangenberg zieht die obere Schublade aus dem Tresen und stellt drei, vier „Gras“-Mühlen sachte auf die Glasplatte. Die Entscheidung fällt schnell auf ein Modell im Metallic-Look, dazu zweimal Papier zum Zigarettendrehen – macht 12 Euro. Der Junge bezahlt, stopft die Sachen in die Tasche und ist mit seinem Kumpel genauso schnell wieder draußen, wie er den Laden betreten hat.

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„Der Verkauf von Zubehör ist nicht illegal. Grinder sind im Prinzip Gewürzmühlen“, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann David Spangenberg. Wenn jemand konkret Zubehör für den Cannabis-Anbau kaufen will, weise er auf den Konflikt mit dem Gesetz hin, in den jeder sofort komme, der auch nur ein einzelnes Pflänzchen ziehe. Das ein oder andere Geschäft gehe ihm dadurch schon durch die Lappen.

Die Legalisierung von Cannabis ist sein erklärtes Ziel. Und das rühre aus seiner eigenen Geschichte her. In seiner Jugend sei er bei Gleichaltrigen der „Schrecken der Stadt“ gewesen, in der Schule ständig unkonzentriert, ADHS-Diagnose im Teenager-Alter. Der Konsum von Cannabis habe dann alles verändert. „Das hatte eine beruhigende Wirkung auf mich. Ich war endlich normal und konnte mich konzentrieren“, sagt er. Es seien nicht nur Krebspatienten, die von einer Legalisierung profitierten, ist er überzeugt.

„Ich rechne mir keine Chancen auf einen Sitz im Landtag aus. Aber ich nutze meine Kandidatur, um darauf hinzuweisen, dass man die Demokratie verbessern kann.“ Politische Ziele? „Gerechtigkeit“. Und Lüdenscheid soll wieder sein eigenes Autokennzeichen „LSD“ bekommen, sagt Spangenberg. In Anlehnung an die bewusstseinserweiternde Substanz, die „eingenommen in einer psychologischen Sitzung mit geschultem Personal den Blick auf sich selbst und das Universum erweitert“, beteuert er. „Aber auch aus nostalgischen Gründen. Es war schöner, als wir ein eigenes Kennzeichen hatten.“

Kinderbetreuung und Bildung: „Alles, was sozial ist, wurde abgebaut. Das war in den 80er-Jahren besser.“ Infrastrukturausbau: „Der muss stattfinden, auf der A 45, aber man muss auch in Landstraßen investieren.“ Innere Sicherheit: „Der Ansatz muss sein, weniger Waffen zu produzieren.“ Und insgesamt: „Wir müssen zurück zur Menschlichkeit. Ich bin auf jeden Fall das geringere Übel als die AfD.“

Der gebürtige Lüdenscheider berichtet von vielen Lebensabschnitten: Hauptschulabschluss, Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im damaligen Kaufhaus Krins seiner Großeltern, Zivildienst im Dietrich-Bonhoeffer-Seniorenzentrum, Abi in Aachen, eine Weile in Berlin, dann zwei Jahre auf Teneriffa, wo er an Internetseiten für die Erotikbranche arbeitete, Arbeit bei einem türkischen Großhandel in Kiel und schließlich 2012 die Rückkehr nach Lüdenscheid, wo er den Laden „KrinsKram“ von seiner Mutter übernahm und mit diesem 2016 in das Ladenlokal an der Parkstraße zog. „Angenommen ich schaffe es in den Landtag, dann würde ich dafür sorgen, dass der Laden weitergeführt wird.“

Ansonsten sieht sich Spangenberg, Vater von zwei Töchtern (3 und 2 Jahre), der von deren Mutter getrennt lebt, als Künstler, der Bücher schreibt, Postkarten und Jacken entwirft, als Komparse in Filmen mitspielt, Psytrance-Musik macht und die Figur Kiffi, eine sprechende Weedpflanze, erfunden hat. „Ich brauche halt immer Bewegung und Herausforderung.“

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