Die Landtagskandidaten im Märkischen Kreis - Wahlkreis 122

Schwanebeck: Nichtwähler mit ihren Sorgen ernst nehmen

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AfD-Landtagskandidat Rainer Schwanebeck.

Menden - Wir stellen in ausführlichen Portraits die sieben Kandidaten für den Landtagswahlkreis 122 (Märkischer Kreis II) vor: an dieser Stelle Rainer Schwanebeck von der AfD.

Als „einzige wirkliche Oppositionspartei“ soll die AfD frischen Wind in den Landtag bringen, findet Rainer Schwanebeck. Der 65-jährige Mendener tritt als Kandidat für die Partei im Wahlkreis 122 an.

Die im Landtag vertretenen Parteien scheuen nach Schwanebecks Ansicht mit Blick auf mögliche Koalitionen eine echte thematische Auseinandersetzung im Wahlkampf. Nur die AfD komme als Koalitionspartner nicht in Frage. „Aber wir möchten zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht mit den anderen Parteien koalieren“, sagt der gelernte Schriftsetzer.

Dass Schwanebeck selbst Mitglied des nächsten Landtags wird, hält er allerdings für wenig wahrscheinlich: Ein Einzug als Direktkandidat ist so gut wie ausgeschlossen. Auf der Landesliste steht er auf Platz 50. Für die Partei hält er zehn bis zwölf Prozent der Wählerstimmen für realistisch. „Aber Überraschungen sind ja immer möglich.“ 

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Als eine wichtige Aufgabe für die Partei sieht er die Gewinnung von Nichtwählern: „Viele sind von den etablierten Parteien enttäuscht. Diese Menschen sollten wir mit ihren Sorgen ernst nehmen.“ Trotz seiner wenig aussichtsreichen Position macht Schwanebeck deshalb Wahlkampf, auch an Infoständen. „Das ist nicht immer einfach“, erklärt der Schatzmeister des AfD-Kreisverbandes. Oft schlage den Parteimitgliedern Hass entgegen. „Häufig greifen uns Menschen verbal an, blockieren Veranstaltungen und bezeichnen uns als Nazis“, berichtet Schwanebeck. 

Aber es seien auch die „Wutbürger“, die der Partei zu schaffen machten und von denen er sich distanziert. „Keinen Gefallen“ täten der Partei auch Einzelpersonen, die sich im Internet als AfD-Sympathisanten präsentieren und hassvolle Kommentare abgeben. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten: „Ich bin immer gesprächsbereit, wenn jemand ernsthaft diskutieren möchte.“ Als gelernter Schriftsetzer hat der heute 65-Jährige, wie er sagt, „die Entwicklung vom Bleisatz bis zum Fotosatz mitgemacht“ und zehn Jahre lang für eine Zeitung in Unna gearbeitet. Später gründete er einen Versandhandel und ist jetzt seit mittlerweile 20 Jahren für eine private Krankenversicherung im Außendienst aktiv.

Mehrere Jahre war Schwanebeck FDP-Mitglied, ist in den 90er-Jahren ausgetreten. „Dann war ich mehrere Jahre zwar politisch interessiert, aber nicht aktiv“, erklärt er. 2013 wurde er Mitglied in der neu gegründeten AfD, die damals noch stark von Bernd Lucke und dem Thema Euro geprägt war.

Auf ein Thema festlegen möchte sich der Mendener nicht. „Natürlich steht die Flüchtlingspolitik im Fokus, aber sie ist nicht unser einziges Thema.“ Als Beispiel nennt er die Haushaltspolitik: Angesichts von hoher Beschäftigung und günstigem Zinsniveau „müssten die öffentlichen Haushalte eigentlich über genügend Geld verfügen“. Die Verwendung staatlicher Gelder müsse überdacht werden. Schwanebeck spricht sich für die Einführung von Straftatbeständen für Haushaltsuntreue und Steuerverschwendung aus. 

Auch in der Schulpolitik stellt er der rot-grünen Landesregierung ein schlechtes Zeugnis aus: Die versuchte Inklusion etwa sei weitgehend gescheitert. Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung müssten auch weiterhin individuell gefördert werden. „An einer Regelschule ist das sehr schwierig“, stellt Schwanebeck klar. 

Seit 2015 gehört er dem Kreisvorstand der AfD an. Außerhalb der Politik ist die Musik seine große Leidenschaft. „Ich habe eine große Schallplattensammlung, vor allem mit Jazz- und Klassikplatten“, erzählt der Landtagskandidat. Auch Kunst interessiere ihn sehr. Schwanebeck ist seit 40 Jahren verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. 

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