Die Landtagskandidaten im Märkischen Kreis - Wahlkreis 121

Michael Scheffler: Sozialdemokratie in die Wiege gelegt

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Michael Scheffler steht am Rednerpult des Landtags – der politische Spielraum werde oft unterschätzt.

Iserlohn - Wir stellen in ausführlichen Portraits die sieben Kandidaten für den Landtagswahlkreis 121 (Märkischer Kreis I) vor: an dieser Stelle Michael Scheffler von der SPD.

Hoeschianer nennen sich heute noch die Männer und Frauen, die einst in diesem Konzern gearbeitet haben – dabei gibt es den seit fast 30 Jahren nicht mehr. Auch Michael Scheffler ist Hoeschianer und betont bis heute, dass ihn Ausbildung und Arbeit im Werk Hohenlimburg sehr geprägt hätten.

Wer bei Hoesch war, war auch in der Gewerkschaft – vor allem dann, wenn man Scheffler hieß. Sozialdemokratie und der Einsatz für Arbeitnehmerrechte seien ihm sozusagen in die Wiege gelegt worden, sagt der SPD-Kandidat und berichtet davon, dass dabei auch schon mal auf den Tisch geschlagen worden sei.

Zumindest nach außen agiert der 62-Jährige heute wesentlich weniger temperamentvoll. In vielen politischen Positionen habe er die Erfahrung gemacht, dass es besser sei, den Ausgleich zu suchen, berichtet er. Das galt für sein Amt als SPD-Unterbezirksvorsitzender, das galt aber noch mehr für den Job, in den Scheffler nach 14 Jahren Mitarbeit bei Hoesch wechselte: 1987 wurde er Geschäftsführer des Awo-Kreisverbandes Hagen, der später mit dem Kreisverband Märkischer Kreis fusionierte.

Chef von einigen hundert Mitarbeitern

Das sei keine ganz einfache Zeit gewesen, blickt Scheffler zurück. Er, der Gewerkschafter, war plötzlich Chef von einigen hundert Mitarbeitern. Und: Die Gliederungen waren – auch durch hausgemachte Fehler – in finanzieller Schieflage, es musste ein Konsolidierungskurs gefahren werden. „Das haben wir hinbekommen“, sagt Scheffler und freut sich noch heute, dass der Sparkurs immer von den Mitarbeitern mitgetragen worden sei.

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Er habe sich in dieser Position natürlich viel mit Auswirkungen von Sozialpolitik beschäftigen müssen, sagt Scheffler. Das habe bei ihm den Wunsch geweckt, Abgeordneter zu werden. Dass er sich nicht für den Bundestag entschied, lag nicht nur daran, dass Dagmar Freitag dort schon im Sattel saß: „Unsere Kinder waren damals noch klein“, sagt Scheffler. Da habe er nicht tagelang unterwegs sein wollen. Die Tätigkeit in Düsseldorf habe es ihm zumindest erlaubt, morgens mit der Familie zu frühstücken, erinnert er sich.

Sozialpolitische Spielraum der Landespolitik werde unterschätzt,

Außerdem werde der sozialpolitische Spielraum der Landespolitik unterschätzt, argumentiert der Iserlohner und weist unter anderem auf das Wohn- und Teilhabegesetz hin, das unter anderem die Ausstattung von Altenpflegeheimen regelt – ein komplexes Thema, weiß Scheffler und berichtet von Gesprächen mit Heimbetreibern, die ihm ihre Probleme mit der Umsetzung der neuen Vorschriften schildern.

Wegen Willy Brandt in die SPD eingetreten

Solchen Praxisbezug schätzt Scheffler sehr. Spätestens jetzt kommt Willy Brandt ins Spiel. Wegen ihm trat der damals 17-Jährige in die SPD ein. „Bis heute habe ich Willy Brandts Satz im Ohr, dass Politik sich zum Teufel scheren solle, wenn sie das Leben der Menschen nicht Tag für Tag ein Stück menschlicher macht. Taten statt Worte, Politik statt Parolen – das ist mir wichtig“, schreibt Scheffler auf seiner Homepage und zieht Parallelen zu heute: Die durch Martin Schulz erzeugte Aufbruchstimmung innerhalb der SPD erreiche wie damals auch viele junge Leute. 

Stellvertretender Bürgermeister in Iserlohn

Das zeige sich ganz deutlich an den Wahlständen, auch in seinem Wahlkreis habe es zuletzt eine nennenswerte Zahl von Parteieintritten gegeben. Nähe zu Menschen findet Scheffler übrigens nicht nur, wenn er in Sachen Soziales unterwegs ist: Er ist auch stellvertretender Bürgermeister in seiner Heimatstadt Iserlohn. Das ist mit allerlei repräsentativen Aufgaben verbunden, die Palette reicht vom Ehejubiläum bis zur Ausstellungseröffnung – „ich versuche immer, dafür auch genug Zeit mitzubringen“.

Michael Scheffler ist verheiratet und hat mit der Diplom-Sozialarbeiterin und Familientherapeutin Helma Denninghaus-Scheffler drei erwachsene Kinder – Sohn Malte ist das jüngste Kind, er absolviert gerade ein Auslandssemester. Der große Garten rund ums Eigenheim in Oestrich und Reisen beschäftigen das Ehepaar in seiner Freizeit – gerne unternehmen sie mal eine kurze Städtereise, in längeren Urlauben dürfen es auch mal weniger prominente Ziele wie Cornwall sein.

Immer mit dabei: Wenigstens ein gutes Buch. Erreichbar sei er dann „nur für die Kinder“, betont er. Ansonsten bleibe das Handy aus, es werde lediglich einmal am Tag der E-Mail-Eingang gecheckt: „Man muss auch mal abschalten können“.

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