Die Landtagskandidaten im Märkischen Kreis - Wahlkreis 121

Hans Immanuel Herbers: „Ärmel aufkrempeln und um jede Stimme werben“

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Hans Immanuel Herbers ist 58 Jahre alt und von Beruf evangelischer Pfarrer. Er tritt für die Partei „Die Piraten“ im heimischen Wahlkreis 121 an

Iserlohn - Wir stellen in ausführlichen Portraits die sieben Kandidaten für den Landtagswahlkreis 121 (Märkischer Kreis I) vor: an dieser Stelle Hans Immanuel Herbers von den Piraten.

Es sieht nicht gut aus für die Piraten. Mit 7,9 Prozent enterten sie 2012 den Düsseldorfer Landtag; in aktuellen Umfragen dümpeln sie unter „Sonstige Parteien“ herum. Hans Immanuel Herbers zeigt sich dennoch kämpferisch: „Ärmel aufkrempeln und um jede Stimme werben“ will der Direktkandidat der Piraten im Wahlkreis 121 - „damit es in unserem Land weiter hörbar eine Stimme gibt, die sich kompromisslos für eine freiheitliche, offene Gesellschaft einsetzt.“ 

Freiheit, Bürgerrechte, eine liberale Gesellschaft: das sind die Themen, die den 58-jährigen umtreiben. Er stammt aus einer alteingesessenen Iserlohner Familie, ist evangelischer Pfarrer, unterrichtet Religion und arbeitet freiberuflich als psychologischer Berater. In Iserlohn ist er Mitglied des Stadtrats und Vorsitzender der UWG-Piraten-Fraktion.

Mehr Transparenz, weniger Bevormundung

Nicht nur dort wünscht er sich mehr Transparenz in der Politik und weniger Bevormundung. „Es werden für alle Probleme Gesetze gemacht und Behörden geschaffen. Aber man kann nicht alles von oben verordnen und den Menschen vorschreiben, was gut für sie ist“, ist er überzeugt. Und nennt einen, weil selbst betroffen, ganz persönlichen Aufreger: „Das Dampfen von E-Pfeifen an öffentlichen Plätzen wollte die Regierung verbieten, wegen des Erziehungsfaktors – diese Menschheitsbeglückung per Dekret ist typisch grün und widerspricht dem, was ich für eine freie Gesellschaft halte.“

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30 Jahre lang gehörte Herbers selbst den Grünen an, war für sie auch auf Landesebene aktiv und kehrte ihnen 2009 den Rücken, „weil sie sich immer mehr zu einer obrigkeitsstaatlichen Partei entwickelt haben.“ Die Piraten füllen seiner Meinung nach dagegen eine Lücke in der Gesellschaft:

„Das Linksliberale fehlt sonst.“ Dass es um sie gerade nicht so gut stehe, sei vielfach selbst verschuldet. „Wir haben Lehrgeld gezahlt. Anders als bei den Grünen damals hatte bei den Piraten kaum jemand politische Erfahrung und die Basis fehlte.“ Am Ende sieht Herbers die Piraten nicht. Im Gegenteil: „Wir werden gehört und haben einiges erreicht.“ Bei der Transparenz von Behörden etwa oder der Sensibilität für Datenschutz und staatlichen Einfluss auf das Internet. „Unsere Themen wie Bürgermitwirkung, Abbau von Bevormundung und Demokratierechte sind nicht randständig.“ Mehr Polizei statt Videoüberwachung lautet die Forderung in puncto Sicherheit, für Herbers kein Widerspruch: „Unsicherheit weckt den Ruf nach einem starken Staat.“

Strikte Trennung von Religion und Politik

In der Bildungspolitik stehe man klipp und klar hinter dem G9-Volksbegehren. Die Forderung nach einer strikten Trennung von Religion und Politik kann Herbers auch als Theologe teilen:

„Die Kirche spielt eine wichtige Rolle, aber es darf keine Verfilzung geben.“ Und dass Beamte schauen, was im Kühlschrank steht, bevor sie Unterstützung bewilligen, sieht er als Entmündigung, weshalb er für ein bedingungsloses Grundeinkommen eintritt:

„Jeder Mensch hat Anspruch auf ein gewisses Leben, ohne Gängelung und Kontrolle.“

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