Unsere Redaktion hat Meinungen eingefangen

Nordhelle: Das sagen Motorradfahrer selbst zur Situation rund um die L 707

Wolfgang Richard (re.) möchte sich genau wie seine Freunde den Spaß am Motorradfahren nicht verderben lassen. Er fordert bauliche Veränderungen sowie mehr Kontrollen an der Strecke zur Nordhelle, um die Lage zu beruhigen.

Herscheid/Meinerzhagen - Drei Monate sind seit der Aufhebung der Streckensperrung für Motorradfahrer auf der Nordhelle (L 707) vergangen. Nach dem tragischen Tod eines Niederländers nur wenige Kilometer von der Applauskurve entfernt, kommen die Diskussionen über die Situation auf der Nordhelle wieder verstärkt auf. Was sagen Motorradfahrer zur aktuellen Lage?

Im Rahmen des Freiluft-Motorrad-Gottesdienstes in Valbert am Wochenende hat die Heimatzeitung verschiedene Meinungen von Bikern aus der Region und von weiter weg eingefangen:

„Es muss einfach mehr kontrolliert werden. Wir dürfen uns von wenigen Leuten, die sich nicht an die Regeln halten wollen, auf keinen Fall den Spaß verderben lassen. Die schwarzen Schafe müssen aus dem Verkehr gezogen werden“, fordert Wilhelm Moll ein hartes Durchgreifen von Polizei und örtlichen Behörden, wenn es um Verkehrsraser geht.

Von der Sperrung für Krafträder hält er wenig, es gebe schließlich auch genügend Autos, die sich nicht an die Geschwindigkeitsgrenzen halten würden, ist Moll überzeugt. Für den 80-jährigen Lüdenscheider ist das Motorradfahren eine große Leidenschaft. In elf europäischen Ländern war er mit seinem motorisierten Zweirad bereits unterwegs und auch auf der Nordhelle möchte er weiterhin aktiv sein.

Arno Vogtländer aus Bochum hat als Stammgast im Sauerland natürlich von den Debatten rund um die Strecke auf der L 707 erfahren und vertritt eine klare Meinung: „Ich kann Anwohner verstehen, dass sie sich von dem Lärm gestört fühlen. Das Problem sind die Motorräder mit Sonderauspuffanlagen, die von Hobby-Rennfahrern eingesetzt werden.“ Er vertritt die Meinung, diese Leute müssten mehr Rücksicht nehmen, es gehe ja auch um deren Gesundheit. „Man muss die Nordhelle nicht 20 Mal hintereinander rauf und runter fahren. Doch das passiert leider und dann eben in hohem Tempo. Für diese Raserei fehlt einem jegliches Verständnis“, schildert Arno Vogtländer.

Zahlreiche Motorradfahrer hatten sich auf den Weg zum Haus Nordhelle gemacht, um am Motorrad- gottesdienst teilzunehmen.

„Knieschleiferfraktion“ – unter dieser Bezeichnung werden in der Biker-Szene all jene zusammengefasst, die sich auf ihrer Fahrt so in die Kurven legen, dass sie den Straßenbelag mit ihren Knien berühren. Der heimische Motorradfahrer Volker, der seinen Nachnamen nicht veröffentlichen möchte, kann über diese Gruppe nur den Kopf schütteln: „Dabei handelt es sich vor allem um Personen aus dem Ruhrgebiet. Die reisen extra an, um unsere Straßen vor Ort als Rennstrecken zu missbrauchen. Ein kleine Menge von Verrückten macht somit allen vernünftigen Leuten die Strecke kaputt.“ Aufgrund der Angst davor, in einen Unfall verwickelt zu werden, fahre er inzwischen sogar selbst mit einem mulmigen Gefühl über die Nordhelle.

Wolfgang Richert aus Lüdenscheid glaubt, dass das Problem durch eine Umgestaltung der Strecke gelöst werden könnte. Er schlägt vor, auf Rüttelstreifen zurückzugreifen und sie in allen gefährlichen Kurven zu installieren. 

„Diese Teile sind für Motorradfahrer extrem unangenehm. Als sie noch aufgestellt waren, musste ich jedes Mal richtig langsam und äußerst vorsichtig fahren. Das macht die kurvenreiche Straße weniger anziehend für Raser und kann die Situation definitiv beruhigen“, setzt er auf bauliche Veränderungen, die zusammen mit strengeren Kontrollen die Lage in den Griff bekommen sollen. 

All jene, die den Adrenalinkick auf zwei Rädern suchen würden, sollten zum Nürburgring oder auf eine ähnlich professionelle Rennstrecke ausweichen, lautet die Empfehlung von Wolfgang Richert.

Als einer der Mitgründer der „Biker‘s-Church Westfalen“, Veranstalter der Motorradgottesdienste am Haus Nordhelle, ließ Wolfgang Richert sich am Sonntag die letzte Freiluft-Messe dieses Jahres natürlich nicht entgehen. Der musikalischen Umrahmung durch die Kölner Band „Flamigos“ und einer Predigt von Pastor Frank aus Herne hörten zahlreiche Biker zu. In einer Schweigeminute wurde zudem am Sonntag an den auf der Nordhelle tödlich verunglückten Niederländer erinnert.

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