Neues Darlehen für Klinikum

MÄRKISCHER KREIS – Die Kreispolitiker haben am Donnerstagabend trotz eines Defizits von 5,7 Millionen Euro für das Wirtschaftsjahr 2011 ein klares Bekenntnis zu den Märkischen Kliniken abgegeben. Umsonst ist der Treueschwur allerdings nicht.

Mit einem Darlehen in Höhe von rund 20 bis 25 Millionen Euro soll die Kreis-Tochter Märkische Kommunale Wirtschafts-Gesellschaft (MKG) dafür sorgen, dass der Betrieb weiter laufen kann. „Sonst kracht es spätestens im August“, hieß es aus der Politik.

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Die Weichen dafür sollen in der Juni-Sitzung des Kreistages gestellt werden. Das Eigenkapital der Kliniken, derzeit im untersten zweistelligen Millionenbereich, sei einfach zu niedrig, denn auch für Krankenhäuser gebe es heute – vergleichbar mit Unternehmen – ein Ranking durch die Banken. „Ist die Stammeinlage zu gering, gibt es auch kein Geld von den Kreditinstituten. Wenn wir eine Insolvenz vermeiden wollen, dann müssen wir jetzt eingreifen.“ Der große Vorteil der Märkischen Kliniken bestehe darin, dass es in den Häusern keinen Sanierungsstau gebe und die notwendigen Investitionen getätigt wurden. „Das sieht in anderen Krankenhäusern ganz anders aus.“ Bereits 2009 hatte das Klinikum ein Darlehen über 20 Millionen Euro von der MKG erhalten. Das Geld war damals Teil des Verkaufserlöses aus dem Aktienpaket von RWE-Gas. Insgesamt betrug das Volumen rund 128 Millionen Euro. Aus ihren Erlösen deckt die MKG einen Großteil des Defizits der Märkischen Verkehrsgesellschaft ab.

Ein neues Darlehen entbinde natürlich nicht von einem klaren Sparkurs, hieß es aus Fraktionskreisen. Dazu zähle unter anderem ein von der Geschäftsführung zu erarbeitendes Sanierungskonzept, an dem auch die Unternehmensberatung Roland Berger beteiligt werde. „Es geht darum, die wirtschaftliche Situation zu verbessern.“ Es könne nicht sein, alle drei bis fünf Jahre ein Darlehen zu gewähren. Für dieses Jahr rechnen die Kliniken nach derzeitigem Stand mit einem Fehlbetrag von 1,4 Millionen Euro. Durch eine „interne Einsatzreserve“ aus eigenen Medizinern soll die Zahl der Honorarkräfte abgebaut werden. „Die Maßnahme zeigt bereits Wirkung und auch mit den Kassen konnten bessere Vergütungen erzielt werden.“

Insider rechnen damit, dass in den nächsten Jahren noch eine ganze Reihe von kleineren Krankenhäusern – auch im Märkischen Kreis – von der Bildfläche verschwinden. „Die werden das finanziell nicht stemmen können.“ Von den knapp zehn Kliniken im Kreis werden nach Experten-Prognosen etwa die Hälfte aufgeben müssen.

Den von der Klinikleitung vorgeschlagenen einmaligen Gehaltsverzicht von zehn bis 20 Prozent bei Ärzten und Geschäftsführern mit einem Gehalt von mehr als 150 000 pro Jahr Euro hätten inzwischen mehr als die Hälfte der Betroffenen akzeptiert. Ein solches Vorgehen sei ebenfalls vergleichbar mit Praktiken in Unternehmen.

Einen Schritt weiter ist die Märkische Radioonkologische Versorgungszentren GmbH. Die Märkischen Kliniken und die Radiologische Gemeinschaftspraxis Schubert/Fallenski in Lüdenscheid sitzen bei der strahlentherapeutischen und nuklearmedizinischen Versorgung der heimischen Bevölkerung seit 2009 in einem Boot. Seit dem 1. April ist die Gemeinschaftspraxis von Dr. Moritz Müser und Dr. Andreas Kocjan, Fachärzte für Innere Medizin, mit dabei. Ziel der Gesellschaft war und ist es, am Standort Hellersen in neue Großgerätetechniken zu investieren. Beide Mediziner werden als angestellte Ärzte weiter für die Versorgungszentren GmbH tätig sein.

Am Donnerstag kommender Woche wird es eine Aufsichtsratssitzung der Märkischen Kliniken geben. Ganz zeitnah, so hieß es aus den Fraktionen, müssten öffentlich diskussionsfähige Unterlagen vorliegen.- be

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