Nach Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster

Missbrauch von Kindern im MK: 574 Fälle in zehn Jahren - in diesen Städten

+
Kindesmissbrauch: Im vergangenen Jahr wurden 58 Fälle aktenkundig (Symbolbild).

Märkischer Kreis – Sexueller Missbrauch von Kindern ist im Märkischen Kreis keine Seltenheit. 574 Fälle wurden seit 2010 aktenkundig. Hinter jedem Fall steht das Schicksal eines Kindes. Die Dunkelziffer ist nicht bekannt.

Lügde, Bergisch-Gladbach und jetzt Münster. Die schockierenden Missbrauchstaten an Kindern durch Pädophile haben auch in der heimischen Polizeibehörde Spuren hinterlassen. In einer bislang einmaligen Aktion wandte sich die Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis am Montag via Facebook unter anderem direkt an die Kinderschänder. 

Lügde, Bergisch-Gladbach, Münster. Es widert uns an! Um das klar zu sagen: Sexueller Missbrauch von Kindern passiert auch hier! Erst letzte Woche ist ein Paar aus Meinerzhagen zu Haftstrafen verurteilt worden. An alle, die diesen Mist herstellen oder verbreiten: Wir kriegen Euch! Früher oder später. Dafür geben wir alles! Kein Kind soll wegen Euch leiden. Und an alle anderen: Seien Sie wachsam! Diese Taten passieren unter uns. Im Verborgenen. Kommen Sie sofort zu uns oder rufen Sie uns an, wenn Sie einen Verdacht haben“, schreibt die Polizei. 

Bis zum Mittag wurde der Beitrag auf der Facebook-Seite mehr als 1.500-mal geteilt. Nachträglich fügte die Polizei noch Hilfsangebote und eine Beratungshotline für Menschen mit pädophilen Neigungen an – damit sie erst gar kein Täter werden. 

Klares Ziel: Sensibilisierung durch starke Emotionalisierung

Die stark emotionalisierte Ansprache in den sozialen Medien ist neu bei der Polizei. Sie verfolgt aber ein klares Ziel, wie Polizeisprecher Marcel Dilling, der den Eintrag verfasst hat, deutlich macht. Vor allem durch Emotionalisierung sei es bei Facebook möglich, Menschen für ein Thema zu sensibilisieren. 

Die Drohung „Wir kriegen Euch“ verwende die Polizei auf ihrem offiziellen Account nur beim Thema Kindesmissbrauch. „Das ist ein Thema, bei dem es keine zwei Meinungen gibt. Kindesmissbrauch ist immer abscheulich“, erklärt Dilling. 

Mehr Kapazitäten für die Ermittlungsarbeit gegen Pädophile

Nach dem Missbrauchsfall von Lügde hatte Innenminister Herbert Reul (CDU) Kindesmissbrauch und der Verbreitung von Kinderpornographie den Kampf angesagt. Seitdem wurden auch in der heimischen Kreispolizeibehörde die personellen und technischen Voraussetzungen deutlich verbessert, um Kinderschänder zu überführen. 

Mitarbeiter von zwei Kommissariaten sind für die Ermittlungen zuständig, die fast immer mit der Auswertung von unzähligen Bildern und Videos mit Kinderpornographie beginnen. „Die Auswertung der Dateien bindet viel Arbeitskraft. Es ist eine schwierige, herausfordernde und undankbare Arbeit“, sagt Dilling.

Polizei wird fündig: Mehr Ermittlungsverfahren, mehr Durchsuchungsbeschlüsse

Weil auch das Verbreiten von Kinderpornos eine Straftat ist, haben die Ermittler mehr Möglichkeiten, den Tätern auf die Spur zu kommen. Seit die heimische Polizei im Vorjahr den Ermittlungsaufwand in diesem Bereich erhöht hat, gibt es auch mehr Ermittlungsverfahren und Durchsuchungsbeschlüsse, aus denen sich wiederum neue Ermittlungsansätze, zum Beispiel auf den Festplatten oder Smartphones der Tatverdächtigen, ergeben. 

In den vergangenen zehn Jahren wurden 574 Fälle von Kindesmissbrauch bekannt

Aktuelle Zahlen will Dilling nicht nennen. In der polizeilichen Kriminalitätsstatistik werden für die vergangenen zehn Jahre (2010 bis 2019) 574 Fälle von Kindesmissbrauch im Märkischen Kreis ausgewiesen. Dabei – so macht Dilling deutlich – stehe hinter jedem Fall ein minderjähriges Opfer. 

Dass es auch im Märkischen Kreis Fälle wie in Lügde, Bergisch-Gladbach oder Münster gebe, könne „man nie ausschließen“, sagt Dilling. Die Polizei ist für jeden Hinweis auf Kindesmissbrauch oder Kinderpornographie dankbar. Wer einen Verdacht hat, kann sich in jeder Polizeidienststelle oder unter dem Notruf 110 melden. Auch eine anonyme Online-Anzeige ist möglich.

Sexueller Missbrauch von Kindern: Die Fälle im Märkischen Kreis

Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern 2019 (und 2018) im Märkischen Kreis: Altena 1 (2018: 1), Balve 0 (3), Halver 1 (0), Hemer 11 (5), Herscheid 0 (0), Iserlohn 13 (11), Kierspe 7 (5), Lüdenscheid 10 (11), Meinerzhagen 1 (2), Menden 7 (6), Nachr.-Wiblingwerde 2 (0), Neuenrade 0 (0), Plettenberg 3 (3), Schalksmühle 1 (1), Werdohl 1 (5), Märkischer Kreis: 58 (53) (Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2019, Kreispolizeibehörde MK

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare