Esken verlässt Hemer: In Verl Bürgermeister-Kandidat

Michael Esken hier mit dem Maskottchen der Hemeraner Landesgartenschau Raudi Raupe.

Hemer - Michael Esken (48), seit 2003 Bürgermeister von Hemer, möchte überraschend vorzeitig den Märkischen Kreis verlassen. Am Mittwoch wurde der CDU-Politiker, der erst im Mai 2014 mit 75,4 Prozent der Stimmen bis 2020 wiedergewählt worden war, als Bürgermeisterkandidat in seiner Heimatstadt Verl vorgestellt.

Esken wuchs im Verler Ortsteil Kaunitz auf, baute hier sein Abitur und studierte anschließend in Bielefeld Rechtswissenschaft. Von 1997 bis 2000 arbeitete der 48-Jährige als Rechtsanwalt in Verl, wo er von 1989 bis 2002 Ratsmitglied war.

Er wurde dann zunächst persönlicher Referent des Paderborner Bürgermeisters Heinz Paus und danach erster Beigeordneter der Stadt Gronau. 2003 dann avancierte er zum Hemeraner Bürgermeister.

Michael Esken soll im Rahmen einer CDU-Mitgliedversammlung offiziell nominiert werden. Seine Chancen stehen offenbar gut, denn traditionell wird in Verl die CDU als stärkste politische Kraft wahrgenommen.

Der Verler hat die Rückkehr in seine Heimat vor allem aus privaten Gründen ins Auge gefasst: Seine ältere Tochter Charlotte geht in Verl aufs Gymnasium, die jüngere Tochter Henriette besucht die Grundschule in Kaunitz. Seine Frau Dr. Maria Esken hat eine eigene Zahnarztpraxis in Kaunitz. - ecke

Michael Eskens Stellungnahme bei facebook im Wortlaut

Michael Esken veröffentlichte am Mittwochabend eine Stellungnahme.

Am Mittwochabend hat Esken auf seiner facebook-Seite, wo er mehr als 4000 Freunde hat, eine persönliche Erklärung veröffentlicht. Fast 300 Mal wurde "Gefällt mir" geklickt, mehr als ein Dutzend mal wurde die Nachricht geteilt und mehr als 100 Mal kommentiert. Hier der Wortlaut:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

schlaflose Nächte kenne ich eigentlich gar nicht. Fast nichts hat mich seit meinem Amtsantritt im Jahr 2003 um den Schlaf gebracht: Kein Jugend- und Kulturzentrum, kein Haushaltssicherungskonzept, keine Landesgartenschau, sieht man einmal von dem ersten Entwurf des Jübergturms ab.

Lebenswichtiger Entschluss

Das hat sich in der vergangenen Woche grundlegend geändert, denn meine Familie und ich mussten einen lebenswichtigen Entschluss treffen: Ich werde vielleicht nach einer Wahl im September diesen Jahres von Hemer in die Stadt Verl (Kreis Gütersloh) wechseln.

Momente im Leben, die sich als einmalige Chancen entpuppen

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine schwerere Entscheidung getroffen zu haben. Aber dieser Schritt, und das wissen wir alle, musste irgendwann einmal auf mich zukommen. Es gibt Momente im Leben, die sich als einmalige Chancen entpuppen. Es sind die Momente, in denen sich eine Tür nur einen Spalt öffnet, und wenn wir nicht hindurchschlüpfen, verschließt sie sich auf ewig.

Ich möchte diese einmalige Gelegenheit nutzen

Der CDU-Vorstand im ostwestfälischen Verl hat mich gestern Abend einstimmig als ihren Bürgermeisterkandidaten nominiert. Und ja, ich möchte diese einmalige Gelegenheit nutzen, und mich in der Stadt, in der ich zur Grundschule und zum Gymnasium gegangen bin, in der ich aufgewachsen bin, in der ich als Gruppenleiter der Kolpingsfamilie arbeiten durfte, in der ich über 12 Jahre im Rat saß und in der meine Mutter und Geschwister leben als Bürgermeisterkandidat zur Wahl stellen.

Niemanden vor den Kopf stoßen

Ich wünsche mir von Herzen, dass ich mit dieser Entscheidung niemandem vor den Kopf stoße, vielmehr erhoffe ich mir Ihr Verständnis. In Verl gehen meine beiden Töchter zur Schule und arbeitet meine Frau. Seit 12 Jahren hier in Hemer erfahre ich durch meine Familie größte Unterstützung in meinem Beruf.

Es ist nun für mich als christlicher Mensch, dem Familie das höchste Gut ist, an der Zeit, meiner Frau und meinen Kindern etwas zurückzugeben und ihnen wenn möglich und die Bürgerinnen und Bürger mich wählen nach Verl zu folgen.

CDU Verl an mich herangetreten und hat mich überzeugt

Liebe Hemeranerinnen und Hemeraner, diese Entscheidung habe ich seit Sonntagabend dieser Woche in den sehr kurzen Nächten wohl durchdacht, immer wieder abgewogen und keineswegs lange vor mir hergeschoben. Erst mit dem Jahreswechsel habe ich im Urlaub erfahren, dass Verls amtierender Bürgermeister Paul Hermreck nicht mehr kandidieren wird. In den vergangenen Tagen ist dann die CDU Verl an mich herangetreten und hat mich überzeugt, mich der Bürgermeisterwahl am 13. September 2015 zu stellen.

Ohne starke Bürger kann es keinen starken Bürgermeister geben

Meine sehr geehrten Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich habe bereits erwähnt, dass es die fast schwerste Entscheidung meines Lebens ist, Hemer evt. zu verlassen. Gemeinsam haben wir in elfeinhalb Jahren so vieles erreicht. Ich liebe diese Stadt, ich liebe diese tollen Menschen in Hemer.

Ihnen allen möchte ich aus tiefstem Herzen Danke sagen. Ohne starke Bürger kann es keinen starken Bürgermeister geben. Ohne Sie alle wäre ich auch nicht in der Lage gewesen, die Geschicke unserer Stadt mit zu lenken. Ohne Sie hätte sich diese jetzt anstehende Chance mit all ihren Herausforderungen wahrscheinlich auch nie ergeben.

Bitte akzeptieren Sie, dass ich mich für die Familie entschieden habe

Ein besonderer Dank gilt natürlich auch der CDU in Hemer, den Fraktionsmitgliedern, dem CDU-Vorstand und dem ganzen CDU-Team, denn ohne die Unterstützung aus der Partei heraus wäre vieles einfach nicht möglich gewesen.

Bitte akzeptieren Sie, dass ich mich für die Familie entschieden habe. Ich hoffe, dass die Verler Bürgerinnen und Bürger mich willkommen heißen werden.

Ich bleibe

Ihr Michael Esken

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare zu diesem Artikel