Metalldiebstähle in großem Stil

Märkischer Kreis - Der Zeuge war beeindruckt: „Wer bereit ist, so zu arbeiten, könnte auch legal Geld verdienen.“ 8,5 Tonnen verkupferten Stahldraht hatten Diebe aus seinem Unternehmen gestohlen.

Dennoch hatte der Zeuge Grund zum Schmunzeln: „Der Hehler hat einen Magneten daran gehalten und hat angefangen zu lachen. Und die haben angefangen zu weinen“, erzählte er eine Szene, wie sie das Leben geschrieben haben könnte. Denn der Abtransport von 8500 Kilogramm Metall macht sehr viel Arbeit. Und wenn es dafür nur den Preis von Stahlschrott gibt, war die Arbeit mehr oder weniger umsonst.

Diejenigen, die da möglicherweise weinten – das waren sechs Angeklagte aus Schwerte, die sich seit dieser Woche in zwei Prozessen vor dem Landgericht Hagen verantworten müssen. Sie sollen sich als Bande auf Einbrüche in metallverarbeitende Unternehmen spezialisiert haben. 24 solcher Diebstähle, manche nur Versuche, wirft die Anklage fünf rumänischen Erwachsenen in einem großen Verfahren vor, das bis Ende Oktober terminiert ist.

 Dabei ging es immer um möglichst große Mengen von Kupfer und Messing: Die Diebe schleppten tonnenweise Kupferdrahtrollen, Feindrähte, Schweißdrähte, Hochspannungskabel, Metallspulen und Buntmetallschrott in angemietete Lastwagen und Transporter. Einige Firmen bekamen mehrfach Besuch von den Tätern. Oft tauchte die Polizei auf – dann blieb die Beute liegen, um die Flucht nicht zu gefährden.

Im Umkreis wurden Firmen in Iserlohn, Hemer, Hagen und Kierspe von den Tätern heimgesucht. Doch sie zogen ihre Kreise weit darüber hinaus: Nach Wuppertal und Wesel, Gummersbach und Duisburg, Lehrte bei Hannover und Landau in der Pfalz, Stuttgart und Hannoversch-Münden. Wie eine Heimsuchung für metallverarbeitende Betriebe liest sich die Liste der Ziele und der mitgenommenen Beute. Insgesamt soll die Bande von Herbst 2012 bis März 2013 Metall für 450 000 Euro erbeutet haben. Das ist nicht mehr zum Schmunzeln.

Verglichen mit dem großen Verfahren ist jenes vor einer Jugendstrafkammer, das am Mittwoch – einen Tag nach dem anderen – begann, klein, aber fein. Schon am Donnerstag könnte das Urteil gesprochen werden. Denn der zum Zeitpunkt der Taten 17-jährige Angeklagte ist so etwas wie der Kronzeuge der Anklage. Bei 13 Einbrüchen soll er dabei gewesen sein.

Der junge Mann verfügt über eine Fähigkeit, die selbst den Staatsanwalt verblüffte: „Wie kommt es, dass Sie sich so gut erinnern können, wer bei den einzelnen Taten dabei war?“ Ein Ermittler wertete das umfassende Geständnis des jungen Mannes als sehr hilfreich. Sich selbst konnte der ehemalige Dieb auch helfen. Wie es hieß, hat er mittlerweile einen Arbeitsplatz. Mag sein, dass der anfangs erwähnte Geschädigte doch recht hat: Wer bereit ist, so zu arbeiten, kann auch legal Geld verdienen. - thk

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