Richterin: "Es gibt so viele unterschiedliche Darstellungen dieses Geschehens"

Messerstecher-Prozess: Werdohler stach betrunken und bekifft auf Altenaer ein

+
Im Messerstecher-Prozess wird bald das Urteil erwartet.

Werdohl/Altena/Plettenberg – Betrunken und bekifft: In diesem Zustand hat ein Werdohler auf den Altenaer eingestochen. Auf Milde darf er beim Urteil nicht hoffen.

Nach Anhörung fast aller Zeugen ist noch immer vieles unklar im Prozess gegen die beiden 25-jährigen Angeklagten: „Es gibt so viele unterschiedliche Darstellungen dieses Geschehens“, fasste die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen den Eindruck zusammen. 

Der Hauptangeklagte war an jenem blutigen 17. April 2019 dabei und vertrat eine etwas andere Auffassung: „Das ist alles klipp und klar.“ Dieses Maß an Vertrauen in sein eigenes Erinnerungsvermögen hatte der Angeklagte während des Verfahrens nicht immer gehabt. 

Der psychiatrische Gutachter Bernhard Bätz nahm die Gedächtnislücken zum Anlass, darüber nachzudenken, ob der Angeklagte durch fortgesetzten Cannabis-Konsum sein Gehirn geschädigt habe. Letztlich kam der Experte aber zu dem Ergebnis, dass die Steuerungsfähigkeit des 25-Jährigen, der am Tattag Alkohol getrunken und mehrere Joints geraucht hatte, nicht eingeschränkt war. „Er litt an keiner schweren Bewusstseinsstörung.“ 

Gute Aussichten für Mitangeklagten

Der Bericht des Angeklagten über seinen fast täglichen Cannabis-Konsum stützte zwar die Diagnose einer Abhängigkeit. Diese habe aber keinen Krankheitswert, der die zwangsweise Unterbringung in einer Entzugsklinik rechtfertige. Den 25-Jährigen wird deshalb voraussichtlich ein „normales“ Urteil treffen. 

Sein Mitangeklagter hat gute Chancen, recht ungeschoren aus der Geschichte rauszukommen. Als der Hauptangeklagte massiv auf das Opfer aus Altena einstach, soll er versucht haben, den am Boden Liegenden zu treten. 

Der Zeuge konnte aber nicht bestätigen, dass er auch getroffen habe. Und es blieb zugunsten des Angeklagten auch ein ärztliches Attest über ein möglicherweise gebrochenes Nasenbein: Scheinbar hatte er mehr eingesteckt als ausgeteilt. 

Döner-Messer "durch Luft bewegt"

Zu den verbliebenen Unklarheiten zählte bis gestern auch die Frage, ob das zweite Opfer aus Plettenberg nach der Begegnung mit den Angeklagten ein Döner-Messer aus dem Kofferraum seines Autos geholt hatte: Ein direkter Zeuge des Geschehens, der aufgrund seines Nichterscheinens in der vorigen Sitzung von der Polizei gebracht wurde, lieferte einen glaubwürdigen Bericht darüber, dass der Plettenberger, dem später in den Rücken gestochen wurde, das 50 bis 60 Zentimeter lange Messer durch die Luft bewegt habe. 

Damit habe er die Forderung an den Hauptangeklagten verbunden, das ihm weggenommene Handy zurückzugeben. „Ich bringe es dir, aber was hast du mit meiner Freundin geschrieben?“, soll dieser erwidert haben. Das bestätigte erneut die Eifersuchtsgeschichte, die das Geschehen scheinbar befeuerte. 

Handyraub unwahrscheinlich

Vorläufig eingestellt wurde der Anklagepunkt eines angeblichen Handy-Raubs: Die Kammer geht nicht mehr davon aus, dass die Angeklagten sich das Handy aneignen wollten. Auch die Zeugenaussagen hinsichtlich des von 

einem der Opfer mitgebrachten Messers werfen ein etwas anderes Licht auf den Beginn der Auseinandersetzung: „Wir können uns darauf einigen, dass es dieses Dönermesser gegeben hat“, erklärte die Vorsitzende. 

Der Prozess wird am kommenden Dienstag, 25. Februar, nach dem letzten Zeugen mit den Plädoyers fortgesetzt. Voraussichtlich wird auch das Urteil gesprochen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare