Konjunkturumfrage der SIHK

Unternehmen für 2017 „gedämpft optimistisch“

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Zufall oder Trend? In den vergangenen Jahren waren die Unternehmen im Januar hinsichtlich der Konjunkturentwicklung stets zuversichtlicher als im September. Für 2017 steht das Barometer derzeit auf „verhalten optimistisch“.

Märkischer Kreis  - Die Wirtschaft ist optimistisch und erwartet für dieses Jahr ein moderates Wachstum. Die exportorientierte Industrie blickt allerdings mit Sorge über den großen Teich. Dr. Ralf Geruschkat, neuer Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), fasste die Daten aus der jüngsten Konjunktumfrage mit dem einen Satz zusammen: „Wir haben mehr Optimisten als Pessimisten an Bord.“

Branchenübergreifend beurteilen 87 Prozent der Befragten ihre aktuelle Situation mit gut oder befriedigend. 84 Prozent rechnen mit besseren oder gleichbleibend guten Geschäften im weiteren Jahresverlauf. 

SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat (l.) und Rudolf Wittig, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung, stellten am Donnerstag die Umfrage zur Konjunkturentwicklung vor. 

Befragt hat die SIHK 218 Unternehmen mit insgesamt 33.000 Beschäftigten. „Die Geschäfte gehen gut, die Auftragslage ist überwiegend stabil und der Jobmotor läuft in weiten Teilen der Region. Die Wirtschaft im Märkischen Kreis sollte daher trotz aller Risiken auf Wachstumskurs bleiben“, erklärte Dr. Geruschkat, der seit Anfang des Jahres als Hauptgeschäftsführer im Amt ist.

Doch der Seismograf in den Chefetagen der Betriebe reagiert empfindlich auf globale Erschütterungen, weshalb die Erwartungen für die Zukunft auch nur „verhalten optimistisch“ ausfallen. Zwar stehen steigende Energie- und Rohstoffpreise mit 57 Prozent noch an erster Stelle der Risikoskala, schon jedem zweiten Befragten bereiten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Bauchschmerzen. 

Trump-Tweets sorgen für Verunsicherungen

Da sind zum einen die Landtags- und Bundestagswahl, deren Ausgang niemand einschätzen kann, vor allem aber die 140-Zeichen-Meldungen aus Washington schaffen große Verunsicherungen. „Und die sind Gift für Investitionen und Beschäftigungen“, weiß Dr. Geruschkat. Die protektionistischen Aussagen des amerikanischen Präsidenten sorgten für erheblichen Wirbel, denn die USA sind für die heimischen Betriebe das Hauptexportland. 

Andere Krisen rückten in den Hintergrund

Auch Trumps Äußerungen zur Währungspolitik habe das Wirtschaftsgeflecht aufgewühlt. Der SIHK-Hauptgeschäftsführer hält ungeachtet aller Dollar- und Euro-Diskussionen fest: „Bei einem Währungskrieg gibt es keine Gewinner.“ Andere Krisenherde wie der harte Brexit (34 Prozent der heimischen Exporte gehen nach Großbritannien) oder die italienische Bankensituation rücken angesichts der Meldungen aus den USA etwas in den Hintergrund.

Gravierende Probleme vor der Haustür

Dabei gibt es schon vor der eigenen Haustür gravierende Probleme: „Der Mangel an Gewerbeflächen und der schleppende Breitbandausbau sind für die Betriebe ein erheblicher Nachteil“, sagte Dr. Geruschkat. Gerade weil die Ausweisung von Gewerbeflächen zeitintensiv sei, müsse die Politik umgehend handeln. „Die Unternehmen brauchen an dieser Stelle Luft zum Atmen“, hatte erst kürzlich SIHK-Präsident Ralf Stoffels das Dilemma umschrieben. 

Der wirtschaftliche Kern des Landes ist auf Perspektiven angewiesen, unterstrich der Hauptgeschäftsführer. „Denn der Mittelstand reagiert schnell mit Innovationen bei der Produktentwicklung. Dafür benötigen die Betriebe ausreichend Platz, sonst wandern sie ab. Die Flächenentwicklung hat sich in der Vergangenheit für diese Region immer gelohnt.“ Der Verweis auf Altbrachen sei nicht hilfreich. „Die sind oft innerstädtisch und damit nicht wettbewerbsfähig.“

Trotz aller Risiken und Unwägbarkeiten sind fast „sämtliche Branchen im grünen Bereich“, bilanzierte Rudolf Wittig, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung bei der SIHK. Bau, Handel und Dienstleister hätten die Binnenkonjunktur angekurbelt.

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