Folgen von stundenlangem Maske-Tragen

Maskendermatitis: Klinikum-Ärztin erklärt, was Betroffene tun können

Corona, Schalksmühle, Ordnungsamt
+
Mundschutz in Schalksmühle

Maskendermatitis sind Hautveränderungen, die durch das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen und Atemschutzmasken verursacht werden können. In der Corona-Pandemie hat die Zahl der Betroffenen zugenommen. Dr. Dorothee Dill, Dermatologin am Klinikum Lüdenscheid, erklärt die Erkrankung und wie man sich schützen kann.

Maskendermatitis entsteht durch das Tragen des Mund-Nase-Schutzes über einen längeren Zeitraum. Insbesondere in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, in der Mitarbeiter nahezu rund um die Uhr Maske tragen müssen, hat die Zahl der beobachteten Fälle zugenommen. Das Maske-Tragen kann Auswirkungen auf das Hautmilieu unter der Maske und durch die mechanische Reizung im Bereich der Fixierbänder (Mikroverletzungen) haben, wie die Lüdenscheider Dermatologin Dr. Dorothee Dill erklärt. Im Vergleich zu einem normalen Mund-Nase-Schutz ist dabei die Hauttemperatur und die Hautfeuchte deutlich erhöht. „Durch die Maskenabdeckung und eventuell verstärktes Schwitzen entsteht eine feuchte Kammer, ein Milieu, das Hautinfektionen durch Vermehrung von Bakterien begünstigt. Möglicherweise verstärken sich auch bestehende Hauterkrankungen wie Akne, Rosacea oder Neurodermitis.“

Betroffene berichten über Trockenheit, Spannungsgefühl und Abschilfern der Haut, die durch Scheuer- und Reibeeffekte bei enganliegenden Masken durch die mimischen Bewegungen des Gesichtes auftreten können. Die Dermatologen bezeichnen diesen Effekt als „irritative Hautreaktionen“. Auch echte allergische Reaktionen auf die Inhaltsstoffe des textilen Materials oder der Gummibänder (von medizinischen, OP- und Alltagsmasken) sind demnach möglich, jedoch erheblich seltener als die Hautirritationen, wie Dr. Dill ausführt. Hinzu kommen Effekte durch ungeeignete Hautpflegeprodukte oder Übertherapie von Hautveränderungen.

Die Direktorin der Hautklinik am Klinikum Lüdenscheid empfiehlt unabhängig vom individuellen Hauttyp:

  • 1. Eine regelmäßige hautschonende Reinigung des Gesichtes (morgens- abends und ggf. nach dem Dienst) mit lauwarmem Wasser. Der Einsatz eines pH-neutralen, möglichst duftstofffreien Reinigungspräparates (Syndet, Gesichtsreinigungsgel) kann empfohlen werden.
  • 2. Keine klassische Handseife verwenden.
  • 3. Intensive Reinigungsprozeduren mit alkoholischen Lösungen sind zu vermeiden. Aus-nahme: Medizinische Reinigungspräparate für zu Akne neigender Haut wird im nächsten Abschnitt erläutert.
  • 4. Regelmäßiges Wechseln der Maske und „Frischluftpausen“. Wer Stoffmasken (als Unter-ziehmaske) trägt, sollte diese täglich wechseln und bei 60 Grad waschen mit einem parfümstofffreien Waschmittel. Letzteres ist auch für alle Handtücher zur Gesichtsreinigung zu empfehlen.
  • 5. Regelmäßige Sichtkontrolle der Gesichtshaut auf Druckstellen (z. B. Nasenrücken, an den Ohren) und oberflächliche Wunden durch Scheuern. Dann ist eine gezielte Therapie erforderlich mit barrierestabilisierender Hautpflege (Dexpanthenol-, Glycerin- und Cera-midhaltige Repaircremes).
  • 6. Make-up in der Maskenzone allenfalls dünn auftragen, um das Schwitzen der Haut unter der Maske nicht zu verstärken. Abends sorgfältig abschminken!

Betroffene sollten zusätzliche Manipulation, wie Kratzen und Knibbeln bewusst vermeiden. Auch eine „Überpflegung der Haut“ mit stark rückfettenden Cremes oder Salben kann unerwünschte Folgen haben. Niemals sollten von Maskendermatitis Betroffene lokale Kortisoncremes als „Notbremse“ in Eigenregie anwenden, rät Dr. Dorothee Dill.

Durch die lokale Kortisoncreme werde der Hautzustand zwar kurzfristig gebessert, Rötung und Irritation gehen zurück. Mittelfristig führt die Steroidanwendung im Gesicht zu einer erheblichen Befundverschlechterung und kann weitere entzündliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen, zum Beispiel periorale Dermatitis oder einen Rosacea-Schub auslösen.

Dill hat eine Reihe von Maßnahmen aufgeführt, wie sich Berufstätige in Pflege und Medizinberufen, aber auch in anderen Bereichen vor einer Maskendermatitis schützen können. Dazu gehören eine hauttypgerechte Pflege, Achtsamkeit und Ernährung.

Hauttypgerechte Pflege: „Bei normalem Hauttyp ist die Tagespflege der Haut mit möglichst duftstofffreien, feuchtigkeitsspenden Cremes zu empfehlen. Hydrophile Creme bedeutet geringer Fettanteil der Öl-in-Wasser-Emulsion. Denn: stark fetthaltige, also lipophile Cremes bedecken die Hautoberfläche filmartig und reduzieren die Abdunstung von Feuchtigkeit. Durch diesen Occlusionseffekt entsteht ein feucht-warmes Milieu. Es begünstigt Hautinfektionen durch die bakterielle Flora der Haut“, schreibt Dill in einem Beitrag für das Corona-Update der Märkischen Kliniken. Bei eher trockener und empfindlicher Haut oder bei vorbestehender Atopischer Dermatitis (Neurodermitis), könne der Feuchtigkeitsstau unter der Maske zu Juckreiz, Brennen und flächiger Hautrötung führen. Bei besonders empfindlicher und gestörter Hautbarriere kann ein Ekzemschub ausgelöst werden. Hier müssedie Hautbarriere mit geeigneter Basispflege (moderat rückfettende lipophile Cremes) am besten über Nacht stabilisiert werden, so die Expertin. Bei seborrhoischem, eher fettigem Hauttyp empfiehlt sich nach der oben beschriebenen Reinigung eine leichte Creme, Lotion oder Gel als Tagespflege.

Wenn akneähnliche Hautveränderungen wie Komedonen oder kleine Pusteln auftreten, können medizinische Waschpeelings mit antientzündlichen Wirkstoffen zur Reinigung (z. B. 2 % Salicylsäure, niedrig konzentrierte Fruchtsäure) und entzündungslindernde minimal lipidhaltige Akne-Pflegecremes verwendet werden. In Drogeriemärkten und Apotheken gibt es ein umfangreiches dermatologisch geprüftes Angebot verschiedener Hersteller.

Als Prävention dienen folgende Maßnahmen:

  • Stressfaktoren reduzieren
  • regelmäßige Bewegung und Entspannungsphasen
  • hautberuhigende Umschläge mit lauwarmen Schwarztee-Kompressen.
  • Nikotinkonsum reduzieren

Ein hoher Konsum an Milchprodukten und Blutzucker steigernden Nahrungsmittel (Weißmehl, raffinierter Zucker, sog. Junk Food wie Pommes, Burger, Pizza) begünstigen zudem die Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen und Insulin. Eine Diät mit Verzicht auf ungesättigte Fettsäuren und Bevorzugung von Vollkornprodukten, Gemüse, zuckerarmes Obst, fettarmer Fisch und weißes Fleisch sind grundsätzlich zu empfehlen. Bei Menschen mit Neurodermitis können Nahrungsergänzungsmittel wie z. B. Omega-3-Fettsäuren einen günstigen Einfluss haben. Die Substitution mit Zink, Vitamin D (unter laborchemischer Kontrolle) kann unterstützend eingesetzt werden, verrät die Dermatologin.

Dill weiter: „Wenn diese Maßnahmen nicht helfen oder starke entzündliche Veränderung an der Ge-sichtshaut zunehmen, ist eine ärztliche Vorstellung angezeigt. Wer bereits zuvor von ent-zündlichen Hautveränderungen im Gesicht betroffen war, zum Beispiel periorale Dermatitis oder Rosacea, oder flächige Rötungen und dichtstehende kleine knötchenartige Infiltrate um den Mund oder bandförmig über Nasenrücken und Wangen neu entwickelt, sollte sich gezielt bei Haus- oder Hautarzt beraten lassen.“

Je nach zugrundeliegendem Krankheitsbild werden z. B. äußerliche oder innerliche Aknetherapeutika oder Präparate zur Behandlung der Rosacea eingesetzt. Dazu zählen Cremes oder Gele mit Harnstoff, Vitamin A Säure, Retinoiden, Benzolperoxid oder Azelainsäure. Bei eitrigen Pusteln kann - nach mikrobiologischem Abstrich - auch die kurzfristige Einnahme von Antibiotika angezeigt sein. Für Neurodermitis-Patienten wird das Therapieregime individuell angepasst. Betroffenen Mitarbeitern der Märkischen Kliniken wird im Pandemie-Update ein Beratungsangebot unterbreitet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare