Mängel bei Ausweichrouten

Gravierende Probleme für Schwertransporte aus dem Siegerland

Für die Unternehmen aus dem Siegerland wird es immer schwieriger, große Anlagen zu den Häfen zu transportieren. - Montage: OpenStreet

Südwestfalen - Die Sauerlandlinie ist für Güterverkehr und Logistik unverzichtbar. Deshalb wird der sechsspurige Ausbau samt der Erneuerung der maroden Brücken auch einhellig von der Wirtschaft begrüßt. Allerdings wird es beim Schwerverkehr zu erheblichen Problemen kommen, weil keine günstigen Alternativen zur Verfügung stehen. Jan Tornow, Verkehrsexperte der SIHK: „Es klemmt an allen Ecken und Enden.“

Bis zum fertigen Ausbau der A45 sollen den Unternehmen künftig zwei neue Ausweichrouten für ihre Schwertransporte zu den großen Ruhrhäfen zur Verfügung stehen. Betroffen sind vor allem Betriebe aus dem Siegerland. Beide Schwerlastrouten führen von Siegen/Hilchenbach durchs Volmetal. 

Kurz vor Hattingen trennen sich die Wege mit den Zielen Duisburg beziehungsweise Gelsenkirchen. Die beiden Verkehrsachsen hat eine Projektgruppe „Großraum- und Schwertransporte“ beim NRW-Verkehrsministerium erarbeitet.

Doch die Lösung ist bislang nur auf dem Papier plausibel. Denn auch auf der Ersatztrasse sind fünf Brücken für schwere Lasten nicht geeignet. Sie müssten erst noch ertüchtigt werden. Das aber kann ebenfalls noch Jahre dauern. Von der aktuellen Brückenproblematik sind die metallverarbeitende Industrie und die Unternehmen des Maschinen- und Anlagebaus in der Region Siegen besonders betroffen.

„Jetzt rächt sich, dass die Verkehrshaushalte über Jahre hinweg zurückgefahren wurden“, unterstreicht Tornow. „Wir haben in Südwestfalen eine Situation, die absolut unbefriedigend ist und sich kurzfristig auch nicht ändern lässt.“ Über geraume Zeit hinweg sei auf Verschleiß gefahren worden. „Solange es noch passte, reichte das.“ Erst in jüngster Vergangenheit habe ein Umdenken eingesetzt und würden mehr Mittel in den Straßenbau fließen.

Dabei brauche die Wirtschaft vernünftige Verkehrswege, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Die Misere bekam unlängst das Siegener Unternehmen Dango & Dienenthal zu spüren. Ein 140 Tonnen schweres Bauteil für Korea konnte nicht über die Straße zum Verladehafen transportiert werden. Stattdessen mussten die Siegener die mächtige Maschine in Einzelteilen in die Niederlande verfrachten, wo ein dem Hersteller bekanntes Unternehmen die Montage übernehmen konnte. Die geschätzten Mehrkosten liegen in einem hohen fünfstelligen Bereich.

Tornow: „Das ist natürlich nur in Ausnahmefällen möglich. Wir haben es hier schließlich nicht mit Lego-Bauteilen zu tun.“ Betroffen von den Transportmiseren seien Dutzende von Firmen. Einige hätten bereits Produktionsteile verlagert, am Ende würden Arbeitsplätze wegbrechen und schließlich ganze Standorte aufgegeben. Auch die Genehmigungsprozedur für derartige Schwertransporte würde immer aufwendiger und teurer.

Außerdem, so der Verkehrsexperte, treffe das Dilemma nicht nur den Export, sondern erschwere auch notwendige Modernisierungsmaßnahmen der ansässigen Betriebe. „Wenn keine großen Maschinen rausgehen, kommen auch keine rein.“

Im Gegensatz zur Rhein-Ruhr-Region verfüge der gesamte südwestfälische Raum nur über ein sehr grobmaschiges Autobahn- und Bundesstraßennetz. Leider seien auch die Landesstraßen zum großen Teil nicht mehr ihn einem vernünftigen Zustand. „Die notwendigen Investitionen wurden verschlafen. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen.“

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