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Linke kritisieren Aktienkäufe

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Linken-Fraktionschef Andreas Michel.
Linken-Fraktionschef Andreas Michel.

MÄRKISCHER KREIS - "Wie werde ich schnell Millionär?", wurde ein Börsenprofi gefragt. Dessen Antwort war ziemlich ernüchternd: Indem Sie als Milliardär RWE-Aktien kaufen. Spaß beiseite, obwohl an dem Bonmot durchaus etwas dran ist. Das Papier des Energieversorgers ist seit Jahren unter Druck und damit haben auch die 465 000 RWE-Aktien, die der Märkische Kreis hält, aktuell erheblich an Wert verloren.

Ohne Verkauf, und daran ist derzeit auch nicht gedacht, bleiben die Verluste theoretischer Natur. Für die Kreistagsfraktion Die Linke sind Aktienkäufe aber reine Spekulationsgeschäfte, die mit öffentlichen Geldern nicht vereinbar sind.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Linken in einer Anfrage kritisch mit dem Aktien-Engagement auseinandersetzen. 465 000 Anteilscheine liegen im Depot des Kreises. Aktuell liegt der Kurs bei 25,39 Euro je Aktie. Den größten Teil, nämlich 365  000 Aktien, kaufte die Märkische Kommunale Wirtschaftsgesellschaft (MKG) als hundertprozentige Tochter des Kreises im Jahr 2010 für rund 20 Millionen Euro. Der damalige Stückpreis lag bei 53,80 Euro. „Einhergehend mit Dividendenkürzungen von 3,50 auf zwei Euro ergeben sich Haushaltsabschreibungen von mehr als zehn Millionen Euro“, so Linken-Fraktionschef Andreas Michel. Entscheidend für den Kreis ist die Dividende, denn sie dient zur Abdeckung der Verluste bei der Märkischen Verkehrsgesellschaft. Trotz der Rücknahme der Dividende lag sie zuletzt noch über dem Planansatz von 3,5 Prozent. Da die Erträge zur Verlustabdeckung dienen, sind sie zudem steuerfrei.

Gleichwohl stehen die Linken dem Handel kritisch gegenüber. Vor zwei Jahren, so Michel, wurden im Antwortschreiben der MKG die angeblich erfolgreichen, zukunftsweisenden Aktivitäten von RWE in den Vordergrund gesellt. Auch die Dividendenentwicklung sei damals positiv bewertet worden. „Mittlerweile rechnet man bei den RWE-Aktien mit voraussichtlich dauerhaften Kursen unterhalb der Anschaffungskosten. Das ist wohl bei Dividendenkürzungen von mehr als 40 Prozent auch nicht schöngeredet. Die Kursentwicklung in den vergangenen fünf Jahren von mehr als 60 Euro auf jetzt rund 25 Euro ist ein einziges Desaster“, so Michel.

Am Beispiel von RWE lasse sich mehr als deutlich erkennen, dass solche Börsengeschäfte für öffentliche Haushalte keine Option seien, die Finanzprobleme der Kommunen zu lösen. „Aktienkäufe sind und bleiben nun mal Spekulationsgeschäfte.“

Der Märkische Kreis ist nicht alleine mit seinen Sorgen. Der Rhein-Sieg-Kreis hält zum Beispiel 1,4 Millionen Anteilscheine. Im dortigen Haushalt sind die Papiere noch mit einem Stückpreis von 80 Euro notiert.

Ein Verkauf des Aktienpaketes ist bei der jetzigen Bewertung für die märkischen Linken keine Lösung. Aber Anlageziel der MKG sei es, eine vergleichsweise risikoarme Anlageform zu nutzen. „Hier stellt sich die Frage, wie risikoarm eine Firmenbeteiligung in Form von Aktien überhaupt sein kann?“

Der Kursverlauf der vergangenen Jahrzehnte hat für Optimisten wie für Pessimisten etwas parat: Von 15 bis 100 Euro reichte die Spanne des Essener Versorgers.

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