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Landtagskandidaten im Wahlkreis 123: Stefanie Kordaß-Aysanoglu (Die Basis) im Porträt

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Von: Thomas Machatzke

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Stefanie Kordass Aysanoglu die basis porträt
Stefanie Kordaß-Aysanoglu würde in der Politik gerne „aufräumen“, kritisiert Lobbyismus und möchte sich nicht von Politikern erziehen lassen. © Thomas Machatzke

Im heimischen Wahlkreis 123 (Lüdenscheid, Schalksmühle, Halver, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid) stehen am 15. Mai sieben Direktkandidaten zur Wahl: Stefanie Kordaß-Aysanoglu (Die Basis) im Porträt.

Lüdenscheid – Es ist dieser Tage nicht leicht, Stefanie Kordaß-Aysanoglu zu treffen. Die 53-jährige Neuenraderin ist im Vollgasmodus zwischen Familie, Kindergarten (in dem sie als Pädagogin arbeitet) und Landtagswahlkampf. Immerhin ist die stellvertretende Kreisvorsitzende der Partei „Die Basis“ auch ihre Spitzenkandidatin im Wahlkreis 123, also zwischen Herscheid und Meinerzhagen – nicht direkt vor der eigenen Haustür. Und Kordaß-Aysanoglu betreibt den Wahlkampf leidenschaftlich.

„Wenn man Veränderung will, muss man dessen Stimme sein“, sagt sie. Das gilt für ihr neues politisches Engagement, aber eigentlich ist dieser Glaubenssatz schon älter. Kordaß-Aysanoglu ist in Werdohl aufgewachsen. Auf die Schule folgte eine Friseur-Lehre, dann aufgrund einer Allergie eine Umschulung zur Industriekauffrau. „Meine große Tochter hat dann die 180-Grad-Wende gebracht“, sagt sie. Über das anthroposophisch ausgerichtete Krankenhaus in Herdecke beschäftigte sich Kordaß-Aysanoglu mit den Antroposophen, fand zu Rudolf Steiner und zur Waldorfpädagogik.

In Werdohl wurde sie Initiatorin für den Waldorfkindergarten und die Waldorfschule – die vierfache Mutter betrieb erfolgreich die Veränderung, die sie sich auch für ihre Kinder wünschte. Und sie wurde später selbst Waldorfpädagogin, noch später staatlich geprüfte Erzieherin. Als es für die Waldorf-Einrichtungen in Werdohl nach fünf Jahren nicht weiterging und zumindest die Schule in Neuenrade eine neue Heimat fand, zog auch die Familie bald in die Hönnestadt.

Landtagskandidaten im Wahlkreis 123: Stefanie Kordaß-Aysanoglu (Die Basis)

Wie sie zu den Antroposophen gefunden hatte, fand Stefanie Kordaß-Aysanoglu später auch zum Mahayana-Buddhismus. Katholisch war sie erzogen worden, hatte auch im Gospelchor Risecorn in Lüdenscheid-Oberrahmede gesungen, doch richtig wieder fand sie sich auf dem buddhistischen Weg – bekam vom Tempel die Erlaubnis, bei sich in Neuenrade eine Sangha zu begründen. „Den Buddhismus lege ich nie wieder ab. Der ist wie eine zweite Haut“, sagt sie heute.

Und wie passt nun die Politik in diese erfüllte Lebensgeschichte? „Eigentlich hat mich Politik nie richtig angesprochen“, sagt sie, „bis vor drei Jahren.“ Das Masernschutzgesetz sah sie mit ihrer antroposophischen Herangehensweise kritisch. Sie ging in Berlin auf die Straße, demonstrierte. Und als wenig später die Corona-Pandemie ausbrach, da zog es sie irgendwann wieder nach Berlin. „Ich hatte am Anfang unheimlich viel Respekt vor Corona“, sagt Kordaß-Aysanoglu, „aber dann habe ich sehr viel gelesen. Beim RKI, beim Paul-Ehrlich-Institut. Mit meinem Wissen aus Herdecke erschien mir vieles nicht stimmig.“ Sie würde sich nicht zu den Querdenkern zählen, ist montags nicht mit auf die Straße gegangen. Sie ist auch keine Corona-Leugnerin. „Ich habe am Anfang verstanden, dass die Politik handeln muss“, sagt sie, „aber danach hätte ich erwartet, dass man das macht, was ich auch gemacht habe.“ Kordaß-Aysanoglu hätte sich vor allem für Kinder- und Jugendliche eine andere Corona-Politik gewünscht, hätte sich gewünscht, dass Ältere besser geschützt worden wären.

Deshalb fuhr sie nach Berlin. Die Politik müsse reagieren, wenn so viele Menschen auf die Straße gehen – das hat sie damals gedacht. Doch als sie nach der ersten Demo abends im Hotel die Bilder im Fernsehen sah, war sie erschreckt. „Das war nicht die Demo, auf der ich gewesen war. Die Zahl der Demonstranten stimmte nicht, ich habe auch diese Ausschreitungen nicht selbst erlebt“, sagt sie heute – dafür habe sie später erlebt, wie friedliche Demonstranten niedergeknüppelt worden seien. „Da habe ich gemerkt: Deine Stimme ist nichts wert“, sagt sie, und weiter: „Es bringt nichts, auf die Straße zu gehen.“

Wir sind mündige Bürger und brauchen keinen Erzieher!

Stefanie Kordaß-Aysanoglu (Landtagskandidatin „Die Basis“)

Gleichwohl hatten sie die Erlebnisse politisiert. Über ihren Ärger fand sie den Weg zur Partei „Die Basis“, in der sie sich heute sehr gut aufgehoben fühlt. Als der Kreisverband gegründet wurde, wollte sie eigentlich zunächst nur für die Säule „Achtsamkeit“ Verantwortung übernehmen. Aber als sich ihre Freundin Silke Kreikebaum für den Vorsitz begeistern ließ, stellte sie sich als stellvertretende Vorsitzende zur Verfügung.

Ihre politische Agenda? Es ist im Grunde eine Fundamentalkritik, ein Kampf gegen jedweden Lobbyismus. „Früher habe ich mal die Grünen gewählt“, sagt sie, „heute schäme ich mich in Grund und Boden. Alle Werte, die es da mal gab, sind im Ausverkauf. Ich hoffe und glaube, dass mir das niemals passieren würde.“ Ihr Herzensthema sind die Kinder. Nicht nur in der Corona-Politik. Mehr Geld für Schulen fordert sie zum Beispiel. „Wir geben Millionen für Rüstung aus und bauen für 600 Millionen ein neues Kanzleramt, aber für Luftfilter für Schulen reicht das Geld nicht?“, fragt sie rhetorisch. Wenn die Sprache auf die A45-Sperrung kommt, stellt sie fest, dass die Bürokratie „zur Not einmal ausgesetzt werden“ müsse an verschiedenen Stellen, damit die Brücke schnell gebaut werden und die Region überleben könne. Sie wünscht sich auch eine Friedenspolitik der Deutschen im Ukraine-Krieg („Waffen liefern befeuert nur weiter Leid, Tod und Verletzte. Diplomatie muss der Weg sein.“) und nennt auf die Frage nach Vorbildern Mahatma Gandhi und Nelson Mandela. Aber auch Sahra Wagenknecht findet sie richtig gut.

Kordaß-Aysanoglu wünscht sich, dass Diskurs möglich bleiben muss

Ziele für die Wahl? Vor allem aber würde sie gerne aufräumen in der Politik. „Politik muss den Menschen dienen“, sagt sie, „Politiker werden von uns Bürgern bezahlt: Wir sind eigentlich der Arbeitgeber, aber wir sind wie kleine Kinder erzogen worden – auch und gerade in der Corona-Krise. Wir sind mündige Bürger und brauchen keinen Erzieher.“

Stefanie Kordaß-Aysanoglu: Eine große Leidenschaft fürs Segeln

Im heimischen Wahlkreis 123 (Lüdenscheid, Schalksmühle, Halver, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid) stehen am 15. Mai sieben Direktkandidaten zur Wahl: Ralf Schwarzkopf (CDU), Gordan Dudas (SPD), Angela Freimuth (FDP), Julia Decker (Grüne), Otto Ersching (Linke), Horst Karpinsky (AfD) und Stefanie Kordaß-Aysanoglu (Die Basis).

Stefanie Kordaß-Aysanoglu (53) hat zwei Töchter und zwei Söhne (19 bis 30 Jahre alt) und lebt mit ihrem neuen Lebensgefährten in Neuenrade. Dort arbeitet sie auch als Pädagogin im städtischen Kindergarten. Zu ihren Hobbys zählt sie Tanzen, Lesen und Singen, ihre Leidenschaft ist indes das Segeln. „Das habe ich mit der Muttermilch aufgesogen“, sagt die Tochter einer Niederländerin, die mit ihren Eltern schon früh an der Bruchertalsperre segelte und in ganz Deutschland auf Regatten dabei war.

Kordaß-Aysanoglu sagt, sie habe in der Partei „Die Basis“ einen „tollen Kreis von Menschen“ angetroffen. Niemand werde ausgegrenzt, jeder finde seinen Platz mit seinen Talenten und seinem schätzenswerten Wesen. Das wünscht sie sich für die gesamte Gesellschaft. „Diskurs muss möglich sein und bleiben. Du kannst eine andere Meinung haben und trotzdem ein toller Mensch sein“, sagt sie. Es ist genau das, was sie in den vergangenen beiden Jahren vermisst hat.

Die weiteren Kandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis 123 (Erststimme) im Porträt:

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