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Landtagskandidaten im Wahlkreis 123: Ralf Schwarzkopf (CDU) im Porträt

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Von: Thomas Machatzke

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Ralf Schwarzkopf CDU Potrait
Ralf Schwarzkopf (CDU) im Systemcenter seiner Firma Hotset: Der Unternehmer will in den Landtag, um die Interessen der Region zu vertreten. © Thomas Machatzke

Im heimischen Wahlkreis 123 (Lüdenscheid, Schalksmühle, Halver, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid) stehen am 15. Mai sieben Direktkandidaten zur Wahl: Ralf Schwarzkopf (CDU) im Portrait.

Lüdenscheid – An der Wand hängt ein Bild des Dortmunder Künstlers Alexander Braun neben einer schwarzen Tafel, auf der in großen Lettern „Einfach machen“ steht. Hinterm Schreibtisch hängt die Deutschland-Fahne, neben ihr die von NRW. Es ist ein großes Büro, modern mit Design-Möbeln am Konferenztisch und einer Sitzecke mit Sofa. Hier verbringt Ralf Schwarzkopf, Hotset-Chef, stellvertretender Landrat, Vorsitzender der Lüdenscheider CDU, seine Tage. Noch. Das könnte sich nach dem 15. Mai ändern.

Zum zweiten Mal bewirbt sich der 53-Jährige, zum zweiten Mal will er den Geschäftsführer-Posten im Familienunternehmen für seine große Politikleidenschaft ins zweite Glied rücken. Eine Leidenschaft, die bis an den Anfang der 1980er-Jahre zurückgeht. Schüler am Bergstadt-Gymnasium war er, als ihn der Bruder eines Mitschülers zur Jungen Union lockte. Mit 14. „Samsonite-Koffer mit Black-is-beautiful-Aufkleber – da gehörtest du nicht zur geilen Mehrheit“, sagt Schwarzkopf heute. Aber er begeisterte sich – zunächst für die großen Themen. Deutsche Einheit, UdSSR gegen USA. Er wurde JU-Vorsitzender und am BGL Chefredakteur der Schülerzeitung Offensiv. „Da waren die meisten anderen links“, sagt er, „aber Spaß an der Auseinandersetzung habe ich immer gehabt.“

Hatte er Vorbilder? Ralf Schwarzkopf überlegt lange, kommt auf Martin Luther King und John F. Kennedy. Großen Respekt hat er auch für Helmut Schmidt gehabt, den großen Kanzler der anderen großen Volkspartei. Der Lüdenscheider ist sich treu geblieben, bis heute. Das Kabinett Merkel der vergangenen vier Jahre? Da findet er nicht viele gute Worte. Schwarzkopf ist ein Streiter für Inhalte, aber auch ein Streiter gegen politische Rituale, die „nichts taugen“.

Landtagskandidaten im Wahlkreis 123: Ralf Schwarzkopf (CDU)

Abitur, Banklehre bei der Commerzbank, Panzerfahrer im Wehrdienst in Hemer: So lange lief die Politik mit. Während des Studiums hat er sie dann ausgeblendet. Soziologie, Psychologie und Volkswirtschaftslehre in Kiel. Gerne denkt er an die Zeit zurück. „Im Sommer war Kiel phänomenal...“

Er schloss mit sehr gut ab, hätte seinen Doktor machen können, doch als ihn sein Vater rief, folgte Schwarzkopf diesem Ruf, wurde im Jahr 2000 Hotset-Geschäftsführer. „Soziologie war nicht das, was dich für ein Unternehmen mit Heizpatronen vorbereitet. Es war eine große Herausforderung“, sagt er. Trotzdem hat er weder die Studienwahl noch die Rückkehr bereut. „Im Studium hat mich diese Frage fasziniert: Wie schaffen es Menschen, miteinander klarzukommen?“ In die Firma wuchs er auch mit diesen Erkenntnissen hinein. Er hat die Firma so in die Zukunft geführt.

Den Weg zurück in die Politik ebnete Bernd Schulte, der Schwarzkopf als Schatzmeister in die Kreisunion holte. In Lüdenscheid sollte er bald der Mann für den Neuaufbau im Stadtverband werden. Wieder eine große Herausforderung. Gemeinsam mit dem Fraktionsvorsitzenden Oliver Fröhling hat er sie gemeistert. Heute ist die CDU die größte Fraktion im Stadtrat. Schwarzkopf hätte gerne noch Christoph Weiland als Bürgermeister gehabt, findet das „Klein-Klein“ der Ampel „nicht angemessen für eine Stadt der Größe von Lüdenscheid“. Wäre Bürgermeister kein Job, der Schwarzkopf gereizt hätte? „Klar, wenn ich mir das Potenzial dieser Stadt anschaue“, sagt er, „aber da wären Firma und politische Tätigkeit nicht vereinbar gewesen. Beim Bürgermeister sagt die Aufsicht klar: Das ist der Hauptberuf. Auch ein Landtagsmandat verlangt viel ab, und wenn ich gewählt bin, werde ich auch alles tun, um die Wähler zufriedenzustellen. Aber mit einem Auge könnte ich eben doch noch aufs Unternehmen schauen.“

Ich würde mir so sehr wünschen, dass Menschen etwas wagen...

Ralf Schwarzkopf (CDU-Landtagskandidat)

Schwarzkopf ist überzeugt, dass das vereinbar ist. „Für mich gibt’s kein Entweder-Oder – ich will für die Menschen und die Region etwas bewegen. Gerade dieser Weg ins Parlament ist wichtig. Es kann auch Gutes herauskommen, wenn da einer ist, der immer in der politischen Blase lebt. Aber nur solche Biografien tun der Politik nicht gut.“ Schwarzkopf will unabhängig bleiben. „Wenn etwas schlecht gelaufen ist, will ich meinem Vorsitzenden sagen können: ,Das war Käse! Kommt raus aus der Blase!’“

Deshalb kämpft Schwarzkopf für seinen Einzug in den Landtag und dort vor allem für einen schnellen Neubau der Talbrücke Rahmede: „Es ist das dringlichste Thema. Alle hier wollen den schnellen Neubau. In Genua hat das in zwei Jahren geklappt. Ich glaube nicht, dass wir blöder sind. Aber wir müssen die Gesetze ändern und Mut haben. Meine Stärke ist, dass ich Netzwerke knüpfen und Menschen zusammenbringen kann. Es kann für die Brücke hilfreich sein, wenn die richtigen Menschen miteinander sprechen.“

Zweites Herzensthema ist der Bildungsstandort Lüdenscheid

Sein zweites Herzensthema ist der Bildungsstandort Lüdenscheid. Am liebsten würde Schwarzkopf die Fachhochschule ausbauen, mitten in der Stadt ansiedeln in jenem großen Leerstand an der vorderen Wilhelmstraße, den die Stadt zu kaufen gedenkt. „Mehr Präsenzstudiengänge, eine Mensa, eine Bibliothek, Studentenwohnungen, man wird doch ein bisschen spinnen dürfen...“

Ralf Schwarzkopf: Kunst, klassische Musik und gutes Essen

Im heimischen Wahlkreis 123 (Lüdenscheid, Schalksmühle, Halver, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid) stehen am 15. Mai sieben Direktkandidaten zur Wahl: Ralf Schwarzkopf (CDU), Gordan Dudas (SPD), Angela Freimuth (FDP), Julia Decker (Grüne), Otto Ersching (Linke), Horst Karpinsky (AfD) und Stefanie Kordaß-Aysanoglu (Die Basis).

Ralf Schwarzkopf ist Ur-Lüdenscheider und lebt mit seinem Mann Marco in der Bergstadt. Wenn Beruf und Politik noch Zeit lassen, kocht der 53-Jährige gerne, vor allem die französische Küche reizt ihn. Sport, insbesondere Joggen, gehört allein aus Gesundheitsaspekten fest zum Alltag. Dazu kommt ein ausgeprägtes Interesse für Kunst, vor allem für Künstler, die noch leben. Schwarzkopf mag klassische Musik und die Oper. Die Pflege von Freundschaften bei den Rotariern oder in der Hotop-Riege sind ebenso Pflicht wie inzwischen einmal im Jahr (im November) eine Reise in eine Metropole Europas.

„Einfach machen“, steht auf der Tafel. Genau das will Schwarzkopf. Er kommt noch einmal auf Helmut Schmidt: „Als der die Bundeswehr bei der Sturmflut nach Hamburg geholt hat, hat er bestimmt gegen 150 Gesetze verstoßen, aber es war ihm egal“, sagt Schwarzkopf, „ich würde mir so sehr wünschen, dass Menschen etwas wagen.“ Aktuell wäre eine neue Gesetzgebung für die Brücke so ein Wagnis. Er will die Verantwortlichen nerven. Vor allem den Verkehrsminister. „Wir haben mit Johannes Vogel und Angela Freimuth hier prominente Abgeordnete seiner Partei“, sagt Schwarzkopf, „ich weiß nicht, warum sie Herrn Wissing nicht jeden Tag auf den Füßen stehen. Denn wir müssen hier jetzt Dinge umsetzen, sonst wird es für Lüdenscheid irgendwann zu spät sein.“

Die weiteren Kandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis 123 (Erststimme) im Porträt:

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